Neue Studie aus Österreich

Radikalisierte Muslime haben durchaus theologisches Wissen

Die Beziehung zwischen radikal-islamischen Gruppen wie beispielsweise ISIS und dem Islam als Religion ist immer wieder umstritten. Viele betonen die Friedfertigkeit des Korans. Doch dass viele radikale Muslime schon vor ihrer Radikalisierung ein durchaus fundiertes Wissen über die islamische Religion und Theologie hatten, zeigt eine neue österreichische Studie.

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ISIS-Kämpfer
Für die Studie interviewte der Islamwissenschaftler Ednan Aslan der Universität Wien 29 Jugendliche, die sich aufgrund von Terrorakten im Gefängnis oder in Jugendanstalten befinden. Die Befragten wussten über den Islam besser Bescheid als bisher angenommen, berichtet das ORF. Der Grossteil der Befragten stamme zudem aus einem gläubigen Elternhaus und habe bereits vor der Radikalisierung Kenntnisse über den Islam gehabt. In Auftrag gegeben wurde die Studie vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF).

Persönliche Kontakte entscheidend

Die Ergebnisse der narrativ-biografischen Interviews zeigen auf, dass sich die Jugendlichen während des Radikalisierungsprozesses aktiv mit Inhalten, Normen und Wertvorstellungen der islamischen Lehre auseinandersetzten, so die Studie. Die Betroffenen würden sich dabei meist nicht isoliert radikalisieren, sondern in einem bereits extremistisch geprägten Umfeld. «Innerhalb des radikalen Milieus spielen bestimmte Moscheen, die eine Lehre verbreiten, die unausweichlich zum Salafismus führt, sowie religiöse Autoritäten eine zentrale Rolle.» Dabei seien insbesondere persönliche Face-to-Face-Beziehungen ein wichtiger Punkt.

Ein weiterer Faktor für die Radikalisierung der Jugendlichen sei aber auch das Gefühl der Entfremdung. «Die radikalen Gruppen und Individuen sehen sich als die einzig wahren Muslime», heisst es in der Studie. «Die soziale Umwelt wird als verkommen wahrgenommen. Hinzu kommen die Ablehnung der Demokratie und die Hervorhebung der Scharia als Gesellschaftsgrundlage.»

Widerspruch zu anderer Studie

Interessanterweise stehen die Ergebnisse von Aslans Studie im Widerspruch zu einer anderen Studie, die vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie erstellt wurde und für die teilweise dieselben Jugendlichen befragt wurden. Ko-Autor dieser zweiten Studie, Thomas Schmidinger, erklärte gegenüber dem ORF: «Bei den Meisten [Jugendlichen] hatte ich eher den Eindruck, dass es sich um eine oberflächlich gelebte Form der Religiosität oder sogar um relativ wenig Bezug zur Religion handelt, einen gewissermassen kulturell gelebten Islam, besonders bei der Gruppe, die aus Tschetschenien stammt.»

Bei den tschetschenischen Radikalen handle es sich allerdings eher um asylberechtige Jugendliche, die «sich am syrischen Krieg beteiligten wollten, um den Feind von zu Hause aus direkt bekämpfen zu können». Hier war das Motiv also nicht religiöse Radikalisierung, wie es bei der Mehrheit der von Aslan Befragten der Fall war.

Zur Studie:
Islamistische Radikalisierung

Zum Thema:
Rat eines Ex-Muslim: Dem Dschihad mit biblischer Liebe die Wurzel entziehen
Justin Welby: «Nicht mehr sagen, ISIS hätte nichts mit dem Islam zu tun»
Mehr als nur Psychopathen: Was ISIS wirklich will

Datum: 18.08.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / ORF

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