Lebenslänglich droht

Pastor in der Türkei jetzt der «Spionage» angeklagt

Pastor Andrew Brunson arbeitete in einer Gemeinde in Izmir 23 Jahre lang als Gemeindeleiter, als er vor einem Jahr verhaftet wurde. Jetzt wurde er der «Spionage» angeklagt – ein Verbrechen, auf das in der Türkei lebenslange Haft ausgesetzt werden kann.

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Izmir
Brunson ist 49 Jahre alt und hat 23 Jahre lang als Pastor der presbyterianischen Gemeinde in Izmir (dem biblischen Smyrna) gearbeitet. Im Oktober 2016 wurde er ohne genaue Angabe von Gründen verhaftet, dies nach dem misslungenen Umsturzversuch gegen Präsident Recep Tayyp Erdogan im Juli letzten Jahres. In der zweiten Jahreshälfte 2016 waren tausende von Journalisten, Anwälten und Lehrern ebenfalls verhaftet worden.

«Neue Erkenntnisse»

Nach 11 Monaten im Gefängnis sollen «neue Erkenntnisse» den Pastor nun in Verbindung mit politischen und militärischen Informationen zum Zweck der «Spionage» bringen. Nach Angaben des Staatsanwalts soll der Pastor in Verbindung mit terroristischen Gruppen stehen, deren Ziel es ist, das türkische Parlament und die Regierung «umzustürzen» und die Konstitution des Staates zu untergraben.

«Absurd»

Sowohl Pastor Brunson selbst als auch sein Anwalt weisen diese Vorwürfe kategorisch zurück. Der Leiter der «Vereinigung protestantischer Kirchen» in der Türkei, Ihsan Ozbek, bezeichnete sie als «absurd». In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» hielt er fest, dies sei ein «politischer Fall» und es sei klar, dass Brunson kein Spion sei.

«Ich bin kein Spion, ich rede von Jesus»

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Andrew Brunson
Brunson selbst wies in einer Videokonferenz derartige Vorwürfe kategorisch zurück. «Ich habe eine Gemeinde angefangen. Ich bin ein Mann des Glaubens, und der Staat wusste davon. Mein Ziel ist, von Jesus zu reden. Ich bin kein Spion. Ich verlange eine Erklärung, wo und wie ich spioniert haben soll». Und auf den Vorwurf, mit dem radikalen Prediger und Erdogan-Feind Fetullah Gulen in Verbindung zu stehen, sagte der Pastor: «Ich habe nie in meinem Leben einen Vertreter der Gulen-Bewegung getroffen. Ich habe nie eines ihrer Treffen besucht. Ich habe keine einzige Verbindung mit der Gulen-Terroristenbewegung. Ich hätte eine muslimische Bewegung auch nie unterstützt. Ich unterstütze die untrennbare Einheit der Türkei».

Strategie des Gefangenen-Austauschs?

Analysten aus den USA vermuten, dass die Türkei mit Brunson einen Joker zum Austausch von Gefangenen im Ärmel haben will. «Es ist typisch für solche Fälle, dass man vor dem Austausch immer mehr Anklagen vorbringt».

Präsident Donald Trump hatte anlässlich eines Besuches von Erdogan im Mai 2017 öffentlich die Freilassung von Pfarrer Brunson verlangt. Und im August 2017 hielt Aussenminister Rex Tillerson fest: «Die USA verlangen weiterhin die Freilassung von Pastor Andrew Brunson, der in der Türkei zu Unrecht im Gefängnis sitzt».

Zum Thema:
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Datum: 31.08.2017
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Evangelical Focus

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