Von Klein an allein

In Gott habe ich endlich meine Heimat gefunden

Nadine Lorenzen aus Lüneburg wird gleich nach ihrer Geburt adoptiert, doch in ihrer neuen Familie fühlt sie sich nie zugehörig. Sie erlebt Missbrauch, leidet unter schlechtem Selbstwert und entwickelt eine Essstörung. Liebe, Heilung und Heimat findet sie erst spät. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

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Nadine Lorenzen
Direkt nach meiner Geburt wurde ich adoptiert. Meine leiblichen Eltern habe ich nie kennengelernt. Doch auch bei meinen Adoptiveltern hatte ich es nicht leicht. Ich wurde in jungen Jahren sexuell missbraucht, geschlagen und erniedrigt. Mein Leben war das reinste Chaos. Ich verstand so vieles nicht, war voller Wut und Hass auf die Welt und auf Gott.

Völlig verloren

Lange Zeit konnte ich nicht verstehen, warum mich meine eigene Mutter nicht behalten hat, wieso mein leiblicher Vater sich nicht zu mir bekennen wollte. Ich hatte damit zu kämpfen, dass ich meine Wurzeln nicht kenne. Es war, als habe ich keine Identität. Ich fühlte mich ungewollt und ungeliebt und das nagte an mir. Ich begriff auch nicht, warum ich bei Menschen aufwuchs, die gar nicht zu mir gehören. Diese Familie war nicht meine Familie. Ich wusste nicht, wo ich hingehöre und fühlte mich auch nirgends zugehörig.

Die sexuellen Übergriffe im Haus meiner Adoptiveltern machten meine Situation nicht besser. Damals war ich erst vier Jahre alt und verstand nicht, was da passierte. Aber je älter ich wurde und je mehr ich erkannte, was mir angetan wurde, desto mehr litt ich unter den Folgen. Ich hatte grosse Selbstwertprobleme, war nicht fähig, tragende Beziehungen aufzubauen und mit 16 Jahren entwickelte ich eine Essstörung. Ich verletzte mich selbst, um den inneren Schmerz besser ertragen zu können.

Der Zusammenbruch

Ich konnte mit niemandem darüber reden, was mir angetan wurde. Zu gross war meine Scham und zudem gab ich mir die Schuld an dem, was passiert war. Irgendwie glaubte ich, dass ich etwas falsch gemacht habe und ich zu Recht so behandelt werde. Ich frass alles in mich hinein, bis ich irgendwann mit meinem Schweigen, dem Schmerz, meiner Trauer und der Verzweiflung nicht mehr alleine fertig wurde und in der Schule zusammenbrach. Ich hatte für nichts mehr Kraft und schmiss die Schule. Ich war ein einziges Wrack.

Danach war ich in mehreren Kliniken und bei Therapeuten, aber man konnte mir nicht helfen. Zu tief sass der Schmerz und zu klein war mein Lebenswille. Schliesslich wog ich nur noch 49 Kilo.

Gibt es Gott doch?

Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Eigentlich glaubte ich nicht an Gott, denn warum hatte er mich nicht gerettet oder beschützt? Auf der anderen Seite ahnte ich, dass wenn es ihn doch gibt, er mir wohl helfen könnte. Entweder er greift ein oder ich bin morgen tot. So ging ich voller Verzweiflung in eine christliche Gemeinde.

Dort wurde ich sehr herzlich aufgenommen und ich fühlte mich richtig sicher. Es dauerte nicht lange, da bröckelte meine Fassade und ich brach in Tränen aus. Plötzlich wusste ich ganz klar, dass es Gott gibt und dass nur er mir helfen und mich befreien kann.

Gottes Gegenwart heilt allen Schmerz

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Nadine Lorenzen
Die Seelsorgerin der Gemeinde hatte noch Termine frei und so ging ich zwei Tage ins Gebetshaus. Und dort begegnete ich Gott. Ich konnte ihn spüren und wusste ganz tief in mir, dass er mich liebt und immer da war. All die Jahre hatte ich ihn dafür verantwortlich gemacht, dass mir so viel Leid zugestossen ist, aber nicht er war Schuld, sondern andere Menschen. Gott war in jeder Situation bei mir, litt und weinte mit mir. Nach und nach lernte ich zu vergeben und legte damit dieses dicke, grosse Paket ab, das ich immer mit mir herum geschleppt hatte. Dann bat ich Gott mich von meiner Essstörung zu heilen und erlebte eine Spontanheilung. Von dem Augenblick an war ich frei.

Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen und ich bin nach wie vor frei von Essstörungen. Ich habe einen wundervollen Mann geheiratet, bin glücklich und lebe in einer aktiven Beziehung zu Gott. Wenn ich heute auf meine Vergangenheit schaue, bin ich nicht mehr bitter, sondern dankbar. Denn ich weiss: Gott war immer da. Ich war nie alleine. Er ist der Grund dafür, dass ich noch lebe und warum ich heute heil bin. Seit ich ihn kenne, habe ich einen Vater, einen, der mich bedingungslos liebt.

Zum Thema:
Den Glauben entdecken, der Nadines Leben veränderte
Was Vergebung verändert: Meine Mutter versuchte, mich umzubringen
Sylvia Marchael: Plötzlich geliebt

Datum: 30.09.2016
Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch / mystory.me/nadine

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