Von Estavayer-le-Lac nach Zamboanga

Schweizer gründen Haus für obdachlose Kinder

Lorna Fe Haas konnte nicht untätig bleiben, als sie 2011 in ihre Heimat zurückkehrte. Die Erinnerung an ihre eigene Kindheit – als Vertriebene des Bürgerkriegs in Mindanao – und die allgemeine Armut auf den Philippinen, motivierten Lorna zu einem persönlichen Projekt: Die mutige Frau errichtete das «Holy Trinity Orphanage», ein Waisenhaus, in welchem die Kinder gefördert werden.

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Lorna mit Waisenkindern im «Holy Trinity Orphanage»
Mit dem Bau eines Waisenhauses wollte sie sich für die Strassenkinder in ihrer Heimatstadt Zamboanga einsetzen. Freunde aus Estavayer-le-Lac, die katholische und die reformierte Ortskirche ermutigten sie und unterstützen sie von Anfang am. Ein geeignetes Stück Land ausserhalb der Stadt Zamboanga City wurde 2011 erworben, und das Haus 2012 bis 2013 gebaut.

In den Philippinen besteht die Stiftung «Holy Trinity Orphanage», die seit 2012 beim «Department of Social Welfare and Development» in Zamboanga-Stadt registriert ist, mit einem Vorstand, der mit lokalen Kirchen vernetzt ist. In der Schweiz wurde zur Unterstützung des Kinderheims Ende 2014 ein Verein gegründet. Der Vorstand besteht aus Vertretern aus katholischen, reformierten und Freikirchen, Vorstandspräsident ist David Amstutz aus Belmont s/Lausanne. Livenet unterhielt sich mit Lorna Fe Haas und David Amstutz.

Was für Kinder werden aufgenommen?
Lorna: Derzeit sind Kinder im Alter von 7 bis 16 bei uns, sowie eine 21-jährige Frau, die bleibt, bis ihr Studium abgeschlossen ist. Die meisten von ihnen wurden von ihren Eltern verlassen oder körperlich missbraucht. Andere haben keine Familienangehörigen mehr oder die Verwandten leben auf dem Lande und können oder wollen sie nicht aufnehmen. Andere wiederum sind Bettler oder Strassenkinder ohne Hoffnung. Eines der Kinder stammt aus bitterster Armut.

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Waisenkinder im «Holy Trinity Orphanage»

Unser Ziel ist es, eine Gesellschaft zu sein, in der Obdachlose und Strassenkinder jeden Alters aufgenommen werden, wo sie frei sind, ihre Grundrechte respektiert werden und angemessene Hilfssysteme immer zugänglich sind.

Wie sieht ein Tag im HTO aus?
Lorna: Alle Kinder gehen zur Schule. Sie stehen um 5 Uhr auf und bereiten sich auf den Tag vor. Primar- und Sekundarschule sind weniger als ein Kilometer vom Zuhause entfernt. Kommen sie zurück, helfen ihnen die beiden Hauseltern beim Erledigen der Hausaufgaben. Danach hat jedes wöchentlich die eine und andere Aufgabe, zum Beispiel den Tisch vorbereiten, in der Küche helfen und so weiter.

Abends vor dem Schlafengehen gibt es eine Zeit, in der moralische und geistliche Lektionen gelernt werden. Die wichtigste Hausregel heisst «Respekt» in allem, was getan wird. Wir betonen Regeln wie «Einander helfen», «immer aufrichtig sein», denn manche, die ankommen, haben zunächst noch einen skrupellosen Charakter. Wir nehmen uns zudem Zeit fürs Gebet und unterrichten sie, wie man betet und wir bedanken uns täglich bei dem, der «unser täglich Brot» gibt.

Während den Wochenenden helfen sie im Garten, machen Morgenübungen und sie lernen weitere geistliche und moralische Werte.

In welcher Ortschaft steht das HTO und wie sieht die Nachbarschaft aus?
Lorna: Das Haus steht am Stadtrand von Zamboanga-Stadt, in einem Quartier mit Menschen, die mehr oder weniger anständig sind. Wir sind nicht isoliert, sondern haben zwei Nachbarn. Auf einer anderen Seite ist ein Reisfeld. Das Haus ist umgeben von einer saftigen Vegetation und wir haben viele Fruchtbäume auf unserem Anwesen gepflanzt, zum Beispiel Mango-Bäume.

Wie ist die wirtschaftliche Lage in dieser Gegend?
David: Die Zamboanga-Halbinsel ist in früheren Jahren wirtschaftlich gut gewachsen. Doch durch die «Zamboanga Belagerung», einem zweiwöchigen Aufstand zwischen der «Moro Islamic Liberation Front» (MILF) und den bewaffneten Staatskräften führten im September 2013 dazu, dass in einem städtischen Krieg 100'000 Menschen flohen und 10'000 Häuser zerstört wurden. Das war ein harter Schlag für die Wirtschaft und alle Sektoren verzeichneten Verluste.

Der Wiederaufbau geschieht, doch er geht langsam voran. Vertriebene Anwohner leiden teils immer noch in Evakuationszentren und anderen vorübergehenden Standorten.

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Das Waisenhaus «Holy Trinity Orphanage» in den Philippinen.

Zudem ist die Lage generell unsicher. Im Januar 2015 explodierte eine Bombe in einer Busstation in Zamboanga Stadt, dabei starben zwei Menschen und 50 weitere wurden verletzt. Lorna selbst war betroffen, als sie im Juli in einem Einkaufszentrum war. Doch die gelegte Bombe konnte von den Sicherheitskräften entschärft werden. Dazu kommt eine hohe Kriminalitätsrate. Die Einwohner sind zudem besorgt wegen der neulich vorgeschlagenen Autonomie von Mindanao und dem Sulu-Archipel, das zu «Bangsamoro» werden soll, um den Friedensprozess zwischen der philippinischen Regierung und den Muslimen auf Mindanao zu komplettieren.

Zamboanga-Stadt und die Halbinsel sind nicht Teil des vorgeschlagenen «Bangsamoro»-Territorium, doch die Insel Basilan aus der Region ist es.

Was soll als nächstes geschehen, ist ein weiteres Haus geplant?
David: Wir haben weiteres Land zum Expandieren. Doch wir haben im April des laufenden Jahres begonnen und sind noch im Lernprozess. Wir füllen nun das erste Haus, sobald genügend Spenden da sind. Gehofft wird, dass wir bis Ende 2016 nachhaltige Eingänge verzeichnen. Sobald dies geschehen ist, können wir an eine Erweiterung denken.

Datum: 11.08.2015
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

Kommentare

Liebe Landsleute in der Schweiz! Ich lebe seit 6 Jahren hier in Zamboanga City und bin inzwischen auch mit einer Philippinin gluecklich verheiratet. Ich kenne die Armut hier also aus allernaechster Naehe und im speziellen die traurige Situation vieler Kinder, die ohne elterliche Liebe und Betreuung sich selbst ueberlassen sind! Ich finde es jedenfalls phantastisch, was Lorna und Raymiond hier aufgebaut haben und war am 24. April 2014 bei der Eroeffnung dieses schmucken Waisenhauses dabei. Meine Bitte an alle hilfsbereiten Leser/Innen in der Schweiz: Dies ist ein Projekt, dass sie wirklich unterstuetzen koennen, denn jeder Franken kommt den Kindern direkt zugute! Ihr Jean-Pierre Ackermann

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