Mut durch Decken

«Menschen lernen, ihrem liebendem Schöpfer zu vertrauen»

Die «Schweizerische Mennonitische Mission» (SMM) setzt sich für Menschen in Ländern ein, die nicht mehr im Brennpunkt der Medien stehen, zum Beispiel mit den legendären «Quilt»-Decken. Im Zentrum des Engagements steht, den Menschen zu vermitteln, dass Gott Versöhnung anbietet. Gegenüber Livenet gab Heike Geist, die sich mit Max Wiedmer die Geschäftsführung der SMM teilt, einen Einblick in die Arbeit der Mission.

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Max Wiedmer und Heike Geist
Heike Geist, längst ist Haiti aus dem Brennpunkt des Interesses weggerückt. Die SMM ist vor Ort geblieben, was tun Sie dort?
Heike Geist: Nicht die SMM ist vor Ort geblieben, sondern das internationale Hilfswerk der Mennoniten namens Mennonite Central Committee (MCC), das wir mit Spenden in ihrer langfristigen Arbeit unterstützen. Das MCC ist mit seinen Mitarbeitenden schon viele Jahre an verschiedenen Stellen in Haiti aktiv. Ihre Repräsentanten sorgen für eine gute Zusammenarbeit mit Partnern überall vor Ort, wo sie sich engagieren. Das stellt sicher, dass auf die tatsächlichen Nöte und Bedürfnisse der Menschen eingegangen wird und die Spenden, zum Beispiel in Form von Decken und Kesseln, gefüllt mit Hygieneartikeln, als Nothilfe auf kurzen Wegen dorthin kommen, wo sie gebraucht werden. Das MCC setzt sich aber nicht nur mit Nothilfeaktionen, sondern auch mit langfristigen Projekten ein, zum Beispiel durch Ausbildungsangebote, Ernährungs- und Wiederaufforstungsprojekte. Die Katastrophen dieser Welt sind vielfältig und oft genug nicht lange im Brennpunkt des Interesses der Medien oder auch unseres Bewusstseins. Als SMM setzen wir einen kleinen Akzent, indem wir gerade auch weiterhin Spenden für Menschen in Ländern sammeln und weiterleiten, die nicht mehr in den Medien auftauchen.

Welchen geistlichen Einfluss hat Euer Vorortsein?
Als SMM wollen wir mithelfen, dass Menschen «hier und anderswo» zur Nachfolge Christi und zum Bau des Reiches Gottes gerufen werden. Um die Liebe Gottes weiterzugeben, braucht es ganzheitliche Arbeit: Menschen brauchen die gute Nachricht, dass Gott uns Versöhnung anbietet. Diese Botschaft versuchen wir durch materielles, spirituelles und soziales Engagement erfahrbar zu machen. Menschen werden durch die Arbeit unserer Mitarbeitenden von der Liebe Gottes berührt. Wo sie sich oftmals vergessen und allein glaubten, wird durch unsere Arbeit – und genauso durch die vieler anderer Organisationen – für sie deutlich, dass weder Menschen noch Gott sie «vergessen» haben.

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Junge mit Patchwork-Decke
Seit bald 100 Jahren geschieht dies durch ganz besondere Decken...
Mennoniten nähen schon seit Jahrzehnten bunte Flickendecken, «Quilts» oder «comforters» genannt. Viele Quilts erzählen durch ihre Applikationen eine Geschichte oder werden mit schönsten Mustern versehen an Familie und Freunde verschenkt – oder auch verkauft. Schon seit den 1920er-Jahren werden Quilts genäht, gespendet und über das Mennonite Central Committee (MCC), unserem weltweit agierenden mennonitischen Hilfswerk, in Krisen- und Katastrophengebiete verschickt.

Es gibt viele bewegende Geschichten, was diese bunten, mit Liebe und oft auch Gebeten «bestückten» Decken bei Flüchtlingen, zum Beispiel während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland und ganz Europa, heute auch in der Ukraine, Haiti, Syrien, Jordanien oder anderen Krisengebieten auslösen. Menschen haben wieder Mut zum Leben, lernen, ihrem liebendem Schöpfer zu vertrauen, entschliessen sich zur Nachfolge Christi oder können durch Projekte, die unsere Mitarbeitenden unterstützen, befähigt werden, aus eigener Kraft ihre Lebenssituation zu verbessern. Manche Projekte fördern Frieden und Gerechtigkeit und helfen, Gewalt zu überwinden.

Unter anderem wirken Sie in Albanien und Serbien, wie sieht Ihre Arbeit da aus und welcher Unterschied kann gemacht werden?
Auch in Albanien und Serbien unterstützen wir «nur» finanziell eine Arbeit von Partnern vor Ort. Wir haben dort keine eigenen Mitarbeitenden im Einsatz, aber dort können junge Leute sich in Kurzzeiteinsätzen einbringen. Im Rahmen der Mennonitsch-europäischen Regionalkonferenz (MERK) 2012 sammelten Mennonitengemeinden aus vielen europäischen Ländern Hilfsgüter für Roma-Projekte in Serbien und Albanien.

«Bread of Life», eine evangelische Hilfsorganisation in Serbien, arbeitet seit vielen Jahren mit dem MCC zusammen und hat während des jugoslawischen Bürgerkrieges auch an der Verteilung von 700 Flüchtlingskesseln aus Schweizer Mennonitengemeinden mitgewirkt. «Bread of Life» fragte bald an, in unseren Gemeinden eine Kleidersammlung durchführen zu dürfen, die ihren Secondhand-Laden im Zentrum von Belgrad unterstützen würde. Der Laden bietet vielen ehemals drogenabhängigen Serben, die durch die Arbeit von Bread of Life zum Glauben fanden, einen Arbeitsplatz und bildet eine wichtige Einnahmequelle für die vielen gemeinnützigen Dienste von Bread of Life in Belgrad und Umgebung.

Was sind generell Ihre Schwerpunkte?
Wir denken, dass Mission durch Christen geschieht, die die leidenschaftliche Liebe Gottes für seine Schöpfung teilen, damit Menschen in ihrem Leben Jesus Christus ganzheitlich erfahren und versöhnt für Frieden und Gerechtigkeit eintreten. Ganzheitlich bedeutet, dass Verkündigung, Anleitung zur Nachfolge und Jüngerschaft in allen Lebensbereichen stattfindet und zum Tragen kommt. Daher machen Christen durch ihre Präsenz Jesus Christus überall dort erfahrbar, wo sie durch ihren Beruf, ihre Begabungen und Talente Menschen dienen können. Das kann sowohl im In-, wie im Ausland geschehen.

Zum Thema:
Mission-Net Kongress: «Wir sollten Mission nicht den Spezialisten überlassen»
Walzenhausen neu belebt: Latinos und Europäer finden Blick für Nothilfe und Mission
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Datum: 18.08.2017
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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