Seniorenkurs am sbt Beatenberg

«Eigentlich möchten wir von Jüngeren lernen»

Ohne ihre berufliche Verpflichtung fallen viele ältere Menschen nach ihrer Pensionierung in das bekannte Loch: «Wer fragt schon nach mir? Was kann eine Seniorin einer Gemeinde noch bieten?» Um diesen Menschen Wertschätzung zu geben, führt das Seminar für biblische Theologie Beatenberg immer wieder Wochenkurse durch, bei denen die Generationen sich begegnen.

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Aktivwoche am sbt Beatenberg
Mit Selbstwert-Zweifeln bleiben viele Menschen im dritten Lebensabschnitt auf sich allein gestellt. Wie in unserer Gesellschaft nimmt auch in den christlichen Gemeinden der Anteil der Senioren immer mehr zu. Gott will sie mit seiner Guten Nachricht erreichen. Für Theo Wüst vom sbt Beatenberg ist klar, dass Gott diese Menschen in ihren Lebensumständen begleiten und ihre Gaben und Kräfte gebrauchen will. «Darum gehört ihnen in der Ausbildung junger Gemeindemitarbeiter/innen auf dem Beatenberg regelmässig die ganze Aufmerksamkeit.»

Rentnerin: «Ich habe mein Gleichgewicht wieder gefunden»

Seniorinnen und Senioren führen mit den Studierenden unter der Leitung von Hans Bürgi und Thed Witzig (Mut zur Gemeinde) Wochenkurse durch, bei denen die Generationen sich begegnen. Dabei geschieht immer wieder Erstaunliches, berichtet Theo Wüst. «Die Studierenden sind im Vorfeld recht unsicher und wissen nicht, wie sie auf Ältere zugehen können. In den Gemeinden gibt es ja kaum Berührungspunkte. Und dann entdecken die Jungen in Gesprächsgruppen, auf Wanderungen, bei PC-Kursen oder praktischen Arbeiten, dass die Älteren gar nicht so anders sind. Beide haben Identitäts- und Glaubensfragen, beide erleben Enttäuschungen in Beziehungen, beide suchen Anerkennung und Wertschätzung». Die gegenseitige Unsicherheit weiche jeweils rasch und echtes Interesse aneinander wachse. So sei zum Beispiel in der letzten Aktiv-Woche eine pensionierte Sozialarbeiterin wieder aufgelebt: «Ich habe mein Gleichgewicht wieder gefunden.»

«Alte Menschen sind gute Kritiker für junge Pastoren»

Eine Studentin ist beeindruckt: «Statt Furcht vor den Senioren zu haben, möchte ich ihnen mit grossem Respekt begegnen. Mir war nicht bewusst, dass Senioren gerade auch von Jüngeren anerkannt sein möchten. Sie sind gerne bereit, Aufgaben zu übernehmen, wenn sie dafür angefragt werden. Dabei fühlen sie sich nicht nur besser, sondern sind auch bereit, Ratschläge von jüngeren Christen anzunehmen.»

Und ein Student: «Alte Menschen sind gute Kritiker für junge Pastoren. Aus ihrer realistischen Sicht auf das Leben haben sie einen gereiften Blick für den Glauben. Die oft allzu idealistischen Predigten eines jungen Greenhorns werden durch das Sieb der Lebenserfahrung der alten Generation gründlich gefiltert.»

Zuletzt ein Senior: «Wir fühlen uns den Jüngeren gegenüber nicht überlegen, im Gegenteil: Eigentlich möchten wir von Jüngeren lernen und Ratschläge annehmen. Diese Erfahrung ist mir so wichtig, dass meine Frau das nächste Mal hoffentlich auch mitkommt. Ich bin länger geblieben als geplant.»

Alt und Jung entdecken bei den Begegnungen, dass die versteckte gegenseitige Bitte um Liebe und Anerkennung erhört wird. Damit wird das Zusammenleben in den Gemeinden gelingen.

Zur Webseite:
sbt Beatenberg

Zum Thema:
Senioren als Ermutiger: Altes Eisen oder Schlüsselperson?
Jugendkongress: Grosseltern sollten geistliche Enkel adoptieren
Interview mit Peter Marti: Die Chancen des Alterns wahrnehmen

Datum: 01.10.2015
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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