Theologie und Musik

In der Musik liegt eine Kraft

Auf Chrischona kann erstmals in der Schweiz die Kombination von Theologe und Musik studiert werden. Susanne Hagen spricht von einem wachsenden Bedürfnis nach hoher Qualität.

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Susanne Hagen
idea Spektrum: Susanne Hagen, für wen ist der Studiengang Theologie und Musik gedacht?
Susanne Hagen: Für Menschen, die von der Theologie fasziniert sind und eine Leidenschaft für Musik haben. Und für Menschen, die sich damit in Gemeinden, Kirchen und anderswo einsetzen wollen.

Den Studiengang gab es bisher so nicht in der Schweiz. Warum braucht es ihn jetzt?
Musik hat schon immer eine tragende Rolle in der Kirchengeschichte gespielt. Es gibt in vielen Gemeinden wieder ein wachsendes Bedürfnis nach guter Musik in den Gottesdiensten. Ein Gottesdienst ohne Musik ist undenkbar. Der Worship-Trend, der viele Gemeinden in den letzten Jahren überrollt hat, hat dem musikalischen Lobpreis wieder einen sehr hohen Stellenwert gegeben. Jedoch sind viele der neuen Lieder theologisch eindimensional, musikalisch schwer mitsingbar oder werden nicht gut umgesetzt. Es fehlt in den Gemeinden häufig an Musikern, die ein Verständnis dafür haben, dass die Theologie die Musik inspirieren kann und umgekehrt. Wo das gelingt, entsteht grossartige Lobpreismusik.

Warum sollte eine Gemeinde einen Ihrer Absolventen einstellen?
Im Lobpreis wird die Gemeinde selbst aktiv. Gemeinden tun gut daran, diesen Bereich qualitativ hochwertig zu gestalten. Dabei geht es nicht darum, sich dem Mainstream anzuschliessen, sondern eine für die Gemeinde passende Form der musikalischen Anbetung zu kultivieren und kreative Gaben in der Gemeinde freisetzen. In der Vielfalt, die Gott uns gegeben hat.

Es wird Bandcoaching und Worship gelehrt. Warum keine klassische Kirchenmusik?
Die klassische Kirchenmusik kann man an den Musikhochschulen studieren, die sich in erster Linie mit klassischer Musik beschäftigen. Der Studiengang Theologie und Musik richtet sich hingegen an Gemeinden, die in ihren Gottesdiensten zeitgemässe Kirchenmusik kultivieren möchten. Deshalb gehören Fächer wie Bandcoaching, Rhythmusgrundkurs oder Kinderlobpreis zu den Inhalten unseres Bachelor-Studiums. Dabei legen wir Wert auf ein grosses stilistisches Spektrum. Dazu gehört das Bewusstsein für die kirchenmusikalische Tradition – die in unserem Studium auch ihren Platz hat – ebenso wie die Freisetzung von kreativem Potenzial und das Schreiben neuer Lieder.

Musik ist auch ein grosses Konfliktfeld in Gemeinden. Geht der Studiengang darauf ein?
Weil Musik uns emotional anspricht, sind Konflikte vorprogrammiert. Bei Musik spielen Hörgewohnheiten, Traditionen, Alter, Sprache und Bildung eine grosse Rolle. Wir haben je nach Lebensphase sehr unterschiedliche Hörvorlieben. Das zeigt sich etwa daran, wie wir Tempo und Lautstärke empfinden. Das empfinden wir mit 20 Jahren anders als mit 70. Unsere Studierenden werden dafür sensibilisiert.

Was bedeutet die Kombination Theologie und Musik für Sie persönlich?
Musik ist ein Geschenk Gottes an den Menschen und spiegelt etwas von unserer Ebenbildlichkeit Gottes wieder. Gott, der Schöpfer, hat Kreativität in uns angelegt. Es gibt für mich nichts Grösseres, als diese Gabe zu Gottes Ehre einzusetzen. Egal, ob in Kirche und Gemeinde oder woanders. Es fasziniert mich, wenn Musik mit einer guten Botschaft Menschen im Herzen berührt. Darin liegt eine Kraft, die das gesprochene Wort allein oft nicht hat.

Zum Thema:
6'400 sind nicht genug: Schnuppertage, die die Welt verändern sollen
Theologie und Musik: Neue Studiengänge für die nächste Generation

Datum: 14.03.2016
Autor: Christof Bauernfeind
Quelle: idea Schweiz

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