Pionier der Gemeindegründer
Zum 200. Geburtstag von Samuel Heinrich Fröhlich, dem Vater der Täufergemeinden
Früher verehrt – heute vergessen
Mit der Öffnung für Mission und Evangelisation, Bibelschulen und die Allianz wuchs die innere Kritik an Fröhlichs Theologie und Gemeindeverständnis. In den letzten 40 Jahren löste sich die ETG von ihrem Gründer umfassend. Sowohl unter den Theologen wie unter der jüngeren Gemeindebasis ist Samuel Heinrich Fröhlich keine Leitfigur mehr. Fast droht er in Vergessenheit zu geraten.
Was ist das Erbe Fröhlichs? Für Bernhard Ott, promovierter Theologe und Schulleiter des Theologischen Seminars Bienenberg, ist Fröhlich zunächst ein Pioniermissionar und Gemeindegründer – und damit heute durchaus wieder aktuell. Als Kind der Erweckungsbewegung anfangs des 19. Jahrhunderts und als Missionar britischer Kontinentalgesellschaften, die sich zum Ziel gesetzt hatten, das liberal gewordene Europa neu zu evangelisieren, zog Fröhlich unermüdlich durch die Schweiz und predigte in kleinen Kreisen.
Schweizer Freikirchen-Pionier
1832 gründete er fast zeitgleich mit dem Stifter der Freien Evangelischen Gemeinden, Carl von Rodt, eine der ersten freikirchlichen Gemeinden der Schweiz, indem er in Leutwil 38 Menschen taufte und mit ihnen Abendmahl feierte. Von der Theologie her war Fröhlich ein Täufer: Mit den Mennoniten verband ihn nicht nur die Idee, Menschen erst zu taufen, nachdem sie zu entschiedenen Christen geworden waren, sondern auch die Absonderung von der Welt, zu der die ablehnende Stellung zum Militärdienst und zum Eid gehörte. Fröhlich wollte das alttäuferische Erbe erwecklich weiterführen.
Bernhard Ott, selbst Mitglied der ETG, sieht in Fröhlich auch einen frühen Kritiker am Liberalismus der damaligen Theologie und der Landeskirche. In die Presse geriet Fröhlich auch dadurch, dass er "in wilder Ehe" lebte. Durch seine Gespaltenheit mit der Landeskirche wurde seine Ehe nie anerkannt. Er war deshalb ein Fall von öffentlichem Interesse und einer der Auslöser für die Einführung der Ziviltrauung.
Eigenartige Theologie der Taufe, harte Gemeindezucht
Kritisch an Samuel Heinrich Fröhlich wird heute neben seiner menschlichen Sturheit und seinem Einzelgängertum seine seltsame Tauf-Wiedergeburtstheologie vermerkt, die fast zum Sakrament entartete. Fröhlich strebte die reine Gemeinde an, in der der Gläubige nach der Taufe nicht mehr sündigt. Falls er es doch tat, war seine Wiedergeburt nicht echt. Der Zulassungsanspruch zur Taufe und die Härte der Gemeindezucht nahmen damit sektiererische Züge an.
Gleichzeitig grenzte Fröhlich sich und seine Getreuen von anderen Gemeinden ab, die seine Ansichten nicht teilten – und das waren schliesslich alle. Eine in der Freiheit des Geistes aufgebrochene Bewegung endete mit dem Tod ihres Gründers 1857 in gesetzlicher Enge. Der Weg aus einer totalitären Gruppierung war für die ETG ein langer. Der Weg zu einer versöhnten und geklärten Sicht ihres Stifters ebenso.
Zur Biographie:
Samuel Heinrich Fröhlich
Am 4. Juli 1803 wird Samuel Heinrich Fröhlich in Brugg als Sohn eines Sigrists geboren. Fröhlich stammt aus einer alten französischen Hugenottenfamilie (De Joyeux). Nach dem Gymnasium in Zürich studiert er Theologie in Zürich und Basel, bevor er in Basel mit der Erweckungsbewegung der Christentumsgesellschaft in Berührung kommt. Durch den Kontakt mit erweckten Studenten und dem Jugendseelsorger Theophil Passavant erlebt Fröhlich 1824 eine tief greifende Umkehr "von der Finsternis zum Licht, und von der Gewalt Satans zu Gott", was ihm zwei Jahre später bei den Examen grosse Schwierigkeiten bereitet. Unter Ermahnung seinen "mystischen Pietismus zu mässigen" wird der junge Theologe trotzdem ordiniert und in den aargauischen Kirchendienst aufgenommen.
1828 übernimmt er in Leutwil die Stelle eines Pfarrverwesers und löst durch seine Predigten schnell eine Erweckung im Dorf aus. Als er sich weigert, die Kinder nach einem rationalistischen Lehrmittel zu unterrichten, wird er 1830 vom Dienst suspendiert. In der Folge wird er Missionar einer englischen Kontinental-Gesellschaft für die Schweiz. 1832 wird er in Genf von Ami Bost, einer führenden Figur des Genfer Réveil, getauft. Fröhlich zieht durch das Bernbiet und die Ostschweiz, predigt in erwecklichen Kreisen und gründete Gemeinden.
Gemeindegründer des Landes verwiesen
Bereits vier Jahre später werden 14 Gemeinden mit 427 Getauften gezählt. Wegen seiner Tauflehre und den Gemeindegründungen verhängen alle Kantone Verbote gegen Fröhlich. Schliesslich wird er des Landes verwiesen.
Von Krankheit gezeichnet, versucht er von Strassburg aus durch heimliche Reisetätigkeit und reichliche Korrespondenz seine Bewegung weiter zu entwickeln. Als er 1857 stirbt, hinterlässt er in der Schweiz, Süddeutschland und im Elsass über 40 Gemeinden.
Buchtipp: Bernhard Ott: Missionarische Gemeinde werden - Der Weg der Evangelischen Täufergemeinden. 1996, Verlag ETG, 8610 Uster
Webseite der Schweizer Täufergemeinden: www.etg.ch
Autor: Fritz Herrli
Quelle: idea Schweiz
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