Hochkarätiges Symposium

Wie gerecht und fair kann unsere Gesellschaft sein?

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Ein Ethikprofessor, der CEO eines Schweizer Konzerns und die ehemalige Zürcher Sozialdirektorin äusserten sich zu einer hoch politischen Frage.

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Georg Kohler
Für Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie an der Universität Zürich, ist klar: Gerechtigkeit und Gleichheit sind zwei verschiedene Dinge. Soziale Gerechtigkeit lasse ein gewisses Mass an Ungleichheit zu. Und: «Gerechtigkeit ist ein politisch hoch umstrittener Begriff». Er nannte aber drei Gründe, weshalb eine Gesellschaft wie die Schweiz gerechte Verhältnisse anstreben muss: erstens die neuzeitliche Idee der Menschengleichheit und der persönlichen Autonomie; zweitens die politische Stabilität und drittens die Bereitschaft der Bürger, dass es den Anderen in ihrer Volksgruppe gut gehe. Kohler spricht in diesem Zusammenhang von einer «Sockelgleichheit». Er betonte dabei, durch den Markt allein sei eine akzeptable Verteilgerechtigkeit nicht möglich. Es gehe auch nicht ohne «die Fähigkeit zu sozialen Empfindungen wie Empathie und Fairness» in der Gesellschaft.

Gute Politik heisst nicht einfach bei Sozialkosten sparen

Genau diese ist aber heute unter politischem Beschuss, wie die frühere Zürcher Sozialdirektorin Monika Stocker anmerkte. Der Druck sei gross, alles dem Markt zu überlassen und Sozialkosten einzusparen. Hätte man das vor 20 Jahren in Zürich gemacht, wäre die Stadt nicht, was sie heute ist, meinte Stocker und führte dies auf gezielte politische Massnahmen zurück, mit denen zum Beispiel die Drogenszene aufgelöst und Industriebrachen wieder sinnvoll bebaut werden konnten. Es gelte heute, einem populistischen Dauerfeuer entgegenzutreten, das reflexartig beim Thema Soziales nur Sparen fordere. Gerade gute soziale Verhältnisse, Sicherheit und Sauberkeit seien ein wichtiger Trumpf, wenn Unternehmen einen neuen Standort suchten.

Faire Unternehmenskultur trägt zu gerechter Gesellschaft bei

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Jan Jenisch
Wie weit können grosse Unternehmen zu Fairness und Gerechtigkeit in der Wirtschaft beitragen. Dazu referierte in Kappel Jan Jenisch, CEO des Sika-Konzerns. Für ihn ist Fairness «die Grundlage» einer erfolgreichen Firma. Es geht ihm um «gelebte Fairness». Dass diese in der Sika gelebt wird. Der Sika-Spirit drücke sich in der Übertragung von Verantwortung, Mut zur Innnovation, Freude an der Partnerschaft und in der Kraft zur Beharrlichkeit aus. Mit der Folge, dass 90% der Manager aus den eigenen Reihen kommen und Mitarbeitende im Durchschnitt 22 Jahre in der Firma arbeiten. Um fair handeln zu können, brauche es aber wirtschaftlichen Erfolg, monierte der CEO. Fairness im Unternehmen wirke sich aber auf die ganze Gesellschaft aus, ist Jan Jenisch überzeugt. Wenn Mitarbeitende Fairness in der Firma erlebten, wirke sich das auch auf ihr Privatleben aus. Und sie trage dazu bei, «dass die Gesellschaft, in der sie leben, fair ist bzw. sich Fairness als ein Wert weiter entwickelt».

Zum Thema:
Dossier: Kongress christlicher Führungskräfte 2013
Bund streicht Beiträge: Kein Geld mehr für (zu fromme) Jugendarbeit
«Zu missionarisch»: Bund streicht Gelder für Adonia und Heilsarmee
Erfolgreiche Initiative: Volksinitiative zum Schutz vor schulischer Sexualisierung kam zustande
VBG-Podium: Sechs Jahrzehnte Rückstand aufholen

Datum: 22.11.2014
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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