Islamtagung

Menschenrechte im Licht des Islam

Carsten Polanz warnte bei einer Tagung der Fritz-Blanke-Gesellschaft und der Evangelischen Allianz im Nidelbad, Rüschlikon, vor falsch verstandener Toleranz: Muslime brauchen die gute Nachricht.

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Carsten Polanz
Auf Einladung der Fritz-Blanke-Gesellschaft und der Evangelischen Allianz sprach Dr. Carsten Polanz am letzten Samstag im Nidelbad ZH an einer Tagung unter dem Titel «Ein Islam – viele Gesichter?». Polanz (34) ist wissenschaftlicher Referent des Instituts für Islamfragen der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Über Hintergrund Bescheid wissen

In seinem Referat präsentierte Carsten Polanz die Grundlagen des Islams im historischen Kontext und zeigte dabei die vielfältigen islamischen Strömungen in der Gegenwart auf. Menschen, die mit Migranten arbeiten, müssten unbedingt wissen, von welchem Verständnis viele Muslime geprägt seien. «Es darf nicht sein, dass ­Integrationsbeauftragte in Europa nichts wissen von der Kairoer Erklärung der Menschenrechte, die 1990 von 45 Aussenministern islamisch geprägter Staaten verfasst worden ist!» Die Würde des Menschen und seine Rechte würden in der ­Kairoer Erklärung an den «wahren Glauben» (gemeint ist der Islam) geknüpft und nur im Rahmen der Scharia garantiert, erklärte er. Dies führe letztlich dazu, dass nicht nur Christen in diesen Staaten gefährdet seien, sondern auch andere religiöse Minderheiten, kritisch denkende Muslime oder die jeweilige politische Opposition.

Das militante Erbe Mohammeds

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Carsten Polanz
Polanz, der in Bonn in Islamwissenschaften doktoriert hat und Dozent an der Freien Theologischen Hochschule in ­Giessen ist, sagte: «Der Islam braucht keinen muslimischen Martin Luther, der die Gläubigen gemäss dem Prinzip 'Sola Scriptura' zurück zu den früh-islamischen Wurzeln führt.» Das hätten die Salafisten längst getan. Der Islam brauche eine selbstkritische Beschäftigung mit dem politischen und militanten Erbe Mohammeds. Wolle man eine echte Demokratie mit Freiheits- und Minderheitenrechten, müsse man den eigenen Wahrheitsanspruch vom Machtanspruch lösen. Befürworter einer Entpolitisierung des Islams sind bis heute Einschüchterungen und Bedrohungen bis hin zur Todesstrafe ausgesetzt.

Zwischen Anbiederung und hasserfüllter Ablehnung

Polanz betonte, dass sich der Umgang von Europäern mit Muslimen aktuell zwischen den Extremen der Anbiederung und der hasserfüllten Ablehnung bewege. Unter den Christen in Europa beobachte er eine zunehmende Sprachlosigkeit was Gottes-, Werte- und Sinnfragen betreffe. Nebst Gesprächen sei das Gebet für muslimische Freunde zentral, ermutigte er die 40 Anwesenden. Es gehe letztlich um eine geistliche Befreiung hin zu einer persönlichen, versöhnten Gottesbeziehung, nach der sich auch Muslime sehnten. Christen sollten diese gute Nachricht nicht aus falsch verstandener Toleranz für sich behalten.

Zum Thema:
Muslimen begegnen: Friedensstifter sein – nach dem Vorbild von Jesus
«Muslimen begegnen»: Gebet anbieten ist besser als aggressive Diskussion
Islamexperte Andreas Maurer: «Schade, dass viele Christen Angst und falsche Vorurteile haben!»
Keine Angst vor Islamisierung: Merkel: «Haben wir den Mut, zu sagen, dass wir Christen sind»
Im Kontakt mit Muslimen: «Ich möchte die Menschen noch mehr an der Hand nehmen»

Datum: 06.04.2017
Autor: Marc Jost
Quelle: Livenet / idea Schweiz

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