Sollen Bibeln aus Hotelzimmern verschwinden?

Müssen religiöse Symbole aus österreichischen Hotelzimmern und Ferienwohnungen verschwinden? Der Tourismusdirektor von Montafon in Vorarlberg hatte "Qualitätsempfehlungen" formuliert, die so verstanden wurden.

"Auf die Bibel in Hotelzimmern sollte nicht verzichtet werden", sagte der Tourismusseelsorger und Pfarrer Joseph Farrugia. Er nahm damit Stellung zur Debatte, welche im Vorarlberger Tourismusgebiet Montafon ausgelöst worden war. Farrugia sagte, es sei für ihn kein Widerspruch zur religiösen Toleranz, wenn in einem Nachttisch als eines von vielen Angeboten eine Bibel liege. Kein Gast sei gezwungen, darin zu lesen.

Kruzifixe nicht so wichtig

Etwas anders beurteilt der Tourismusseelsorger Kruzifixe an den Wänden. Diese seien nicht so wichtig. Im multireligiösen Andachtsraum der Tourismusseelsorge auf dem Flughafen Wien-Schwechat habe man bewusst auf religiöse Symbole verzichtet, um nicht Angehörige einer Religion zu bevorzugen.

Empfehlung kam vielen in den falschen Hals

Ausgelöst hatte die Debatte ein Rundschreiben des Montafoner Tourismusdirektors Manuel Bitschnau, in dem 300 Vermieter von Ferienwohnungen und Hoteliers ersucht wurden, religiöse Symbole in den Zimmern zu vermeiden, da "nicht einmal die Hälfte unserer Gäste christlich seien. Bitschnau hat sich mittlerweile entschuldigt, er habe keineswegs religiöse Gefühle verletzen wollen.

Gast nicht befremden

In der Empfehlung hatte der Tourismusdirektor geschrieben: "Vermeiden Sie in den Wohnungen möglichst religiöse Symbole (ausgenommen wertvolle Gemälde oder Kunstwerke)… Es gibt eine Vielzahl von Religionen. Religion ist etwas sehr Persönliches. Ein Kreuz oder ein Heiligenbild befremdet womöglich einen Gast, obwohl es für uns selbstverständlich ist".

Rückzieher

Dieses E-Mail, welches Qualitätsempfehlungen zu verschiedenen Bereichen enthielt, sei leider falsch angekommen, sagt inzwischen Bitschnau: "Dieser Passus wurde von mir falsch formuliert".

Er habe überhaupt nicht sagen wollen, dass religiöse Symbole aus den Wohnungen verschwinden sollten, so Bitschnau. Vorarlberg sei ein christliches Land, was die Gäste auch schätzten. Man dürfe Religion nicht verleugnen. Er habe lediglich vor Übertreibungen warnen wollen, wie sie auch schon vorgekommen seien.

Verstimmung

Vorarlbergs Tourismusdirektor Christian Schützinger sagte, er habe an Bitschnaus Aktion nicht sehr viel Freude gehabt. Es sei nicht sinnvoll, gegen die eigene Identität zu arbeiten. Auch Besucher, die einer andern Religion angehörten, respektierten die Tatsache, dass sie in einem andern Kulturkreis seien.

Der Vorarlberger Regierungschef, Landeshauptmann Herbert Sausgruber, nannte die Vorarlberger Qualitätsempfehlung eine "grobe Fehlleistung". Das einzig Positive daran sei, dass sich Bitschnau entschuldigt habe.

Datum: 23.10.2006
Quelle: Kipa

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