Christliche Identität aberkannt

Indien: 71 christliche Kinder re-hinduisiert

71 Kinder von Christen in Indien sind von den Behörden festgehalten worden; ihnen wird vorgeworfen, ihre Familien seien «illegal» zu Christen geworden.

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Kinder in Indien (Symbolbild)
Die Vorfälle fanden im Mai im vorwiegend hinduistischen Bundesstaat Madhya Pradesh statt. Die 71 Kinder im Alter von 13 bis 15 Jahren waren unter Begleitung auf dem Weg in ein christliches Jugendcamp und wurden unterwegs von der Polizei in Gewahrsam genommen.

«Bekehrungsversuch»

Wie die Kinder später berichteten, wurden die neun Begleiter wegen «versuchter Bekehrung» angeklagt – dies trotz der Tatsache, dass die Kinder aus christlichen Familien stammten. Das gleiche geschah einen Tag später mit weiteren 11 Kindern, die zum gleichen Jugendcamp unterwegs waren. Die Behörden argumentierten, dass die Eltern der Kinder nicht dem vorgeschriebenen Prozedere für einen Religionsübertritt gefolgt seien. Darum würden die Kinder vor dem Gesetz als Hindus behandelt. So sagte der Polizeioffizier Krishnaveni Desavatu: «Um die Religion zu ändern, muss man einen schriftlichen Antrag an die Distriktsbehörden stellen. Nur nach diesem Prozedere kann man seine religiöse Identität ändern, und die Eltern der Kinder haben das nicht getan. Darum werden sie und ihre Kinder offiziell als Hindus und nicht als Christen behandelt.»

Druck durch radikale Hindus

Christen, die in Indien eine wachsende Minderheit darstellen, haben in den letzten Jahren überall im Land eine grosse Anzahl von Angriffen durch radikale Hindus erfahren. Wenn sich Inder zum christlichen Glauben bekehren wollen, erleben sie in vielen Fällen Widerstand und offene Feindschaft.

Paul Robinson, Leiter von «Release International», erklärte, dass hinduistische Hardliner versuchten, Christen zu bestrafen und sie unter Druck zu setzen, ihren Glauben aufzugeben. «In Bundesstaaten überall in Indien haben Militante christliche Mitarbeiter bedroht und umgebracht», erklärte er. «Extremisten haben immer wieder versucht, Christen dazu zu bringen, ihrem Glauben abzuschwören und sich zum Hinduismus zu bekehren. Sie haben Kirchen bombardiert, angezündet und verwüstet.»

Über den Himmel predigen gilt als Bestechung

In fünf Bundesstaaten machen strenge Anti-Bekehrungsgesetze es enorm schwierig, den Glauben öffentlich weiterzugeben; missionarische oder evangelistische Aktivitäten werden von Nationalisten mit Argwohn beobachtet. «Das alles basiert auf dem Gedanken, dass gewaltsame Bekehrung illegal sein soll. Jedermann stimmt mir zu, dass man niemanden mit Gewalt bekehren kann. Aber hier wird es schon als Bestechungsversuch ausgelegt, wenn man über den Himmel predigt. Wenn man über die Hölle redet, ist das eine Drohung. Wenn man als Christ irgendeine soziale Aktion oder Wohltätigkeiten praktiziert, ist das auch Bestechung», so Robinson.

«Sie können mir Jesus nicht aus dem Herzen nehmen»

Die hinduistischen Behörden sind demgegenüber nicht zimperlich mit ihren Methoden. So berichtete die Menschenrechtsorganisation International Christian Concern, dass 15 christliche Familien im Dorf Junwani durch die Dorfältesten gezwungen wurden, sich zum Hinduismus zurückzubekehren.

Eine Anzahl von Christen in mehreren Dörfern wurde im April dafür bestraft, dass sie ihre Kirchen besuchten. «Sie können mir verbieten, in die Kirche zu gehen, aber sie können mir nicht Jesus aus dem Herzen nehmen. Ich werde schon Wege finden, heimlich in die Kirche zu gehen», erklärte ein Christ mit Namen Shivaram Tekam gegenüber einem örtlichen Pastor.

Zum Thema:
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Datum: 05.06.2017
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Christian Post

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