Der Kreis schliesst sich

Die Saat des gläubigen Thomas geht auf – und erreicht Europa

Die christliche Gemeinde im indischen Bundesstaat Kerala geht auf den Apostel Thomas zurück. Der oft als «ungläubige Thomas» bekannte Nachfolger Christi trug das Evangelium nach Indien. Längst stammen nun auch indische Missionare aus dieser Gegend – so Shemil Mathew, Chaplin an der Oxford Brookes University.
Gemeinde in Kerala, Indien
Shemil Matthew

Shemil Mathew kam im südindischen Staat Kerala zur Welt. Das christliche Erbe in diesem indischen Bundesland ist beachtlich; es wird davon ausgegangen, dass Thomas, der Jünger von Jesus, das Evangelium bereits im ersten Jahrhundert auf den Subkontinent trug. Matthew: «Meine Familie geht zurück auf jene Menschen, die durch ihn zum Glauben gekommen sind.»

Als die Briten einst nach Indien kamen, erreichte mit Thomas Norton (von der «Church Mission Society», kurz CMS) auch ein Pastor anno 1816 Südindien. Dies mit dem Ziel, der indischen Kirche in ihrer Tätigkeit beizustehen – denn Gemeinden mussten keine gegründet werden, diese existierten bereits.

Das «Kerala-Modell»

Die Gemeinden sorgten für einen evangelistischen und sozialen Aufbruch in Kerala. Sie setzten sich gegen die Sklaverei ein, gegen das Kastensystem und sie eröffenten Schulen, Colleges und Spitäler. Dieser Umschwung war so gross, dass Amartya Sen, Ökonomie-Nobelpreisträger 1998, vom «Kerala-Modell» sprach. Und als im vergangenen Jahr das indische 200-Jahre-Jubiläum der CMS gefeiert wurde, war selbst Keralas Präsident Pinarayi Vijayan vor Ort und lobte den Einsatz für jene, die an den Rand gedrängt wurden und dass die Idee der Gleichheit aller ins allgemeine Denken getragen worden sei.

Pastor Benjamin Bailey, ebenfalls von der CMS, baute 1821 die erste Druckerpresse auf, entwickelte die Maschinenschrift in der Malayalam-Sprache und übersetze die Bibel in diese Sprache. Auch verfasste er das erste Englisch-Malayalam-Wörterbuch.

Indische Missionare in Grossbritannien

Shemil Mathew erinnert sich, dass seine Eltern ihn ermutigt hatten, Pastor oder Missionar zu werden. «In meiner Teenagerzeit dachte ich, dass ich Missionar im Norden Indiens werden könnte.» Zunächst dachte er daran, ein Zwischenjahr in Grossbritannien zu verbringen. «Zuerst war ich mir da nicht sicher, da Grossbritannien ja bereits christlich ist. Doch dann hörte ich, wie das Christentum im Königreich abnimmt. Und ich hörte, wie der Erzbischof von Wales sagte: 'Wir brauchen Missionare in Grossbritannien.'»

2001 kam Shemil nach Europa und wirkte als Kinder- und Jugendarbeiter in einer Vorort-Gemeinde von Manchester. In England lernte er seine Frau Becky kennen. Zunächst engagierten sich die beiden anschliessend in Sri Lanka. Ein weiteres Studienjahr in England folgte. «Wir waren überzeugt, dass wir wieder nach Asien gehen würden. Doch für den Moment hat uns Gott nach England berufen.» Gegenwärtig arbeiten die beiden als Pastoren in Oxford, Shemil als anglikanischer Chaplin an der Oxford Brookes University.
Gleichzeitig freut er sich zu sehen, wie die Gemeinde in Kerala floriert.

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Datum: 02.05.2017
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / Church Mission Society

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