ICF-Pastor Tobias Teichen

«Bei mir schreiben bis zu 20 Personen an einer Predigt mit»

Tobias Teichen (39) erreicht mit seinen Predigten die Massen: Woche für Woche schauen sich über verschiedene Kanäle bis zu 150'000 Menschen die Videopodcasts des Predigers aus München an. Irgendetwas muss der Leiter des ICF Movements in Deutschland richtig machen.

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Tobias Teichen
Was er richtig macht, weiss Tobias Teichen selbst nicht recht. Im Gespräch mit Livenet gab er jedoch einen Einblick in die unkonventionellen Methoden, wie er seine Predigten mit einem 20-köpfigen Team erarbeitet. Und er sprach über die Chance, die die Flüchtlingswelle für Kirchen in Deutschland bedeutet.

Livenet: Tobias Teichen, haben Sie eine Erklärung dafür, warum so viele Leute Ihre Videopodcasts anschauen?
Tobias Teichen: Nein, ich habe keine Ahnung, warum Gott gerade unsere Videopodcasts so nutzt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir die Kanäle zur richtigen Zeit genutzt haben. Manchmal fehlt es an der technischen Umsetzung, denn qualitativ gute Predigten werden im deutschsprachigen Raum Sonntag für Sonntag vielerorts gehalten. Es werden einfach noch nicht viele Videobotschaften in Deutsch angeboten, die von der Machart her auch Junge ansprechen. Eines lässt sich eindeutig beobachten: es gibt auch bei jungen Menschen einen Hunger, Gott neu zu erleben! Möglicherweise liegt es auch an der Sprache, die wir in unseren Predigten verwenden.

Worauf achten Sie denn bei der Predigtsprache?
Dass sie wenig Vorwissen voraussetzt. Du kannst nicht mehr anfangen mit «Wie ihr alle wisst, sagt die Bibel dies und das…» Heute musst du viel mehr bei der Not der Menschen ansetzen. Die Antwort ist zwar immer Jesus, aber du musst die richtige Frage dazu wissen.

Und dann ist mir wichtig, dass meine Predigten möglichst praktisch sind. Die Frage «Wie wird’s praktisch?» muss man sich immer wieder stellen.

Was ist dir bei der Predigtvorbereitung wichtig?
Dass ich möglichst viele Menschen schon in der Vorbereitung einbeziehen kann. Bei meinen Predigten schreiben bis zu 20 Personen mit. Ich suche den Diskurs mit Leuten und merke, wie dadurch jede Predigt viel praktischer und vielseitiger wird. Ganz provokativ gesagt finde ich es fast etwas «unbiblisch», eine Predigt allein zu schreiben, wie das viele Pastoren tun. Die meisten anderen Dinge in der Kirche sind ein Gemeinschaftswerk, aber bei der Predigt zieht sich eine Person mit der Bibel und vielleicht noch einem Kommentar zurück und schreibt aus ihrer Perspektive drauflos. Bei uns im ICF München ist es so, dass viele mit ihren Begabungen zur Predigt beitragen können.

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Tobias Teichen bei seiner Predigt an den Days of Hope 2016 im ICF Emmental.
Aber präsentieren muss es ja dann doch eine Person…
Ja, richtig. Da kommt meine Stärke zum Tragen. Ich habe die Gabe, Dinge klar präsentieren zu können. Andere lesen vielleicht gerne Bücher über ein Thema und können tiefe Erkenntnisse herausfiltern, die eine Predigt bereichern können, auf der Bühne stehen möchten sie aber lieber nicht. So ergänzen wir uns gegenseitig. Ich hasse es, Bücher zu lesen. Deshalb übernehmen das in meinem Team andere. So muss ich selbst viel weniger Stunden in Büchern recherchieren und kann mehr für Menschen da sein und sie leiten.

ICF München ist mit ca. 1'700 Besuchern eine der grösseren Kirchen in Deutschland. Wie erklärst du dir das Wachstum?
Das kann man nicht erklären. Gegenfrage: Warum segnet Gott dich gerade in deinem Leben? Ist es, weil du den Zehnten bezahlst? Oder ist es, weil er dich einfach segnen will? Man weiss oft nicht, warum etwas funktioniert. Ich glaube daran, dass der Heilige Geist Wellen erzeugt, die man surfen kann, wie es Rick Warren in seinem Buch «Kirche mit Vision» beschrieben hat. Und sonst bewegen wir uns immer in Theorien. Eine Theorie, an die ich glaube, ist: «Was gesund ist, wächst!» Wenn wir den Menschen helfen, im Alltag mit Jesus zu leben, dann werden sie auch Einfluss auf ihr Umfeld haben. Deshalb geht es meistens ganz simpel darum, Menschen zu helfen, sie auszurüsten und zu schauen, dass sie eine gesunde Beziehung mit Gott leben können. Darum geht es auch in meinem Buch «Move».

Was war die letzte Welle, die Gott in eurer Kirche geschenkt hat?
Die Flüchtlingswelle ist ein gutes Beispiel dafür. Wir hatten bereits ein Jahr vor der grossen Flüchtlingswelle eine Vision, dass in unserer Kirche mal 50 Prozent Menschen aus anderen Nationen ein Zuhause finden würden. So haben wir uns so gut es geht darauf vorbereitet. Als die Flüchtlinge dann kamen, waren wir bereit. Aktuell besuchen zum Beispiel 80 Männer aus dem Iran einen Glaubenskurs im ICF München. Wenn wir erst jetzt anfangen würden, Leute dafür auszubilden und Dolmetscher zu finden, würden wir die Welle wohl verpassen. Der Schlüssel, diese Wellen des Heiligen Geistes früh genug zu erkennen, ist also die Beziehung zu Jesus. Bei der Flüchtlingswelle ist es in unserem Fall eine Erfolgsstory, aber ebenso oft haben wir schon danebengegriffen. Das gehört dazu, wenn man Kirche baut.

Tobias Teichen, Sie coachen als Leiter des ICF Movements in Deutschland sehr viele Kirchen. Was wünschen Sie sich für die Zusammenarbeit unter den Kirchen?
Mein Wunsch ist, dass wir einander segnen und uns nicht Steine in den Weg legen. Ich glaube, dass wir im deutschsprachigen Raum in eine Phase kommen, in der das Logo der Kirche weniger wichtig ist, sondern einfach unsere gemeinsame Liebe zu Jesus. Ich will mich über jeden lebendigen Christen in München freuen, egal welcher Denomination er angehört. Ein Beispiel: In München ist eine Hillsong-Gemeinde im Aufbau. Jetzt ist die Frage, wie ich darauf reagiere. Ich möchte, dass ich sagen kann: Das ist eine Gebetserhörung! Dadurch können noch mehr Menschen Gott kennenlernen. So eine Herzenseinheit wünsche ich mir; dass wir aufhören, schlecht übereinander zu reden und einander trotz unserer Andersartigkeit zusprechen können: «Du liebst Jesus? Ist doch geil! Gib Gas!»

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Frauke und Tobias Teichen
Tobias Teichen, Senior Pastor von ICF München ist 1977 in Schweinfurt geboren und lebt seit 1997 in München. Dort hat er das Hauptschullehramt vertieft und das Fach Theologie studiert und arbeitete 12 Jahre als Lehrer. Im Jahr 2005 startete das ICF München mit Gottesdiensten in München. Seit Januar 2014 leitet Tobias das ICF Movement Deutschland. Er ist seit 17 Jahren mit seiner Frau Frauke verheiratet. Die beiden haben einen Sohn.

Zum Thema:
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Datum: 12.10.2016
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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