Nach der Katastrophe

Notfallseelsorge – Hilfe für Betroffene und Helfer

9. Februar, 6.50 Uhr morgens. In der Nähe des oberbayerischen Bad Aibling prallen zwei Züge auf einer eingleisigen Strecke frontal zusammen. Es gibt mindestens zehn Tote und zahlreiche zum Teil schwer Verletzte. Die Unfallursache ist zunächst noch unklar.

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Zugunglück in Bad Aibling
Es ist eine malerische Voralpenlandschaft. Und eigentlich dauert die Fahrt von Kolbermoor nach Bad Aibling auch nur fünf Minuten. Doch gestern war alles anders. Zwei Züge traten gleichzeitig in die eingleisige Streckenführung ein und kamen sich mit rund 100 Stundenkilometern entgegen. Durch den kurvigen Streckenverlauf konnten die beiden Lokführer den jeweils entgegenkommenden Regionalzug nicht rechtzeitig sehen. Noch ist es unklar, ob Sicherheitssysteme nicht funktioniert haben oder menschliches Versagen vorliegt, doch deutlich ist, dass die beiden Meridian-Züge praktisch ungebremst kollidierten. Beim Unglück wurden mindestens zehn Personen getötet, ungefähr 50 Insassen wurden verletzt, 17 davon schwer. Die Unfallstelle befindet sich in einem schwer zugänglichen Waldstück.

Erste Reaktionen

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Hanjo von Wietersheim
Nach der Notfallmeldung waren örtliche Rettungskräfte schnell zur Stelle. Den ganzen Tag über waren sie mit dem Bergen und Retten von Verletzten und Toten beschäftigt. Die Bahnstrecke bleibt auf unbestimmte Zeit voll gesperrt. Verkehrsminister Dobrindt (CSU) war wenige Stunden nach dem Unglück vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen. Nachdem das Ausmass des Unglücks deutlich wurde, sagten zahlreiche Gemeinden der Umgebung ihre Fastnachtsveranstaltungen ab, auch Parteien verzichteten auf ihren «politischen Aschermittwoch».

Hilfe und Seelsorge

Bei Katastrophen wie der in Bad Aibling sind immer auch Notfallseelsorger zur Stelle. Pfarrer Hanjo von Wietersheim ist Beauftragter für Notfallseelsorge der evangelischen Landeskirche in Bayern. Er erklärte ihre Aufgabe in einem Interview mit Susanne Schröder (epd): «Zunächst müssen sie sich um die Betroffenen vor Ort kümmern. Schwerverletzte Menschen werden gut von den Rettungskräften versorgt, deshalb sind die Notfallseelsorger vor allem für die Leichtverletzten zuständig, die das Unglück miterlebt haben. Manche Menschen kommen mit so einer Situation sehr gut klar, für die geht es eher um organisatorische Fragen, ob sie zum Beispiel einen Anschlusstermin noch erreichen. Andere sind sehr erschüttert, vor allem wenn es ein Unglück mit Toten und Schwerverletzten ist. Die fragen sich: Hätte mir das auch passieren können? Solche Gespräche sind dann Aufgabe für die Notfallseelsorger.»

Allerdings ist die Arbeit der Seelsorger nach diesen ersten Gesprächen noch längst nicht vorbei: Sie begleiten zum Beispiel die Polizei beim Überbringen von Todesnachrichten und betreuen Hinterbliebene. Ausserdem sind sie als Helfer für die Helfer da, denn auch diese müssen das verarbeiten können, was sie den ganzen Tag über bei ihrem Katastropheneinsatz gesehen haben. Und bei diesem Unglück waren die Hilfskräfte ganz besonders gefordert. 

Im Gegensatz zu den Politikern und Pressesprechern, die bald nach dem Unglück die Diskussion in den Medien bestimmen und sich zu Verantwortung und Schuld äussern, treten die Notfallseelsorger kaum öffentlich in Erscheinung. Aber sie stehen bereit für ihren nächsten Einsatz, um zuzuhören, zu trösten, zu helfen.

Zum Thema:
Flugzeugabsturz in Frankreich: «Gott ist nicht die Ursache für Leid»
Markus Giger: Meine Story: Teile des Anderen Schmerz
Gefangenenseelsorger: «Für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle»

Datum: 10.02.2016
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / epd

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