Abtreibung behinderter Babys?

Mutige Antwort einer jungen Frau mit Down-Syndrom

Ein UN-Experte sprach sich vor wenigen Wochen offen für Abtreibung von Embryonen mit Trisomie 21 aus. Jetzt hat Charlotte Fien geantwortet: Sie selbst hat Down-Syndrom und zeigt dem Experten in weniger als zwei Minuten, warum sie und nicht er im UN-Menschrechtsausschuss sitzen sollte.

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Die 21-jährige Charlotte Fien, die selbst das Down-Syndrom hat, reagierte mit einem Video auf die Aussagen von Yadh Ben Achour.
Was macht einen Experten aus? Normalerweise ist es ein Mensch, der aufgrund von Studium und Erfahrung oder seinem Hintergrund über ein gewisses Thema so ausreichend informiert ist, dass er andere darin beraten kann. So versteht es vermutlich auch Ben Achour, ein Experte des UN-Menschenrechtsausschusses (OHCHR). Die 18 Experten des Ausschusses seien «Personen mit hohem moralischem Charakter und mit anerkannter Kompetenz im Bereich der Menschenrechte», heisst es auf der Webseite des OHCHR.

Abtreibung behinderter Kinder als «vorsorgliche Massnahme»

Ganz anderer Meinung ist Charlotte Fien. In einem Video, das direkt an Herrn Achour gerichtet ist, erklärt die 21-Jährige ganz offen, dass sie gerne die Expertenposition Achours im Ausschuss einnehmen würde. Der Hintergrund: Der Tunesier Ben Achour hatte Anfang November in einer UN-Sitzung vorgeschlagen, dass Frauen ungehindert ungeborene Babys mit einer Behinderung abtreiben können sollten, insbesondere auch Kinder mit Trisomie 21.

Seine Worte: «Wenn man einer Frau sagt, dass ihr Kind Down Syndrom hat oder dass das Kind für den Rest seines Lebens eine Behinderung haben wird, sollte es ihr möglich sein, eine Abtreibung vorzunehmen als vorsorgliche Massnahme, um die Behinderung zu vermeiden.» Für ihn bedeute das Recht auf Leben «nicht, dass wir zulassen müssen, dass ein behinderter Fötus lebt».

«Mein Extra-Chromosom macht mich viel toleranter…»

Ein Schlag ins Gesicht von Charlotte Fien – denn sie ist mit Down-Syndrom geboren. Und deshalb wendet sie sich auch direkt an Ben Archour mit den Worten: «Ich bin ein Mensch, so wie Sie. Der einzige Unterschied ist ein zusätzliches Chromosom. Und mein Extra-Chromosom macht mich viel toleranter als Sie es sind…» Charlotte Fien unterstreicht, dass die Welt aufschreien würde, wenn Abtreibungen toleriert würden, um eine andere Menschengruppe aufgrund ihrer Hautfarbe oder anderen vererblichen Eigenschaften auszulöschen. «Warum schreien Sie nicht auf, wenn Menschen uns aussterben lassen wollen? Was haben wir Ihnen getan, dass Sie wollen, dass wir verschwinden? Soweit ich weiss, hasst meine Menschengruppe nicht, diskriminiert nicht und begeht auch keine Verbrechen…»

Wer darf Experte sein?

Zurecht fordert die junge Frau den UN-Experten auf, sich für die «grausamen Kommentare» zu entschuldigen – bei ihr und allen anderen Menschen mit Down Syndrom. Und sie fordert, dass er vom UN-Menschenrechtsausschuss entfernt wird. «Sie sind kein Experte zum Thema Down Syndrom. Sie sprechen nicht für meine Leute. Der UN-Menschenrechtsausschuss braucht Leute, die wirklich für Menschen kämpfen, die unterdrückt werden. Ich schlage vor, dass der UN-Menschenrechtsausschuss mich zum Experten beruft. Ich werde den Rest meines Lebens für unser Existenzrecht kämpfen.» Charlotte Fien hatte bereits früher in diesem Jahr vor den Vereinten Nationen das Leben der Menschen mit Trisomie 21 verteidigt. Bisher ist noch keine Reaktion seitens Ben Archour bekannt.

Zum Thema:
«Schwerverbrechen»: Abtreiben von Embryonen mit Trisomie 21 ist jetzt in Ohio eine Straftat
«Lebensunwertes Leben»?: Island: Fast 100% der Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben
Buch über besondere Menschen: Down-Syndrom sollte eigentlich Up-Syndrom heissen

Datum: 05.12.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Charisma

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