Alle gleich, manche «gleicher»

Zum Fall Philando Castile: Der relative Wert des Menschen

Der Afroamerikaner Philando Castile wurde im Juli 2016 unschuldig bei einer Verkehrskontrolle erschossen. Vor wenigen Tagen fiel das Urteil: Der Polizist sei unschuldig. Doch ist er das wirklich? In der Kolumne der Süddeutschen Zeitung wird zurecht gefragt: «Hätte der Polizist wohl auch sofort geschossen, wenn Castile hellhäutig wäre?» Ein Thema, das im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage auch in Europa wieder aktuell wird. Juan Martínez ist Professor am Theologischen Seminar Fuller in Pasadena, CA. Für ihn ist klar: Eigentlich sind alle Menschen gleich – nur sind einige etwas «gleicher» als andere.

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Reaktion auf Philando Castiles Tod: «Black Lives Matter»-Demonstration
Aufgrund der Sünde werden alle Menschen von der gesamten Gesellschaft «kategorisiert». «Wir sind alle gleich», aber manche sind eben «gleicher» als andere. In der Geschichte der USA wurden Kauf und Verkauf, Vergewaltigung, Missbrauch, Tod, Diskriminierung und so viele andere Dinge gegen die Afro-Amerikaner gerechtfertigt. Obwohl diese Dinge nicht mehr legal sind, besteht nach wie vor unbewusst das Erbe, Afro-Amerikaner zu erniedrigen.

«Gleicher» als andere

Amerika rechtfertigte auch die Enteignung vom Land der Ureinwohner und die massive Zerstörung indigener Kulturen und Gesellschaften. Dies wurde im Namen des Fortschritts getan, der Überlegenheit der Rasse oder im «Segen» Gottes. Und mit derselben Logik werden Migranten-Arbeiter heute mies behandelt und dies dann so gerechtfertigt.

In jeder Gesellschaft gibt es «gleichere» Menschen als andere. Die Reichen haben mehr Rechte als die Armen, die Weissen mehr als die Schwarzen, die Gebildeten mehr als die mit begrenzter Bildung, die im Land geborenen mehr als Immigranten. Diese Logik hat jeweils eine legale Rechtfertigung und die Anwendung dieser Gesetze zeigt, dass es eine Realität ist: Der Wert jedes Menschen einer Gesellschaft ist relativ.

Das Evangelium – Gericht über die Gesellschaft

Die Bibel sagt uns, dass alle Menschen von Gott erschaffen wurden, dass wir alle Sünder sind und dass die Gnade Gottes durch Christus für jeden Menschen greifbar ist. Gott liebt uns alle und behandelt uns alle gleich. Das Evangelium ist die gute Nachricht, dass alle Menschen in Christus denselben Wert haben. Es ist aber auch ein Wort des Gerichts über jede Gesellschaft, die den Wert ihrer Menschen in Kategorien einteilt.

Aus diesem Grund hab ich Angst um mein Heimatland, die USA, wenn ich Fälle wie den von Philando Castile sehe. Für so viele Christen ist es so leicht, die Tat des Polizeioffiziers in diesem und so vielen anderen Fällen zu rechtfertigen, die es in letzter Zeit in den Vereinigten Staaten gegeben hat.

Als Christen müssen wir unsere nationale Realität und die Wurzeln der Sünde aus den Anfängen unseres Landes konfrontieren. Solange wir als gesamtes Land nicht umkehren und Busse tun, wird es weiterhin rechtgefertigte Ungerechtigkeit geben, den Tod eines dunkelhäutigen Mannes, dessen einzige Schuld es war, Afro-Amerikaner zu sein. Gott möge uns die Art und Weise vergeben, in der wir das menschliche Leben wertschätzen.

Zum Thema:
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Datum: 28.06.2017
Autor: Rebekka Schmidt / Juan Martinez
Quelle: Livenet / Protestantedigital.com

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