Als Christ die AfD unterstützen?

Ein Plädoyer zum Weiterdenken

Manche Themen sind so ernst, die muss man locker angehen. Genau das macht Andreas Malessa in seinem neuen Buch «Als Christ die AfD unterstützen?». Dabei liefert er ein engagiertes Plädoyer ab für «biblische Prinzipien, christusbezogene Ethik und mutigen Widerstand gegen die Verachtung von Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaat».

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Andreas Malessa
Andreas Malessa (61) ist als Journalist und Theologe bekannt. Als einer, der verständlich und interessant redet, einen weiten theologischen Horizont hat und gerne mal heisse Eisen anpackt. Als er angefragt wird, ein Buch über die «Alternative für Deutschland» (AfD) zu schreiben, zögert er dennoch zuerst. «Als ich dann aber Christen kennenlernte, die Werte und Ziele ihres Glaubens ausgerechnet bei der AfD am besten verwirklicht sehen – da entschloss ich mich, tatsächlich was zu schreiben» (S. 9), begründet er seine Entscheidung.

Kurz und gut

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Cover von Andreas Malessas Buch «Als Christ die AfD unterstützen?»
112 Seiten sind nicht viel. Das ganze Buch lässt sich locker in einer Stunde durchlesen. Aber es geht Andreas Malessa auch nicht darum, das politische Phänomen der AfD ausführlich und im Detail zu erklären; er schreibt pointiert, kurz und griffig. Seine zehn Kapitel verfasst er zu Positionen, die der AfD oft zugeschrieben werden: «Die reden wenigstens Klartext», «Die sind gegen die Islamisierung» oder «Die sind auch christlich-demokratisch» und geht diesen Behauptungen dann auf den Grund. Dabei schafft Malessa eine spannende Balance zwischen Plauderton und Ironie, tragfähigen Hintergrundinformationen und aussagekräftigen Zitaten. Stil und Sprache zeigen, an wen er sich mit dem Buch in erster Linie richtet. Sicher nicht an eingeschworene AfD-Befürworter. Malessa hat Menschen im Blick, die der AfD eher kritisch gegenüberstehen oder sich zumindest auf eine kritische Sichtweise einlassen möchten. Und er spricht diejenigen an, die sich als wertkonservativ verstehen und deshalb zunehmend von der AfD umworben werden.

Einseitig und unbequem

Auch wenn der Autor deutlich Position bezieht, baut er keine Feindbilder auf. Er verletzt nicht. Schon gar nicht Menschen, die sich zur AfD hingezogen fühlen, ob sie das nun christlich begründen oder nicht. Tatsächlich fordert er seine Leserinnen und Leser zum Nachdenken und zu unbequemen Entscheidungen auf. Das beginnt beim Faktencheck – nicht zuletzt in der christlichen Presse. So zeigt Malessa in Bezug auf das Feindbild Islam: «Manche Ängste erledigen sich schlicht dadurch, dass die Sonne auf- und untergeht: '2016 über 10 Millionen Muslime in Deutschland?' alarmierte uns vor Jahren ein Blatt. Nein, es waren auch 2017 immer noch knapp 4,5 Millionen» (S. 24). Mit diesen und anderen Tatsachen nimmt er mancher fromm geschürten Angst vor Islamisierung den Wind aus den Segeln. Um gleich darauf den muslimischen Mitbürgern die Gretchenfrage zu stellen: «Wie hältst du's mit der Demokratie?» (S. 29). Und die Aussage, «Terrorismus habe prinzipiell nichts mit dem Islam zu tun» nennt Malessa «blauäugig… Der 30-jährige Krieg hatte ja auch was mit Katholiken und Protestanten zu tun» (S. 35).

Vorurteile sind nicht nur bei der AfD zu finden. Einige spricht Malessa in seinem Buch an und insgesamt fordert er immer wieder dazu heraus, Zusammenhänge differenziert zu sehen, nach den Folgen zu schauen – und sich im eigenen Verhalten an Christus zu orientieren.

Informativ und entlarvend

Dass «Lügenpresse» eine Wortschöpfung des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels war (S. 103), hat sich bereits herumgesprochen. Doch Malessa geht auch andere sprachliche Besonderheiten der neuen Rechten an, weil er weiss, wie hiermit Meinung gemacht wird. Wenn im AfD-Grundsatzprogramm Multikulturalismus als «importierte kulturelle Strömungen» kritisiert wird, dann hält er augenzwinkernd dagegen: «Welche 'importierten kulturellen Strömungen' habe ich meiner 'einheimischen Kultur gleichgestellt'? Bob Dylan neben Helene Fischer? Sushi neben Frikadelle? Rattanmöbel neben Eiche rustikal?» Und er kommt auch auf unser christliches Erbe zu sprechen: «Die erste 'importierte kulturelle Strömung' war der Glaube einiger orientalischer Judenchristen und frommer Römer, dass Jesus der Messias und von den Toten auferstanden sei! Dieser Import – wir sagen dazu 'Evangelisierung' – hat dann die Werte der Germanen ja auch 'zutiefst relativiert'» (S. 42). Malessa redet unsere multikulturelle Gesellschaft nicht schön, betont aber mit Jens Jessen von der ZEIT, dass sie «gerade keine Ideologie, sondern Realität» (S. 44) ist. Und wer denkt, er könne sie verwerfen, verwirft damit die Realität.

Engagiert und persönlich

«Die Forderung, Religion müsse Privatsache bleiben, ist Quatsch.» So übersetzt Andreas Malessa ein Statement des ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Wolfgang Huber, der erklärte: «Es gibt keine Religion, die ohne Konsequenz für die Lebensführung bleibt. Insofern hat jede Religion auch eine politische Dimension. Sie betrifft nicht nur das private, sondern auch das öffentliche Leben» (S. 27). Und er lädt damit ein zum Diskurs über Fragen nach der Bildung unserer Kinder, nach Arbeitsrecht, Abtreibung und all die ethischen Fragen, die man als gläubiger Mensch von seiner Religion her stellt und auch von ihr her beantworten will.

Hier sind unterschiedliche Meinungen vorprogrammiert. Ausgrenzung, Gewaltandrohung und Menschenverachtung als politische Mittel lehnt er allerdings vehement ab. Andreas Malessas Buch ist eine echte Bereicherung für das politische Gespräch, für christliche Verantwortung und nicht zuletzt für ein «hellwaches Empfinden für Zeitpunkte, von denen an das Verbrecherische zum Alltag erklärt wird. Ein intaktes Sensorium für Umstände, die nicht selbstverständlich werden dürfen. Ein geistliches Gespür für Haltung, Anstand, Horizont» (S. 97).

Klare Empfehlung für dieses interessante, humorvolle und wachrüttelnde Buch!

Zum Buch:
Andreas Malessa: Als Christ die AfD unterstützen?

Brendow Verlag, 112 Seiten, 9,00 Euro, ISBN 978-3-86506-980-1

Zum Thema:
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Datum: 18.05.2017
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentare

Das Problem ist doch, daß aufgrund der Bibelferne der Bevölkerung auch die großen christlichen Parteien bibelwidrige Positionen einnehmen und der Christ Alternativen für die Wahl benötigt, um sich nicht mitschuldig zu machen. Schön wäre, wenn wieder eine bibeltreue Partei groß genug wäre, die 5% Hürde zu überwinden, bis dahin muß man die nächstbibeltreue Partei wählen, für die Auswahl gibt es die Parteiprogramme. Dringend notwendig sind n. m. M. Volksentscheide auch in Deutschland, die CSU fordert dies. Derzeit kann man ja nur aus Sammelsurien auswählen. Die Schweiz hat es wieder einmal besser!

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