US-Wissenschaftler: Intelligent Design gefährdet Schulunterricht

Der grösste US-amerikanische Wissenschaftsverband AAAS hat sich scharf gegen die Infragestellung der Evolutionstheorie im Schulunterricht gewandt. Die in einer Vielzahl von US-Staaten diskutierten Lehrplanänderungen, etwa zu Gunsten des Intelligent Designs, gefährde die Wissensvermittlung in Biologie, Physik und Geologie.

In mehreren US-Staaten fordern Evolutionskritiker, die Vorstellungen eines planend in die Menschheitsentwicklung eingreifenden Schöpfergottes gleichberechtigt im Naturkundeunterricht zu behandeln. Die Wissenschaftler wandten sich gegen den Versuch, die Glaubwürdigkeit der modernen Evolutionsbiologie in Frage zu stellen. Es gebe keine naturwissenschaftliche Debatte um deren Gültigkeit. Die Evolution sei eine der "am weitesten akzeptieren Grundprinzipien der modernen Wissenschaft", heisst es in der Erklärung.

Der Versuch sei gefährlich, religiös gefärbte Theorien über die Entstehung und die Entwicklung des Lebens in den Biologieunterricht zu bringen. "Wissenschaft und Religion stellen grundlegend andere Fragen über die Welt", betonen die Forscher. Viele Religionsführer und die übergrosse Mehrheit der Wissenschaftler hätten dies akzeptiert. Falls sich die in mehreren Staaten geforderten Schulgesetzänderungen durchsetzten, werde die Bildung von Schülern leiden, die sie "als informierte und produktive Bürger in einer wachsend technischen und globalisierten Gesellschaft" bräuchten.

US-Forscher fürchten Konfrontation

Mit der Jahrestagung der AAAS (American Association for the Advancement of Science) in Saint Louis ging eines der grössten Wissenschaftsfestivals zu Ende. Im Streit mit Schöpfungsanhängern befürchten die Wissenschaftler neue Attacken: Zum einen schätzen Juristen, dass die Intelligent-Design-Befürworter durchaus mit einer neuen Klage Erfolg haben könnten. Dann nämlich, wenn nicht Gott als wundersamer Schöpfer des Universums in den Mittelpunkt gestellt würde, sondern eine unverfänglichere Beschreibung der Weltentstehung als "sudden emergence", als "plötzliches Auftauchen". Zum anderen geraten immer mehr Fachrichtungen unter christlichen Beschuss, beklagt Eugenie Scott vom Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Bildung in Kalifornien.

Urknall vor Gericht?

Neben Darwins Entstehungsgeschichte der Arten könnte also auch schon bald die Urknalltheorie vor Gericht verhandelt werden. Neurowissenschaftler befürchten, dass die Ergebnisse der Hirnforschung mit der christlichen Vorstellung der menschlichen Seele angegriffen werden könnten.

Auf der Jahrestagung wurde ein eigener Workshop angeboten, der Lehrern für ihren täglichen Kampf gegen die christlichen Zweifler Argumente an die Hand gab. Ausserdem sollen gemässigte christliche Gemeinden ihre Mitglieder verstärkt darüber aufklären, dass Bibel und Wissenschaft einander nicht widersprechen. Die Kreationisten sind in der Minderheit und sie haben die erste Schlacht vor Gericht verloren. Aber der Kampf um die Deutungshoheit der Natur hat in den USA jetzt erst richtig begonnen.

Weshalb das Thema nicht so eindeutig zu beantworten ist

Quelle: Kipa/Deutschlandfunk

Datum: 23.02.2006

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