Ostersamstag

Der Tag von Gottes Schweigen

Der bekannte Buchautor John Ortberg schreibt in seinem Buch «Weltbeweger» über den Samstag, den Tag zwischen Karfreitag und Ostersonntag. Im Ostergeschehen ist es der Tag von Gottes Schweigen. Was nicht bedeutet, dass es darüber nichts zu sagen gibt...

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John Ortberg
Am Karfeitag stand Jesus vor Pilatus und wurde ans Kreuz genagelt. Es war der Tag, an dem die Dunkelheit ihr schlimmstes Werk tat. Am Ostersonntag wurde der Stein vor dem Grab weggerollt. Jesus triumphierte über den Tod, die Hoffnung siegte. Doch was ist mit dem Samstag?

Der Tag dazwischen

Soweit wir wissen, gab es in den vergangenen zweitausend Jahren nur einen einzigen Tag, an dem wirklich gar niemand glaubte, dass Jesus noch lebte. Am Samstagmorgen ist die Stadt, die am Tag zuvor noch nach Tod geschrien hatte, still. Jesus ist tot. Die Jünger hatten gedacht, dass sie mit Jesus zusammen die Welt verändern könnten. Doch in ihrem Herzen versuchen sie nun, eine schwierige Wahrheit anzunehmen: Jesus hat versagt. Er hat nicht genügend Nachfolger gefunden, er hat keinen Weg gefunden, um Frieden mit Rom zu schliessen.

Samstag ist der Tag, nachdem dein bester Traum gestorben ist! Du weisst nicht, wie es weitergehen soll. Es ist der Tag, nachdem unser Gebet gesprochen wurde, aber bevor es erhört wurde. Es ist der Tag zwischen Verzweiflung und Freude, zwischen Zerbrochenheit und Heilung, zwischen Verwirrung und Klarheit, zwischen schlechten und guten Nachrichten, zwischen Tod und Leben. Es ist der Tag, an dem der König schläft. Der Tag dazwischen.

Warum gibt es einen Samstag?

Für die Menschheitsgeschichte ist der Samstag scheinbar unbedeutend. Prägend sind der erste und der dritte Tag – diese sind mit Ereignissen vollgepackt. Am Karfreitag wurde für unsere Schuld bezahlt und am Sonntag wurde der Tod besiegt. Doch was ist laut Bibel am Samstag passiert? Nichts.

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Cover des Buches «Weltbeweger» von John Ortberg
Die Geschehnisse werden durch den Samstag auch nicht vorangetrieben. Warum also waren drei Tage nötig für zwei Ereignisse? Es gibt einen Grund: Die Bibel sagt, dass es notwendig war, dass Christus leiden musste. Jesus weist in Matthäus, Kapitel 12, Vers 40 darauf hin: «Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des grossen Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der Tiefe der Erde sein.»

Das Alte Testament enthält viele solcher Drei-Tage-Storys. Als Abraham befürchtet, seinen Sohn Isaak opfern zu müssen, entdeckt er das Opfertier, das seinem Sohn das Leben rettet, am dritten Tag. Josefs Brüder kommen ins Gefängnis und werden am dritten Tag freigelassen. Rahab sagt den israelischen Spionen, sie sollen sich vor ihren Feinden verstecken und würden am dritten Tag in Sicherheit sein. Als Ester erfährt, dass ihr Volk niedergemetzelt werden soll, beginnt sie, zu beten und zu fasten. Am dritten Tag empfängt der König sie gnädig. Das Muster ist immer dasselbe: Am ersten Tag geschieht ein Unheil, und am dritten Tag kommt die Rettung. Am zweiten Tag gibt es nichts – nur das Unheil, das andauert.

Warten ohne zu verzweifeln

Die Leute in diesen Geschichten wissen jeweils nicht, dass die Befreiung am dritten Tag bevorsteht. Ihnen bleibt nichts anderes, als zu warten und auf Gott zu vertrauen. So ist es auch bei uns, wenn wir auf eine Gebetserhörung warten, wenn wir Unheil erlebt haben und noch auf die Errettung warten. Etwas, was wir niemandem delegieren können, ist Hoffnung und Zuversicht zu bewahren. Wir können darauf schauen, dass Ostern kam. Am Sonntag ist die Hoffnung geboren worden. Das ist die Grundlage, auf die unser Leben aufgebaut ist. Und darin sollen wir uns stärken in Zeiten der Not, wenn Gott schweigt.

Falls auch Sie in einer «Wartezeit» stecken und harte Zeiten durchmachen, denken Sie daran: Sie wissen nicht, ob es eine Drei-Tages-Story ist und die Errettung kurz bevor steht. Warten Sie auf den Herrn. Und was immer Sie tun, während Sie auf den Sonntag warten – tun Sie es mit Gott. Sie können mit Gott am Samstag auf eine Art zusammen sein, wie dies an keinem anderen Tag möglich ist. Denn am Samstag wissen Sie: «Gott ist meine einzige Hoffnung!»

Zum Buch

Titel: Weltbeweger
Untertitel: Jesus - wer ist dieser Mensch?
Autor: John Ortberg
ISBN/EAN: 9783865918772
Verlag: Gerth Medien
Erschienen: 06.2013
Seiten/Umfang: 336 S.

Zum Thema:
Glauben kennenlernen
Dossier «Ostern»

Karfreitag: Jesus am Kreuz
Jesus und Thomas

Datum: 15.04.2017
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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