Chrischona-Direktor

«Ich habe nur fünf Brote und zwei Fische, aber die gebe ich»

Fünf Jahre dauert eine Amtszeit als Direktor von Chrischona International. Die ersten fünf Jahre hat René Winkler bereits gemeistert. Am 10. September 2016 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Was macht ihm Freude an seinen Aufgaben? Wo schöpft er Hoffnung in herausfordernden Zeiten? Was wünscht er sich für die kommenden fünf Jahre?

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René Winkler
Chrischona-Panorama: René, was gefällt dir an deiner Arbeit?
René Winkler: Zum einen die Gewissheit, hier am rechten Platz zu sein. Meine Freude habe ich nicht nur an dem, was ich machen kann und darf, sondern auch durch die Platzanweisung von Gott. Deshalb rütteln schwierige Aufgaben und Herausforderungen nicht an meiner Grundüberzeugung. Zum anderen gefällt mir die Vielfalt der Aufgaben. Das erlaubt mir, viele meiner Begabungen einzusetzen. Mir gefällt das Denken und Handeln in grossen Linien. Ausserdem fördere ich gerne Menschen und helfe ihnen, ihr Potential zu entfalten, Schritte vorwärts zu machen. Als Direktor kann ich viel gestalten, und ich komme in Kontakt zu vielen Leitern aus anderen Verbänden und Werken. Es entfaltet sich ein weiter Horizont.

Was ist so interessant an diesem weiten Horizont?
Ich lerne viel durch Beobachten und Reflektieren. Der Blick über unseren Chrischona-Tellerrand inspiriert mich. Zum Beispiel, wie andere Personen in ähnlichen Positionen Themen und Herausforderungen anpacken.

Wenn du über den Chrischona-Tellerrand blickst: Wie werden wir Christen in der Öffentlichkeit wahrgenommen?
Es ist manchmal zum Haare-Raufen, wenn ich zum Beispiel an einen Bericht in einer Schweizer Boulevardzeitung denke, der Christen und Sekten munter zusammenwürfelt (Livenet berichtete). Die Berichterstattung in den Medien ist zunehmend undifferenziert. Christliches wird zuweilen laut und gefühlt ziemlich häufig nichtig geredet. Auf der anderen Seite mahnt etwa Vishal Mangalwadi uns Westler, unsere Wurzeln nicht abzuschneiden, weil vieles, was wir heute in unserer Gesellschaft für selbstverständlich halten, seinen Nährboden in der Bibel bzw. im gelebten Christentum hat. Wenn wir Christen anders und glaubwürdig in der Gesellschaft leben – und nicht alles so machen, wie alle anderen auch – dann nähren wir auch bei anderen Menschen die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben mit Gott. Dazu gibt uns unsere Vision aus Jesaja, Kapitel 61, Verse 1-3 und 1. Petrus, Kapitel 2, Vers 9 Orientierung, weil sie Lebensveränderung verheisst.

Die Vision von Chrischona zu konkretisieren war eines der Ziele, das du dir bei deiner Einsetzung zum Direktor gesteckt hattest. Ziel erfüllt?
Seit 2007 sind wir mit den Visionstexten unterwegs. Dabei haben wir gelernt, dass wir als Christen eine gemeinsame Berufung haben (1. Petrus, Kapitel 2, Vers 9) und nicht jeder nur für sich. Das ist für die Erfüllung unseres Auftrags eine entlastende und beflügelnde Ausgangslage. Mit der Herzschlag-Kampagne Anfang 2014, welche die beiden Visionstexte im Zentrum hatte, haben wir Gemeinden Rückenwind geben können. Durch unsere Vision ist vielen von uns auch wie selbstverständlich klar, dass wir uns für die Flüchtlinge engagieren. In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Vision in Form eines Mission-Statements auf den Punkt gebracht: Jesus erleben – Menschen fördern – dem Nächsten dienen. Ausserdem haben wir die Themen der jährlichen Strategie- und Schulungskonferenzen bewusst im weiten Horizont der Vision ausgerichtet.

Wo schöpfst du Hoffnung in schwierigen Zeiten?
Schwierigkeiten suchen wir uns ja normalerweise nicht aus. Je schwieriger die Situation, desto mehr bin ich als Direktor gefragt, Verantwortung zu übernehmen, Orientierung zu geben, den Mitarbeitern zu sagen, worin ihre Verantwortung besteht und wo sie aufhört, damit sie sich nicht überfordern. Wobei es einfacher ist, anderen darin Orientierung zu geben als mich selbst zu führen. Ich brauche in solchen Zeiten insbesondere das Gespräch unter uns Leitungsverantwortlichen und für mich persönlich die regelmässigen Gespräche mit meinem Mentor. Und natürlich erlebe ich oft auch in Gottesdiensten und bei ähnlichen Gelegenheiten, dass Dinge plötzlich klar(er) werden oder mir ein inspirierender Gedanke zufällt.

Sehr grundsätzlich hilft mir auch die Haltung, dass mein Leben nicht mir gehört; auch das Vertrauen vieler, das mir in den vergangenen Jahrzehnten zugewachsen ist, gehört nicht mir, sondern Jesus. Mein Thema ist deshalb nicht Selbstverwirklichung, sondern Haushalterschaft: Ich setze das, was ich habe und bin, mit Herzblut ein. Es ist allerdings oft nicht mehr als das, was die Jünger von Jesus zur Verpflegung der 5000 beitragen konnten: nur fünf Brote und zwei Fische. Ich gebe meine auch. Das Wesentliche muss sowieso Jesus tun. Alles Vorläufige und Bruchstückhafte macht er schlussendlich ganz.

Was wünschst du dir für die zweite Amtszeit als Direktor von Chrischona International?
Die Vision weiter zu konkretisieren und zu fördern, bis sie an uns beobachtbar ist.

Wie weit sollten wir also in fünf Jahren sein?
Das Bild, das wir abgeben, wird gross und sehr bunt sein. Ich habe nicht genau definiert, wie es in fünf oder zehn Jahren aussehen soll. Zu diesem Bild sollte aber gehören, dass wir dafür bekannt sind, dass wir Zeit haben. Dass wir Leben im Überfluss haben und trotzdem noch unverbrauchte Ressourcen, die wir gerne mit anderen teilen. Dass wir mutig neue Wege gehen, ausgetretene nicht mehr, selbst wenn sie uns noch so vertraut sind. Dass wir darin routiniert sind, Aktivitäten dankbar zu beenden, die nicht jüngerschaftsfördernd sind. Dass Gemeindeglieder ihren Beruf selbstverständlich als Ort ihres Gottes-Dienstes begreifen. Dass wir geradezu allergisch reagieren, wenn wir nicht beobachtbar reifen.

Zum Thema:
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Datum: 12.12.2016
Autor: Michael Gross
Quelle: Chrischona Panorama

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