Religionslehrer Primo Cirrincone

«Reli sollte cool sein für die Kinder!»

Primo Cirrincone arbeitet seit 20 Jahren als kirchlicher Religionslehrer. Dabei sieht er sich mehr als Animator für die Kids. «Wenn ein Kind nicht animiert ist, kommt es nicht mehr in den Religionsunterricht», stellt er fest. Leider sei dies heute viel zu oft der Fall.

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Primo Cirrincone
Primo Cirrincone hat zwei grosse Leidenschaften: Den Sport (besonders Fussball) und seinen Glauben an Jesus. Diese ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben. 20 Jahre investierte sich der heute 46-jährige Basler bei Athletes in Action, von 1998 bis 2012 war er Leiter der Sportlerorganisation von Campus für Christus. Die letzten 20 Jahre ist Cirrincone als Religionslehrer tätig. Er ist damit einer der wenigen vollzeitlichen Religionslehrer in der Schweiz. Worauf achtet er heute in seinem Unterricht? Wie sieht er die Perspektiven des Religionsunterrichts? Livenet traf Cirrincone in Basel zum Gespräch.

Livenet: Primo Cirrincone, wie kam es, dass Sie vollzeitlicher Religionslehrer wurden?
Primo Cirrincone: Es ist schon etwas ungewohnt, dass ein Mann Vollzeit als Religionslehrer arbeitet. Bei mir war es so, dass ich zu Beginn ein paar Stellvertretungen übernehmen durfte. Daraus wurde immer mehr. So öffnete sich die Tür zum Fulltime-Job als Religionslehrer. Heute unterrichte ich 24 Lektionen pro Woche in mehreren Schulklassen in der reformierten Kirche Basel und in Breitenbach.

Worauf achten Sie bei der Gestaltung des Religionsunterrichts?
Für mich ist wichtig, dass der Unterricht attraktiv ist für die Jugendlichen. Ich sehe mich mehr als Animator denn als Lehrer. Animieren bedeutet ja, jemanden anregen und in Bewegung setzen. Genau das möchte ich mit meinem Unterricht erreichen. Reli sollte cool sein für die Kinder. Es ist ganz einfach: Wenn ein Kind nicht animiert ist, kommt es nicht mehr in den Religionsunterricht. Mir ist wichtig, eine positive Atmosphäre zu schaffen, so dass ein Boden gelegt ist, dass die Schülerinnen und Schüler später im Leben einen positiven Zugang zum Spirituellen haben. Irgendwann – spätestens an einer Hochzeit oder Taufe – begegnen sie der Religion wieder.

Der Stoff im Religionsunterricht ist ja nicht immer hollywoodreif spannend. Da kommen auch historische Hintergründe und Fakten dazu. Wie präsentiert man die als Animator?
Nach meiner Erfahrung hilft es, Multimediamittel einzusetzen. Ich beginne beispielsweise oft mit einem Musik-Videoclip (siehe unten), um die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen. Für die weitere Gestaltung des Religionsunterrichts spielt natürlich das Alter eine wichtige Rolle:

  • Viertklässlern kann man problemlos Geschichten vorlesen. Sie gehen voll mit und lieben es, zuzuhören.
  • Bei Fünftklässlern lohnt es sich, vermehrt animierte Clips einzusetzen und von Menschen und ihren Biografien  zu erzählen.
  • Die Sechstklässler interessieren sich dann meist für Lebensthemen wie Sexualethik oder Sterben und Tod.

Wie klar dürfen Sie als Religionslehrer Ihren Glauben als Christ vertreten?
Ich muss zwar kein Geheimnis daraus machen, darf aber nicht missionieren. Der Widerstand gegen den religiösen Unterricht wächst. Vielerorts wurden in den letzten Jahren Traditionen wie das Weihnachtssingen abgeschafft, weil man allen Glaubensrichtungen Rechnung tragen will. Und gerade Muslime weigern sich oft, bei christlichen Feiern mitzumachen.

Nehmen überhaupt auch Muslimkinder an Ihrem Unterricht teil?
Ja, ich habe Muslimkinder im Religionsunterricht und freue mich über jedes einzelne. Es ist doch wichtig, dass Muslime wissen, warum in der Schweiz Weihnachten gefeiert wird. Wir machen integrative Arbeit. Diejenigen, die nicht teilnehmen wollen, haben oft einfach Angst vor dem Unbekannten.

Welche Zukunftsaussichten geben Sie dem kirchlichen Religionsunterricht?
Keine guten. Der Religionsunterricht wird wohl irgendwann aussterben und durch Ethikunterricht ersetzt werden, wie dies in nördlichen Ländern heute schon der Fall ist. In vielen Schweizer Kantonen sind deshalb Lehrer und nicht mehr Katecheten für den Religionsunterricht zuständig.

Mit solchen Musikclips startet Cirrincone, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen:

Zur Facebook-Seite:
Reli ist cool

Zum Thema:
Konfirmation: Der Unterricht muss fetziger werden
Konservative Falle?: Der Lehrplan 21 und die Kirchen
Religion und Sex: Lehrplan 21: Ein ungutes Gefühl bleibt

Datum: 29.08.2017
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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