Fresh Expressions

«Geht und baut Kirchen auf!»

Die Bäretswiler Pfarrerin Sabrina Müller hat eine Doktorarbeit über die Bewegung «Fresh Expressions of Church» geschrieben. Sie zieht daraus Schlussfolgerungen für Gemeindegründungen und Gemeindewachstum in der Schweiz.

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Pfarrerin Sabrina Müller
Sie heissen «good thoughts», «metal church«, «Spielfalt«, «Sonntagszimmer» oder «Kampfsportschule». Gemeinsam ist diesen Gruppen, Netzwerken und Treffpunkten, dass sie sich zu der in England entstandenen Bewegung «Fresh Expressions» zählen. «Es gibt wahrscheinlich mehr 'Fresh Expressions' als wir denken, aber wir Schweizer bezeichnen halt nicht alles als Kirche», sagt Sabrina Müller. Sie ist Pfarrerin in Bäretswil, Leiterin von «good thoughts» und hat eine Doktorarbeit über Fresh Expressions geschrieben.

«Kirche passiert»

In der Zeitschrift «meinTDS» (Februar 2015) erzählt sie über die Anfänge der Bewegung vor 20 Jahren in der Anglikanischen Kirche. Und über den besonderen Charakter der gut zur postmodernen Zeit passenden Bewegung. Sie ist in verschiedener Hinsicht aussergewöhnlich. Erstens definiert sich Fresh Expressions nicht über Kirchen oder andere Gebäude, sondern über Beziehungen zwischen Menschen, die sich im Glauben an Jesus gefunden haben. Diese finden sich in höchst unterschiedlichen Orten und Milieus, vom Hauskreis bis zum gemeinsamen Musikhören in einem Szenelokal. «Kirche passiert, und zwar dort, wo sich Menschen um den auferstandenen Jesus Christus versammeln», lautet eine Selbstdefinition von Fresh Expressions.

Grosse Breite

Auffällig ist die kirchliche Breite der Bewegung. An einer ersten gemeinsamen Konferenz nahmen 2011 die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK), das Institut für Gemeindewachstum (IGW) und die reformierte Landeskirche sowie die Pfarrerweiterbildung der reformierten Kirche teil. In der Spurgruppe von Fresh Expressions Schweiz sind inzwischen auch die katholische Kirche und Chrischona Schweiz vertreten.

Missionale Ausrichtung

Fresh Expressions verstehen sich als missionale Bewegung. Es geht ihnen darum, Reich Gottes gegenwärtig und zukünftig in der Welt zu leben. Und sie wollen Menschen begleiten, wie Sabrina Müller betont.

In der Tradition der christlichen Kirchen

Die Fresh Expressions wollen keine Bewegung mit unklarem Profil und viel Zufälligkeit werden, noch wollen sie der verlängerte Arm der Kirchen sein. Zwar betonen sie, dass «Kirche passiert», also die Beziehungsorientierung der Mitmachenden und den Dialogcharakter der Zusammenkünfte, aber sie sehen sich als weiteren Ast in der 2000-jährigen Tradition der christlichen Kirchen. «Sie bringen diesen Schatz von Tradition in einen Kontext, und daraus entsteht Innovation», erklärt Müller. Sie spricht auch von einer «mixed economy». «Beides soll Raum haben, das traditionelle Gestalten von Kirche und Fresh Expressions of Churches.» Die Kirchen können laut Müller Fresh Expressions fördern, indem sie ihre Leute inspirieren und sagen: «Geht und baut Kirchen auf!»

Hinweis: Am Donnerstag, 5. März 2015, findet der dritte Runde Tisch von Fresh Expressions statt.

Zur Webseite:
Fresh Expressions Schweiz
«Fresh X» Fresh Expressions Deutschland
TDS Aarau

Zum Thema:
Neue Gemeindeformen: Mut zum reformierten Experiment
Freie Projekte innerhalb der EMK: Mit 'freshen' Ideen gegen leere Kirchen
Fresh Expressions: Wie sieht Kirche in der pluralen Gesellschaft aus?
Studie zeigt: «Fresh Expressions» gewinnt Menschen für den Glauben
Wie im Laden: Glaube «à la carte»

Datum: 03.03.2015
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet / meinTDS

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