«Unerträgliche Zustände»

Indien: Proteste nach Ermordung eines Pastors vor seiner Kirche

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In der Grosstadt Ludhiana im Bundesstaat Punjab im Norden Indiens ist am 15. Juli Pastor Sultan Masih (50) erschossen worden, als er vor seiner Kirche auf die Strasse trat. Hinduistische Extremisten hatten ihm vorher gedroht.

Pastor Masih hatte vor kurzem das 25. Jubiläum seiner Gemeinde gefeiert. Am Samstagabend war er im Gemeindegebäude, als er einen Anruf bekam. Er trat auf die Strasse, um zu telefonieren, als zwei Teenager auf einem Motorrad sich näherten und ihn mit Schüssen in den Hals niederstreckten. Sein Sohn hörte die Schüsse und fand ihn schwer verletzt auf der Strasse. Obwohl er sofort in ein Spital gebracht wurde, erlag er seinen Verletzungen. Nach Angaben des Spitals erhielt er eine Kugel in der Brust, eine im Hals und eine im Kopf nahe dem Ohr.

Ärgernis Jubiliäum und Evangelisation

Pastor Vishnu Dev, ein naher Freund des Ermordeten, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Morning Star, dass es bis vor kurzem keinen grösseren Widerstand gegen Pastor Masih gegeben habe. Im Mai allerdings habe er einen «mutigen Schritt» getan und evangelistische Veranstaltungen zur Feier des 25. Jubiläums seiner Gemeinde abgehalten. Dagegen hatten Angehörige der radikalen Hindu-Gruppierung RSS protestiert.

«RSS-Aktivisten kam und klagten den Pastor an, Zwangsbekehrungen durchzuführen», berichtete Pastor Kumar, Mentor des Ermordeten. «Zweimal kamen sie auch nach den Veranstaltungen und stritten mit ihm. Sie warfen ihm vor: 'Ihr Christen werdet bezahlt, um Menschen zu bekehren. Wieviel zahlt ihr, dass sich einer bekehrt?' Die Extremisten seien stur gewesen und hätten nicht zugehört, als Pastor Masih ihnen erklärte, dass das nicht wahr sei.» Einige Tage vor seiner Ermordung habe Pastor Masih seinen Freund gebeten: «Bitte betet für uns, wir stehen für Christus gerade. Viele Feinde stehen gegen uns auf – bitte betet für uns.»

Der Überfall wurde vom Überwachungsvideo festgehalten. Nach Angaben der Polizei ist eine Untersuchung eingeleitet worden.

Wachsender Ärger über Regierung

«Tribune News Service» berichtete am Sonntag, dass Verwandte des Opfers zusammen mit Hunderten von örtlichen Christen in Protestmärschen die Hauptstrassen teilweise für Stunden blockiert hätten. Sie verlangten, dass die Behörden alles tun, um den Mord aufzuklären. Seit Wochen protestieren Christen in Indien gegen die Gewalt, die von radikalen Hindus gegen Christen ausgeübt wird.

Wilson Chowdhry, Vorsitzender der «British Asian Christian Association», verfasste eine Petition, in der das Ende der «wachsenden Feindschaft» gegenüber Christen unter der Regierung des hinduistischen Premierministers Narendra Modi verlangt wird. «Dieser unbegründete Angriff auf einen Pastor vor den Mitgliedern seiner Gemeinde ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit. Er liegt in einer Linie mit den wachsenden Feindlichkeiten, denen Christen täglich in einem Land ausgeliefert sind, das unter der Regierung Modi zunehmend gespalten ist. Pastor Sultan Masihs Name ist ein weiterer auf der wachsenden Liste christlicher Märtyrer auf der ganzen Welt und ich bete um Trost für seine Familie und Freunde», sagte Chowdhry in einer Erklärung.

Chowdhry sprach auch die Warnung aus, dass westliche Nationen, die aus ökonomischen Gründen enge Beziehungen zu Indien unterhalten, wenig unternähmen, die wachsende Hindu-Gewalt im Land öffentlich anzusprechen. «Das bedeutet leider, dass die Ermordung unschuldiger Pastoren und Christen im Land weiter zunehmen wird.» Regierungschef Modi war früher selbst Mitglied der radikalen Hindu-Organisation RSS gewesen.

Zum Thema:
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Datum: 20.07.2017
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / The Christian Post

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