Weihnachten weit weg

Zu Weihnachten ein Visum!

Sie haben sich für die Kälte Alaskas erwärmt und möchten längerfristig dort leben: Martin und Silke Hornfischer aus Seelow (D). Unfreiwillig noch auf Heimaturlaub, wäre die Visums-Verlängerung ihr grösstes Weihnachtsgeschenk.

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Silke und Martin Hornfischer mit Sohn Finn
Seit Kinderzeiten ist Silke Hornfischer (37) fasziniert von Tradition und Aussehen der Indianer Nordamerikas. Als sie mit 15 Jahren zum Glauben kam, war für sie klar, einmal nach Alaska zu den Indianern zu gehen. Während ihrer theologischen Ausbildung in Adelshofen begegnete Silke dem perfekten Partner für dieses Vorhaben: Martin Hornfischer (35), einem gelernten Bäcker.

Holzhacken bei -50° C

Ende Oktober 2010 reiste das Paar, unterstützt von der DMG (Deutschen Missionsgesellschaft) aus, um eine Gemeinde aufzubauen. Sohn Finn war damals fünfjährig. Er hat sich in ein richtiges Schneekind verwandelt, das die Kälte und das Hockeyspielen liebt und in Galena gute Freunde gefunden hat. «Unser 600-Seelen-Dorf ist nur mit dem Flugzeug erreichbar», erklärt Martin Hornfischer. «Metzger, Bäcker, Werkstatt – Fehlanzeige! Alles müssen wir selber machen; vom Elch schiessen bis zur Autoreparatur.» Bei -50° C kann es auch schon mal vorkommen, dass die Leitungen einfrieren. Ohne den starken Zusammenhalt im Dorf wäre das Leben – jagen, fischen, Brennholz beschaffen – aber noch viel härter.

Hoffnung tut not!

Trotzdem fordern die langen Winter und das anstrengende Leben ihren Tribut. «Wirtschaftlich ist Alaska stabil – doch gesellschaftlich haben die Menschen viele Nöte. Mit Alkohol und diversen Drogen versuchen die Indianer und Eskimos ihre Trostlosigkeit zu betäuben. Missbrauch jeglicher Art und Selbsttötung ist in Alaska ein grosses Problem», sagt Martin Hornfischer. Der nördlichste und zugleich westlichste Bundestaat der USA braucht Hoffnung – nicht nur an Weihnachten.

Musik und fettes Essen

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Sohn Finn und Labrador Kiska in Weihnachtsstimmung
In Galena findet der Weihnachtsgottesdienst an Heiligabend statt. Verschiedene Gemeindemitglieder tragen dann ein Lied oder Musikstück vor. «Manchmal gibt es auch eine Predigt», sagt Martin Hornfischer, der den traditionellen deutschen Heiligabend mit Silke und Finn auch in Alaska weiterpflegt. Dieses Jahr haben Hornfischers die Weihnachtsgeschichte gar auswendig gelernt. Ein fettes Weihnachtsessen mit Geschenken, Freunden und Familie feiert man in Galena am 25. Dezember.

Elchnase und Biberfüsse

Apropos fettes Essen und Essen überhaupt: Sehr beliebt sind in ihrem Dorf die sogenannten «Potlucks». Dazu Silke Hornfischer: «Jeder bringt etwas zu essen mit und dann wird gemeinsam gespeist. Meistens kann man selber wählen, aber nicht selten wird man bedient. Was auf dem Teller landet, wird gegessen – oder zumindest davon gekostet: Bei Elchnase, Biberschwanz und –füssen oder Walfett kostet es manchmal schon Überwindung». Am meisten vermissen Hornfischers gutes Brot, Salami, Quark und Kirschen aus dem Glas.

In den Startlöchern

Dies alles können sie im Moment aber geniessen. Denn Martin und Silke Hornfischer befinden sich unfreiwillig noch auf Heimaturlaub. «Einen Tag nach unserem Rückflug in die Heimat vergangenen Mai hat eine Flut 90 Prozent unseres Dorfes zerstört. Unser Labrador Kiska überlebte. Ende August wollten wir wieder ausreisen, aber bis heute haben wir leider keine Visums-Verlängerung erhalten. Dabei werden wir sehnsüchtig erwartet. Es gibt immer noch Einiges aufzuräumen und instand zu setzen.» Weihnachten 2013 wird Familie Hornfischer in Hannover verbringen, in Gemeinschaft mit Mitarbeitern eines Drogenprojekts. Der Flug zurück in ihre Wahlheimat ist auf Ende Januar 2014 gebucht.

Blog:
Hornfischer über´n großen Teich

Zum Thema:
Weihnachten weit weg: Warmes Wachs und Kaltes Buffet
Weihnachten weit weg: Von wegen «stille» Nacht…
Weihnachten weit weg: Eintopf aus dem Erdloch

Datum: 23.12.2013
Autor: Manuela Herzog
Quelle: Livenet

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