Wir leben vom Teilen

Start der "Petition 0,7 % Plus"

Die Petition 0,7 % Plus, vor kurzem lanciert, erinnert an die Verantwortung: Noch heute sterben 30'000 Menschen pro Tag aus Gründen der Armut.

Nur ein kleiner Teil davon verhungert, aber die meisten sterben auf Grund von Krankheiten, die bei einer einfachsten Basis-Gesundheitsversorgung, bei Zugang zu sauberem Wasser sowie durch Bekämpfung von verbreiteten Krankheiten vermieden werden könnten. Die hierzu nötigen Infrastrukturen kosten mehr Geld als die armen Länder überhaupt haben. Auch kurz- und mittelfristig könnten sie mit einer guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht genügend Geld generieren. Deshalb braucht es wirksame Unterstützung von aussen.

Mehr tun für Entwicklung - Armut halbieren

Die Schweiz tut heute viel Gutes, aber noch viel zu wenig. Die öffentliche Entwicklungshilfe fiel im 2006 gar noch von 0,44 % auf 0,39 % des Schweizer Volkseinkommens. Und die private Entwicklungshilfe macht nur einen Bruchteil davon aus. Deshalb fordern wir unsere Regierung auf, die Entwicklungshilfe endlich auf die schon lange versprochenen 0,7 % zu erhöhen. Denn soviel braucht es, um die Armut in der Welt wenigstens zu halbieren. Die entsprechende Petition lautet:

"Armut ist ein Skandal. Darum fordern wir Parlament und Bundesrat auf,
- sich stärker für die Millenniums-Entwicklungsziele zu engagieren, damit die schlimmste Armut und die Zahl der Hungernden bis 2015 halbiert werden können.
- die öffentliche Entwicklungshilfe bis 2015 schrittweise auf 0,7 % des Bruttonationaleinkommens (BNE) zu erhöhen.
- diese Mittel gezielt zugunsten der Ärmsten und Benachteiligten dieser Welt sowie zum Schutz der Umwelt einzusetzen."

Das christliche Netzwerk StopArmut 2015 startet diese Petition in Koordination mit einer parallelen Kampagne der Koalition "Gemeinsam gegen Armut". Die von StopArmut 2015 organisierte Petition hat noch einen Zusatz, deshalb der Titel "Petition 0,7 % Plus". Die Unterzeichnenden haben die Möglichkeit, ihren Willen zu bekräftigen, indem sie sich verpflichten, im Jahr 2007 auch selber mindestens 0.7 % ihres Einkommens in Armutsbekämpfungsprojekte (im Sinne der acht Millenniumsziele) ihrer Wahl einzuzahlen.

Start mit Wettmelken in Winterthur

Am 31. Mai fiel der Startschuss zur "Petition 0,7 % Plus" in Winterthur, nachdem am Morgen in Bern bereits die Petition der Koalition "Gemeinsam gegen Armut" gestartet worden ist. In Winterthur zeigten Vertreter von drei Organisationen, die die Petition unterstützen, dass mit 0,7 % Einsatz bereits sehr viel bewirkt werden kann: Nationalrat Walter Donzé (EVP), Matthias Spiess von der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) und Esther Martin-Cox und Cornelia Zürrer von der Heilsarmee spendeten je 0,7 % ihres Tages (also 10 Minuten) für ein Wettmelken.

Dank der "Mitarbeit" der Kuh "Quarena" aus Gossau kam dabei mit drei Litern eine ansehnliche Menge gesunde Milch zusammen, die so manchen Durst löscht und bekanntlich für die Entwicklung gut ist. Setzen wir sie ein! Die Menge Milch macht nur einen Bruchteil der 25 Liter aus, die eine Kuh pro Tag gibt. Es bleibt uns noch viel übrig! Wir haben also genug zum Teilen mit der Welt.

Die Vertreter repräsentierten übrigens je ein Land, das bereits heute 0,7 % seines Volkseinkommens für Entwicklungszusammenarbeit einsetzt: Holland, Norwegen und Schweden. Ist die Schweiz bald auch dabei? Im übrigen gewann "Schweden" das Wettmelken. Kein Wunder, sie geben heute ja auch bereits über 1 % des Bruttosozialproduktes.

Entwicklungszusammenarbeit ist erfolgreich!

Armutsbekämpfung braucht nicht nur Geld. Aber auch Geld! Die öffentliche Entwicklungshilfe hat erwiesenermassen grosse Erfolge gebracht: zum Beispiel die Bewahrung von Millionen Menschen vor dem Hungertod oder die fast gänzliche Ausrottung von Lepra, Kinderlähmung und Pocken. Sie hat auch mitgeholfen, gewaltsame Konflikte zu bewältigen, Menschenrechte durchzusetzen, Demokratien zu stärken und die Umwelt zu schützen. Zur Erstellung von Lebensgrundlagen wie z.B. Wasser- und Gesundheitsversorgung braucht es aber dringend mehr finanzielle Mittel, welche durch private Investoren nicht bereitgestellt werden und auch bei Wirtschaftswachstum nicht automatisch entstehen.

Warum 0,7 Prozent?

Warum genau 0,7 Prozent? Diese Zahl wird seit Anfang der 70er Jahre verwendet, als die Gemeinschaft der Industriestaaten berechnet hat, wieviel es für die Entwicklung bedarf. Interessanterweise hat Professor Jeffrey Sachs, der wissenschaftliche Leiter der Millennium Campaign, berechnet, dass diese Zahl auch heute noch aktuell ist. Sie wird kaum bestritten.

Die allermeisten Studien zum Thema Entwicklungszusammenarbeit zeigen auch klar einen Zusammenhang zwischen Entwicklungshilfe und Wirtschaftswachstum sowie zwischen Entwicklungshilfe und Armutsreduktion. Dies ist wichtig zu wissen, denn die mediale Diskussion um diese Gelder wird stark von einer negativen Polemik geprägt, die den Fakten nicht standhält. Selbst in Afrika, welches oft als "Beweis" des Versagens hingestellt wird, ist der Human Development Index (der vor Allem Gesundheit und Bildung misst) gestiegen, und der Mangel an Wirtschaftswachstum hat zahlreiche andere Gründe, von denen z.B. das "erfolgreiche" Asien nicht betroffen ist. Die Petition gibt Gelegenheit, die Fakten genauer anzusehen!

Warum soll denn der Staat helfen und nicht die Privatpersonen oder insbesondere die Christen? Wir meinen, es gibt kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Denn die Not ist so gross, dass wir nicht warten können, bis die Privaten oder die Christen bereit sind, die benötigten Summen aufzubringen. Wir brauchen also beides, und dies wird mit dem "Plus" auch ausgedrückt. Umgekehrt: Der Staat, das sind in unserer Demokratie auch wir alle. Engagieren wir uns also auf allen Ebenen!

Webseiten:
www.petition07plus.ch
www.stoparmut.ch

Am Millenniums-Gipfeltreffen 2000 in New York verpflichteten sich 189 Staatschefs (später auch die Schweiz), die weltweite Armut bis im Jahr 2015 zu halbieren. Dies mittels der acht Millennium-Entwicklungsziele. Als eigenen Beitrag zur Armutsbekämpfung hat die Weltweite Evangelische Allianz deshalb zusammen mit 250 evangelischen Hilfswerken im Jahr 2003 die Kampagne "Micah Challenge" (www.micahnetwork.org) gestartet. Inzwischen sind in 32 Ländern nationale Micah Challenge-Kampagnen entstanden. StopArmut 2015 ist die schweizerische Version von Micah Challenge, getragen von der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). Sie hat zum Ziel, die Christen der SEA für die Armen zu sensibilisieren, den Kirchen und den Gläubigen zu zeigen, was sie für die Armen tun können, und schliesslich unsere Regierung an ihre Versprechen gegenüber den Armen zu erinnern. Zu Letzterem wird nun eine Petition lanciert.

Autor: Markus Meury

Datum: 27.06.2007
Quelle: Stop Armut 2015

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