5'000 Obdachlose in Bratislava

«Abenteurer müssen nicht nach Afrika, sie können zu uns kommen»

In vielen Ländern ist die Heilsarmee seit Jahrzehnten vor Ort. Nicht so in der Slowakei, dem östlichen Nachbarn Österreichs. Dort wird sie erst jetzt richtig aktiv. Und sie hat alle Hände voll zu tun. Im Winter leben bis zu 5000 Obdachlose in der Hauptstadt Bratislava. Und das Volk der Roma lebt noch immer am Rande der Gesellschaft.

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Leiter der Heilsarmee Slowakei (v.l.n.r.): Jozef Knoflicek, Teunis T. Scholtens und Vitalie Chiriac
Die Burg von Bratislava und die «Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes», die über die Donau führt, gehören zu den touristischen Magneten der slowakischen Hauptstadt. Und wie zahlreiche Grossstädte der Welt verfügt auch Bratislava über eine Heilsarmee – durch den Kommunismus sind die Salutisten jedoch erst vergleichsweise spät beim Nachbar Österreichs angekommen. 2015 war die Slowakei das 127. Land, das zur Heilsarmee dazu stiess. Die Grundsteine sind gelegt, aufgebaut wird sie von Tschechien aus.

«In Bratislava haben wir ein Corps, ein geistliches Programm und am Sonntag einen Gottesdienst am Morgen», gibt Regionaloffizier Vitalie Chiriac einen Überblick. Dazu kommen unter der Woche Bibelstudien und Hausgemeinden sowie soziale Arbeit. «In Zusammenarbeit mit Krisenzentren helfen wir Mütter mit Kindern durch Kleider und andere praktische Dinge. Unsere Sozialarbeiter versuchen auch, Obdachlosen zu helfen, die Probleme mit ihren Papieren haben.»

Bis zu 5000 Obdachlose

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Gemeinde der Heilsarmee in der Slowakei.
Landesleiter Teunis T. Scholtens verantwortet den Aufbau der Heilsarmee von Tschechien aus. Die Bedürfnisse seien gross. «Allein in Bratislava leben 3000 Obdachlose.» Wer als Tourist komme, merke davon nichts. «Man muss genau hinsehen, gerade auch dort, wo sonst kaum jemand hingeht.»

Im Winter, ergänzt Vitalie Chiriac, wächst die Zahl der Obdachlosen in der Stadt bis auf 5000 an, «denn hier gibt es mehr Hilfe und Notschlafstellen.» Die Heilsarmee hat alle Hände voll zu tun, die Arbeit wächst. «Wir haben vier Städte, in denen wir besonders aktiv sind: Bratislava, Glalanta, Pezinok und Plavecky Stvrtok.»

«Vertrauen gewinnen»

Am Rande der Gesellschaft leben auch die Roma. «Ihre Situation ist sehr schlecht. Sie leben in eigenen Siedlungen, in Häusern, deren Fenster teils kein Glas haben. Es gibt Menschen, die Erfrierungen erlitten haben», berichtet Teunis T. Scholtens. «Oder es gibt Orte, die nur eine Wasserstelle haben. Es geht da ums Überleben.»

Es breche einem das Herz. «Und wenn man bedenkt, dass man in der EU ist, dann hält man eine solche Situation nicht für möglich. Die Häuser, in denen die Menschen leben, befinden sich in einem so schlechten Zustand. Es gibt Menschen, die ihre Beine verloren haben, weil es so kalt war und keine Gelegenheit bestand, das Haus zu erwärmen.»

Die Heilsarmee versucht, die Lage zu verbessern. «Wichtig ist, dass man ihr Vertrauen gewinnt. Wenn wir dieses nicht haben, kann man nicht mit ihnen arbeiten.» Durch das Engagement ist aber inzwischen Vertrauen gewachsen, «wir sehen die ersten Ergebnisse.»

«Abenteurer können zu uns kommen»

Ria Scholtens-Stuurop, die mit ihrem Mann regelmässig von Tschechien in die Slowakei kommt, erklärt: «Es geht immer einher mit dem Predigen des Evangeliums. Das macht das Ganze stark. Die Leute haben viele, viele Jahre lang in diesen Umständen gelebt. Sie brauchen Hoffnung. Wir haben ein paar Roma-Studenten, die für uns arbeiten und wir fragten sie, was ihre Volksgruppe braucht. Und sie sagten, das einzige, was die Leute brauchen, ist Hoffnung. Das ist das, was Jesus Christus brachte. Er brachte Hoffnung in unsere Welt, damit sieht auch die Zukunft besser aus.»

Offizier Jozef Knoflicek leitete die Heilsarmee-Arbeit unter den Roma. «Wenn sie Christen werden, werden sie zur Ermutigung für andere Menschen. Denn wenn sie einen Entscheid für Jesus treffen, sind sieh sehr offen und klar.» Die Lebensveränderung sei sichtbar.

Und Jozef Knoflicek regt an: «Leute mit Abenteuergedanken müssen nicht nach Afrika gehen, sie können hier in die Slowakei kommen! Wir heissen sie mit offenen Armen willkommen.»

Video der Heilsarmee Slowakei:

Zur Webseite:
Webseite der slowakischen Heilsarmee

Zum Thema:
Slowakei: Bibelübersetzer auf 2-Euro-Münze
Wenn Gott Regie führt...: Wie eine Roma-Gemeinde in der Slowakei entstand

Datum: 25.01.2017
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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