«Gemeinde 55+»

Was zählen weisse Häupter?

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Kürzlich war ich an einer Beerdigung eines über 90-jährigen Mannes. Er war Vater von 12 Kindern, Grossvater von 32 Enkelkindern und Urgrossvater von 20 Urenkelkindern.

Ja, das sind noch Familien! Heute hat man ein bis zwei Kinder – mehr könne man sich angeblich gar nicht leisten. Über das Sich-leisten-Können mochte man damals gar nicht nachdenken. Die Kinder kamen einfach, und es ging – irgendwie. Mit Verzicht und Gottvertrauen. Dieser alte Vater wurde mit grosser Ehre und Achtung zu Grabe getragen. Sein Glaubensvorbild bleibt seinen Nachkommen in Erinnerung. Solche Vorbilder brauchen wir. Übrigens, diese Vorbilder sind mitten unter uns, in unseren christlichen Gemeinden. Übersehen wir vielleicht die Weisen, die Ratgeber, die Propheten, eben diese Glaubensvorbilder unter uns?

Den Jungen gehört das Podium. Nach Familien und Kindern sehnt sich die Gemeinde. Weisse Häupter zählt man nicht. Die Kinder dagegen schon. Unsere Gesellschaft ehrt die Alten nicht besonders. Christliche Gemeinden machen da keine Ausnahme. Doch das soll nun anders werden: Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) will den älteren Menschen mit dem Modell «Gemeinde 55+» Raum schaffen.

Mich begeistert die Idee, über «Gemeinde 55+» nachzudenken und ein solches Modell auszuprobieren. Ganz bewusst Kirche mit Senioren zu bauen – warum eigentlich nicht? Glauben teilen, Freizeit teilen, Leben teilen. Senioren haben mehr Zeit und Möglichkeiten, um die Gemeinschaft untereinander zu pflegen, über Evangelisationsideen nachzudenken und Zeit mit anderen Senioren zu verbringen. Pensioniert und dem höchsten Auftraggeber immer noch verpflichtet sein, hilft über das Gefühl des Nicht-mehr-gebraucht-Werdens hinweg.

Gut, dass es Jugendkirchen gibt. Da können die Jungen ihren eigenen Stil ausleben. Als unsere Töchter ins ICF pilgerten, zählte für mich nur dies: Hauptsache, sie bleiben der Kirche und dem Glauben verbunden. Gut aber auch, dass man nun über Seniorenkirchen nachdenkt. Auch die Älteren haben einen eigenen Stil, den sie leben möchten, eigene Formen, wie sie Kirche verstehen. Auch sie wünschen sich Gottesdienstformen, die ihnen zusagen. Allerdings soll die Verbindung zwischen Alt und Jung nicht aufgelöst werden. Das wäre fatal. Partnergemeinden, die sich sehr nahestehen und sich gegenseitig dienen, könnten die Lösung sein.

Der Gedanke aber, dass ich mit Brüdern und Schwestern wieder hemmungslos Choräle singen dürfte, liturgisch feiern und alte Formen und Rituale bewusst pflegen könnte, beglückt mich. Und ich weiss, dass sich andere auch danach sehnen. Im Gottesdienst möchte ich Gott begegnen, ihn feiern, zur Ruhe kommen. Jubel-Trubel habe ich im Alltag genug. Ob die mich mit meinen 53 Jahren schon aufnehmen würden?

Datum: 10.03.2008
Autor: Esther Reutimann
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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