Gottes Stimme hören

Das ganze Spektrum von Prophetie erleben

Prophetie ist mehr als ein «Eindruck» im Gottesdienst. Sie macht Mut, ist kraftvoll, herausfordernd – und durchaus auch etwas für fesche Kerle. Das Magazin «online» befragte dazu Thomas Eggenberg, Pastor der BewegungPlus in Bern und Verantwortlicher Theologie im nationalen Vorstand der BewegungPlus.

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Magazin «online»: In der Gemeinde haben Leute einen sogenannten «Eindruck» oder sie haben ein «Bild». Getrauen sich die Leute nicht, dies Prophetie zu nennen?
Thomas Eggenberg: In der BewegungPlus Bern ermutigen wir die Leute, eine prophetische Botschaft so zu benennen, wie sie sie empfangen haben. Das nimmt für Redner und Zuhörer Druck weg. Falls die Worte treffen, können sie nachträglich als Prophetie verstanden werden.

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Thomas Eggenberg
Oft sind es Frauen, die in diesem Sinn prophetisch reden. Trifft diese Beobachtung zu?
Wenn wir Prophetie als besondere Gedanken oder Bilder in einer Gebetszeit oder im Gottesdienst verstehen, dann stimmt diese Aussage wohl. In meiner Kleingruppe, die ausschliesslich aus Männern besteht, erlebe ich aber, dass Aussagen im Gebet oder in der Diskussion stark prophetischen Charakter haben. Auch in Predigten oder in der Gottesdienstleitung kommen prophetische Aspekte vor. Und nicht zuletzt können Handlungen prophetischen Charakter haben. Es wäre falsch, Prophetie auf spontane Empfindungen während dem Gottesdienst zu reduzieren.

Was ist denn Prophetie?
Es ist eine Offenbarung dessen, wie Gott eine bestimmte Situation sieht und beurteilt, was er jetzt tun möchte oder einmal tun wird.

In der Bibel hat prophetisches Reden oft ordentlich Zündstoff. Bei uns sind die Bilder meist erbaulich. Sind wir dabei, die Prophetie weichzuspülen?
Nein: Aufgrund von missbräuchlichen Erfahrungen betonen wir den erbaulichen Charakter, wie er in 1. Korinther Kapitel 14, Vers 3 zum Ausdruck kommt. Das finde ich gut.
Ja: Wir sollten auch herausfordernde prophetische Aussagen wagen, wenn die Freiheit der Prüfung besteht.

Am anderen Ende des Spektrums habe ich schon Prophetien gehört mit der Einleitung «So spricht der Herr»...
Das finde ich schwierig. Dies stellt den Propheten auf dieselbe Stufe wie alttestamentliche Propheten und lässt wenig Spielraum zur Prüfung. Wer nicht einverstanden ist, muss zum Schluss kommen, dass entweder er oder der Prophet gegen Gott ist. In öffentlichen Gottesdiensten ist es für Aussenstehende zudem schwer nachvollziehbar, was hier genau geschieht: Ist da eine Art Medium am Werk?

Ob Frau oder Mann: Was braucht es, um ein guter Prophet zu sein?
Es braucht eine Empfindsamkeit für das, was Gott im Moment sagen will – offene innere Ohren für ihn und sein Wort. Weiter gehört Integrität und Charakter zu einem guten Propheten. Und: Es ist ein Lernprozess. Alle können prophetisch reden, auch Kinder und Jugendliche. Der Weg zum anerkannten Prophetendienst dauert aber seine Zeit.

Schon über Jesus sagten sie: «Er ist doch der Sohn eines Zimmermanns.» Ein Prophet hat es sprichwörtlich schwer im eigenen Land. Und in der eigenen Gemeinde?
Hier wird deutlich, dass es nicht um diese oder jene spontane Äusserung geht. Der Dienst von Jesus, der als Ganzes prophetischen Charakter hatte, wurde abgelehnt. Das kann auch in der eigenen Gemeinde geschehen, wenn Menschen auf ihre natürlichen Eigenschaften festgelegt werden. Das darf und soll uns nicht hindern, dem prophetischen Dienst in seiner ganzen Vielfalt Raum zu geben. Es ist wichtig zu hören, was Gott uns hier und heute zu sagen hat und was er jetzt von uns möchte. Prophetie in diesem Sinn ist unverzichtbar und wächst auch in unseren Reihen.

Zum Thema:
bless2n-Konferenz zum Gebet: Abenteuer mit dem Heiligen Geist und keine mühsame Pflichtübung
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Datum: 01.09.2015
Autor: Brigitte Frei
Quelle: BewegungPlus Online

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