Religiöser Markt

Gibt es Yoga ohne Hinduismus?

Gibt es echtes Yoga ohne Hinduismus? Können die Übungen von der Ursprungskultur und ihrer Religion losgelöst werden? Eine Hindu-Stiftung in den USA verweist Yoga-Jünger auf den Hinduismus und provoziert damit Streit.

«Die Hindu-Wurzeln des Yoga ans Licht bringen» ist das Ziel der Hindu American Foundation (HAF). Wenn Yoga-Studios im Westen so verbreitet seien wie Starbucks und damit Milliarden verdient würden, gebe dies Anlass zur Sorge, dass Yoga von seinen hinduistischen Wurzeln abgetrennt werde. Viele westliche Yoga-Anhänger scheuten sich einzuräumen, dass die «hochgeschätzte ‚spirituelle Praxis‘ von Yoga fest in Hindu-Philosophie gegründet ist». Mit Verweis auf den grossen Yoga-Lehrer B.K.S. Iyengar und seinen Sohn Prashant Iyenagar hält die HAF fest, dass Yoga viel mehr ist als körperliche Übungen (asanas). Yoga umfasse ethische Richtlinien und auch Weisungen zum Meditieren der allumfassenden Realität. Ohne diese werde Yoga falsch vermarktet.

Welche Wurzeln?

Den Umsatz der Branche in den USA schätzt man auf sechs Milliarden Dollar. Laut der New York Times machen etwa 15 Millionen Amerikaner Yoga – die meisten sehen es nicht als etwas Religiöses. Darauf reagiert die HAF mit der Forderung: Take Yoga Back! Die Übungen sollten im religiösen Zusammenhang gesehen und praktiziert werden. Scharf kritisiert wird die HAF vom New-Age-Autoren Deepak Chopra, für den Yoga «allen von uns gehört». In den Übungen gehe es um Bewusstsein, nicht um Religion. Genauso wenig könnten Christen das Gebet als Ureigentum des Christentums für sich beanspruchen. Für den Amerika-Inder Chopra ist der Hinduismus zu sehr in Stammestraditionen gefangen, als dass er Yoga für sich beanspruchen könnte.

Kampagne von Exil-Hindus

Der Yoga-Streit hat die indische Regierung im Juni veranlasst, die antike Herkunft von über 4‘000 Yoga-Stellungen mit jahrtausendealten Zeichnungen digital zu dokumentieren. Die HAF hat sich als Sprecherin der US-Hindus in solchen Angelegenheiten etabliert. Sie will das auf Kasten und Kühe fixierte Hinduismus-Image erweitern, so dass auch die Meditationstechniken als Teil der Tradition ernst genommen werden. HAF-Mitgründer Aseem Shukla: «Yoga blüht, aber der Hinduismus hat die Kontrolle über die Marke verloren.»
Dies wiederum stösst manche Amerikaner ab, die sich Yoga ohne religiöses Brimborium zunutze machen wollen (man schätzt die Zahl der Hindus im Land auf zwei Millionen). Yoga habe es vor dem Hinduismus gegeben, heisst es aus der Ecke. Wie immer das Verhältnis bestimmt wird: die Auseinandersetzung macht jedenfalls deutlich, dass sich täuscht, wer glaubt, fremde Praktiken ohne ihren religiös-kulturellen Hintergrund in einen säkularen Lebensstil integrieren zu können.

Datum: 06.12.2010
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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