Kein Buch mit sieben Siegeln

Bibelwerkstatt: Keine Angst vor dem Alten Testament

Das Alte Testament ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Ein Kurs in der Stiftung Schleife zeigte den Reichtum, der darin steckt.

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Teilnehmer studieren das Unterrichtsmaterial zur Heiligen Schrift in der Bibelwerkstatt der Stiftung Schleife.
Etwa 120 Personen sitzen in der Stiftung Schleife in Winterthur und brüten über Bibeln, Papier und Schreibzeug. Sie gehen Fragen nach wie: Was macht den Aufbau des Buches Sacharja so besonders? In welcher Zeit wirkte eigentlich welcher Prophet? Oder: Warum ist David ein Typus für den Messias? In Gruppengesprächen werden die Fragen noch vertieft. Die Teilnehmenden sind trotz schönstem Badewetter ganz bei der Sache, auch wenn es manchmal wirklich ins Detail geht.

Die grossen Bögen gespannt

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Katharina und Thomas Bänziger
Dieser sogenannte «Studientag Altes Testament» fand am 9. Juli unter der Leitung von Katharina und Thomas Bänziger statt. Das Theologenehepaar hat vor kurzem seine reformierte Pfarrstelle in Schlatt TG aufgegeben und ist nun ganz in der Stiftung Schleife tätig. Viele der Teilnehmenden am Studientag hatten vorher bereits die «Bibelwerkstatt Altes Testament» besucht, die an sechs Samstagen noch mehr spannendes Bibelwissen vermittelte. Zeitgeschichte, Hintergrund, Verfasserschaft, Aufbau und Inhalt der einzelnen Bücher waren Thema. Insgesamt ging es aber vor allem darum, die Texte des ersten Teils der Bibel besser einordnen zu können. «Wir haben die grossen Bögen gespannt und einen Überblick geboten, auch zeitgeschichtlich. Punktuell sind wir mehr in die Tiefe gegangen», erklärt Thomas Bänziger, der im Alten Testament (AT) promoviert hat und Gastdozent an der STH Basel ist. Bänziger zeigte sich überrascht, wie gross das Interesse an der Bibelwerkstatt war, die von der Schleife erstmals angeboten wurde.

Menschenfreundliche Gebote

«Der Hunger nach Gottes Wort, nach der Bibel, ist gross», meint Bänziger. Dennoch trauen sich viele nicht so richtig daran. «In Predigten werden oft Einzeltexte ausgelegt, wobei nach meiner Beobachtung das Neue Testament (NT) mehr berücksichtigt wird als das AT. Es fehlt an Verständnis für die grossen Zusammenhänge.» Das Ziel der Bibelwerkstatt sei es, bei den Teilnehmenden Begeisterung und Freude am AT zu wecken. Durch neue Anregungen und Gesichtspunkte würden auch vermeintlich bekannte Geschichten wieder interessant. Ein Schwerpunkt der Bibelwerkstatt lag darauf, die theologischen Konzepte im AT verständlich zu machen. Etwa das Thema «Bund» durch das ganze Buch zu verfolgen oder in dem Konzept der Stiftshütte eine Botschaft für uns heute wahrzunehmen. Auch der Vergleich mit zeitgenössischen Texten wirkte erhellend. «Wir haben etwa den babylonischen Codex Hammurapi angeschaut. Daran wird deutlich, wie menschenfreundlich die biblischen Gebote sind, da sie das ganze Volk und nicht nur eine Oberschicht schützen.»

Das Wort auseinandergefädelt

Teilnehmerin Stina Steiner aus Uster findet, dass sich der Kurs gelohnt hat. «Als ich in Israel war, merkte ich, dass das AT viel mehr mit dem NT zu tun hat, als mir bewusst war. Diese Zusammenhänge wollte ich besser kennenlernen.» Das sei gelungen. «Indem wir das Wort aus dem Hebräischen auseinandergefädelt haben, hat sich vieles neu aufgetan.» Ähnlich äussert sich Reto Frei aus Hittnau ZH: «Ich wollte einen Überblick gewinnen, eine Art Helikoptersicht. Nicht nur im Tal unten die einzelnen Bäume anschauen, sondern das grosse Bild, das Gott für die Menschheit hat», sagt Frei. Es sei deutlich geworden, wie AT und NT ineinanderfliessen und eine Einheit bilden. Im nächsten Jahr wird die Bibelwerkstatt fortgesetzt. Dieses Mal geht es ins Neue Testament. Für die Teilnahme sind keine Voraussetzungen nötig. Neben dem Bibelkurs bietet die Schleife zum Teil zeitgleich auch eine Werkstatt für Prophetie und eine Werkstatt für Seelsorge an. 

Zur Webseite:
Stiftung Schleife

Zum Thema:
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Frauenkonferenz in der Schleife: «Sind wir bereit, unsere Leben in Gottes Hände zu legen?»
Eine gesunde Theologie für gesunde Gemeinden

Datum: 28.07.2016
Quelle: idea Schweiz

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