Das Unternehmertum feiern

Von Jim Mathis

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, vor einer Gruppe angehender Unternehmer an einer lokalen Universität sowie vor einer Gruppe Schülern zu sprechen. Ich erzählte beiden Gruppen, dass vor weniger als 200 Jahren die meisten Menschen Unternehmer waren. Viele waren Landwirte, Viehzüchter oder Hirten, andere lebten von ihrem Ein-Mann-Unternehmen. Schmiede, Stellmacher, Gerber, Metzger, Bäcker, Hersteller von Kerzenleuchtern und Vertreter hunderter anderer Berufe waren auf einen hohen Grad an Spezialisierung angewiesen.

Aber das Zeitalter der Industrialisierung mit seinen gut bezahlten, niederqualifizierten Berufen lockte die meisten dieser Menschen von ihren etablierten Unternehmen fort. Schnell wurden sie von der Sicherheit einer regelmässigen Gehaltszahlung abhängig.

Das Bildungswesen passte sich daran an und begann, die Werte dieses Zeitalters zu lehren, wie pünktlich sein, das tun, was von einem verlangt wird, keine Fragen stellen und Fehler vermeiden. Das Ergebnis? In unserer Gesellschaft haben die meisten Menschen die Fähigkeiten verloren bzw. sich nie zu eigen gemacht, die notwendig sind, um ein Unternehmen zu führen. Wir haben ausserdem die zum Erlernen dieser Fähigkeiten notwendige Infrastruktur verloren – Ausbildungen am Arbeitsplatz, bei denen durch jahrelanges Üben Fähigkeiten und handwerkliches Können angeeignet werden, die anders nicht erlernt werden können.

Es ist ermutigend, dass es Fernsehserien wie «Die Drei vom Pfandhaus» gibt, in denen die Inhaber von Kleinunternehmen zu Ehren kommen. Sie bilden das Leben als Kleinunternehmer auf vernünftige Art und Weise ab. Diese Serien können Menschen dazu ermutigen, Antiquitätenläden, Kfz-Werkstätten, Cafés oder andere kleine Unternehmen zu eröffnen, indem sie zeigen, wieviel Spannung, Entschlossenheit und Spass mit einem Kleinunternehmen einhergehen. Die meisten Unternehmer, die ich kenne, würden zugeben, dass ihr Geschäft Stoff für gutes Reality-TV hergibt.

Diese Sendungen unterstreichen, wieviel Fähigkeiten und Wissen notwendig ist, um ein Kleinunternehmen zu betreiben, und wie schwierig es ist, sich diese Fähigkeiten anzueignen. Kleinunternehmen, die von Menschen eröffnet werden, die aus der Welt der Konzerne kommen, scheitern oft, weil ihre Inhaber nie die zum Erfolg notwendigen Fähigkeiten entwickelt haben.

Glücklicherweise wuchs ich in einem Auktionshaus auf, arbeitete in einem Pfandhaus, führte ein Einzelhandelsgeschäft und spielte in einer Rockband; dies alles bereitete mich darauf vor, Inhaber eines Fotolabors und eines Cafés zu werden, und jetzt ein Fotostudio zu betreiben. Unternehmer sind natürlich kein neues Phänomen, das erst im 18. Jahrhundert aufgetaucht ist. In der Bibel finden wir viele Beispiele für Unternehmer:

Abraham war Viehzüchter und Landbesitzer. Noah muss sich viele Fähigkeiten angeeignet haben, um die Arche gebaut haben zu können. Bevor David König Israels wurde, war er Schäfer. Nehemia war Mundschenk beim König von Babylon, hatte aber das Verständnis und die Führungsqualitäten, um ein grosses Team anzuleiten, Jerusalem wiederaufzubauen. Im Neuen Testament waren einige von Jesu Nachfolgern Fischer, und der Apostel Paulus war Zeltmacher und stellte Lederwaren her. Sein Dienst wurde von keinem Konzern gesponsert.

In 1. Thessalonicher 4, 11 schrieb Paulus sogar, «Achtet darauf, dass ihr ruhig und besonnen lebt. Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten, und sorgt selbst für euren Lebensunterhalt, so wie wir es euch schon immer aufgetragen haben.» Heutzutage werden Menschen, die ihr eigenes Unternehmen gründen, als abenteuerlustig und risikofreudig betrachtet, aber tatsächlich haben Unternehmer über die Jahrhunderte hinweg eine unerlässliche Rolle in der Gesellschaft gespielt. Vielleicht werden wir in den nächsten Jahren wieder mehr Unternehmer zu Gesicht bekommen. Dann können wir wirklich «für den Herrn und nicht für die Menschen» (Kolosser 3, 23) arbeiten.

 


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