Sozialdiakonie

Ein Stück Zuhause für suchtkranke Menschen

Das Haus Spalen in Basel wurde vor 20 Jahren mit viel Gottvertrauen gegründet und traf ein echtes Bedürfnis der Zeit. Die Arbeit wurde professionalisiert, steht aber bis heute auf christlicher Basis.

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Geborgenheit bieten: Ein Bewohner bei Bastelarbeiten; das Haus Spalen in Basel.
Vor 20 Jahren gab es in Basel noch eine offene Drogenszene. Das Methadon-Programm war zwar angelaufen, doch stationäre Anlaufstellen für die Betroffenen fehlten. «Was nützt das Methadon, wenn man keinen ruhigen Schlafplatz oder kein Zuhause hat?» Mit dieser Überlegung machte sich das sozial engagierte Ehepaar Renate und Peter Diefenbach auf die Suche nach einer geeigneten Liegen schaft, um suchtkranken Menschen eine Heimat zu bieten. «Die Idee war, die äusseren Umstände der Betroffenen zu regeln. Mit einem Dach über dem Kopf und etwas zu Essen haben sie vielleicht auch die Musse, sich über den Lebensinhalt und die eigenen Wünsche Gedanken zu machen», erläutert Reinhold Weiler, Sozialtherapeut und heute stellvertretender Leiter des Haus Spalen. Unter hohem eigenem Risiko und mit viel Gottvertrauen konnten Diefenbachs im März 1994 das vierstöckige Wohnheim in der Nähe des Spalentores eröffnen. Bereits im November waren alle 25 Zimmer belegt.

Gegen den «Drehtüreffekt»

«Wie das häufig so ist, war es ein idealistischer Anfang mit Pioniertypen und viel Hingabe. Es hat sich dann aber gezeigt, – und der Kanton hat das auch gefordert – dass fachliches Know-how und qualifiziertes Personal nötig ist», erinnert sich Weiler. Die Arbeit des Hauses veränderte und professionalisierte sich mit den Jahren. Mitarbeiter wurden angestellt, die sowohl im christlichen Glauben verwurzelt sind als auch eine fachliche Ausbildung mitbringen. Das Haus konnte so nach den üblichen Qualitätstandards zertifiziert werden. Die wackligen Finanzen stehen mittlerweile auf einem soliden Fundament aus öffentlichen Geldern und Spenden.

Nach wie vor ist es das Ziel, den Menschen durch stabile Strukturen eine Chance auf Veränderung zu geben. Die Bewohner sind zum Teil suchtkrank, psychisch erkrankt oder leiden unter beidem. Der Konsum von Suchtmitteln ist im Haus verboten. Wichtig sind die geordnete Tagesstruktur und die persönliche Nähe zu den Bezugspersonen. «Alles wird mit den Bewohnern zusammen gemacht. Wir essen einmal am Tag gemeinsam, kochen, kaufen ein, putzen, machen den Abwasch», erklärt Reinhold Weiler. «Für die wenigsten ist die Selbstständigkeit ein realistisches Ziel. In der Regel ist es ein Erfolg, wenn die Leute stabiler werden.» Der sogenannte «Drehtüreffekt», also die Spirale von Krisen, Klinikaufenthalten und besseren Phasen soll unterbrochen werden. «Durch ihre schwierige Lebensgeschichte begegnen die Suchtkranken oft allem und jedem mit grossem Misstrauen und Ängsten. Wenn es gelingt, dass ein bisschen Vertrauen wächst, dann ist das schon viel.» Auch das Thema Drogen und Alkohol wird in Gesprächen thematisiert. «Meine Beobachtung ist, dass viele ins Nachdenken kommen und der Konsum abnimmt.»

Dankbar für das Gebet

Bis heute hält das Haus Spalen bewusst an seiner christlichen Grundhaltung fest. Heimleiter Martin Schmid: «Wir Mitarbeiter beginnen jeden Tag mit einer Andacht und treffen uns mittags zu Austausch und Gebet. Einmal im Monat feiern wir einen Gottesdienst, der auch für die Bewohner offen ist.» Von den Behörden spüre man diesbezüglich keine Einschränkungen. «Wir sind von unserer Haltung her überzeugt, dass jeder Mensch von Gott dieselbe Würde hat», ergänzt Reinhold Weiler. «Nach Matthäus 25 begegnen wir Jesus in dem, was wir für die Geringsten tun. Hier im Haus Spalen begegnet uns Jesus wirklich.» Weiler erinnert sich an eine Situation, in der ein Bewohner so verzweifelt war, dass er sich aus dem Fenster stürzen wollte. «Ich bin dann ins Bad gegangen und habe gebetet.» Der Lebensmüde beruhigte sich wieder. «Wenn ich fachlich am Ende war, war ich stets dankbar, dass wir einen Gott haben, der hilft.» Das Gebet und der Austausch im Team seien bei aller Professionalität sehr wichtig, betont Reinhold Weiler.

Zum Thema:
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Datum: 01.07.2014
Autor: Christof Bauernfeind
Quelle: idea Schweiz

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