Innere und äussere Mauern

Wie wahre Sicherheit geschaffen wird

Die europäischen Kommissionen von «Justitia et Pax» haben dazu aufgerufen, Sicherheit nicht durch Abschottung und Mauern aufbauen zu wollen, sondern durch Nächstenliebe, zum Beispiel die Schaffung gerechter und würdiger Zustände für alle.

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Mit Respekt und Nächstenliebe den anderen Menschen begegnen
Die 21 europäischen «Justitia et Pax»-Kommissionen warnen in ihrer am Dienstag veröffentlichen Schlusserklärung vor einem übertriebenen Sicherheitsdenken: «Wenn Sicherheit von Gerechtigkeit und Menschenrechten abgelöst wird, verliert sie ihren positiven Wert. Stattdessen entfremdet Sicherheitsdenken voneinander, verhindert gegenseitigen Austausch und wird schliesslich zu einer neuen Ursache für Konflikte und Spaltungen.» Wahre Sicherheit könne hingegen «nur in Frieden existieren, und Frieden schliesst ein, mit dem Nächsten zu leben, ihn sogar zu lieben, unabhängig von seiner Nationalität, seiner Hautfarbe, von Religion oder wirtschaftlichem Status».

Massnahmen zum Schutz der Sicherheit müssten daher den Prinzipien der Gerechtigkeit und Menschenrechte angemessen sein. «Wenn Gesetze die Würde der menschlichen Person aufrechterhalten, halten sie eine Gesellschaft in gegenseitigem Respekt zusammen. Wenn sie dies nicht tun, verringern sie die Rechtsstaatlichkeit und unterminieren den sozialen Zusammenhalt. Das Gleiche gilt im Völkerrecht.»

Mauern machen nicht sicher

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Im Völkerrecht sind Gerechtigkeit und Menschenrechte verankert.
«Wir warnen vor der Idee» – so die Delegierten aus 21 Ländern –, «dass Europa durch den Bau von Mauern Sicherheit für sich selbst erreichen kann. Die Natur der Bedrohungen der Sicherheit Europas ist zu vielfältig und zu komplex, als dass Mauern effektiv wären. Stattdessen schliessen Mauern ab und diskriminieren; sie schaffen ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Die Sicherheit für Europa wird nur erreicht, wenn alle Bewohner dieser Welt die Weltordnung als gerecht wahrnehmen können.»

«Justitia et Pax Europa» fordert die europäischen Institutionen auf, über die unmittelbare Krise hinauszuschauen auf deren eigentliche Ursachen und dem Rechnung zu tragen. Eine auf territorialen Staaten basierende Weltordnung sei zudem gar nicht in der Lage, Cyberspace-Attacken zu kontrollieren. «Und vergessen wir nicht, dass Bedrohungen für unsere Sicherheit ebenso sehr – wenn nicht noch mehr – aus unserer Gesellschaft hervorgehen als von aussen.»

Gegen «hate speech» in Medien

In einem Appell im Anschluss an die Erklärung ruft «Justitia et Pax Europa» auch die Medien auf, «hate speech» (Hassrede) zu denunzieren und Klischees zu vermeiden. Die Kirche müsse ein «sichtbares Zeichen und Beispiel dafür sein, wie die Achtung der Gerechtigkeit und der Menschenrechte, zusammen mit Sicherheit, das Fundament für einen wahren Frieden bildet». Jeder Bürger trage persönliche Verantwortung für den Aufbau einer sichereren und friedlicheren Gemeinschaft.

Zur Webseite:
Justitia et Pax Europa
Justitia et Pax Schweiz

Zum Thema:
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Datum: 06.10.2016
Quelle: Livenet / kath.ch

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