Frauen- und Kinderhandel

Zerstörte Hoffnung, zerstörtes Leben – Maruschka

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Christliche Hilfswerke sehen im Kampf gegen Menschenhandel eine grosse Aufgabe. Was sie herausfordert, zeigt die erschütternde Geschichte von Maruschka*.

Wie so oft bei Geschichten rund um den Menschenhandel begann für Maruschka alles mit der Suche nach einer bezahlten Arbeit. Dann entpuppte sich ein attraktives Stellenangebot als Falle und die junge Frau und Mutter landete in der Sexsklaverei. Sie überlebte, schwer traumatisiert und mittellos, aber mit neuer Hoffnung.

Das Leben in ihrer Heimat war hart, und so suchten Maruschka wie auch ihr Mann Arbeit im Ausland. Sie wurde zuerst fündig. So blieb der Mann mit den zwei Kindern Zuhause, während sie ins Nachbarland zog. Die Arbeit war gut und sie bekam regelmässig ihren Lohn. Nach einigen Monaten bot ihr die Stellenvermittlerin eine besser bezahlte Arbeit an. Natürlich sagte Maruschka zu.

Um die neue Stelle anzutreten, reiste sie gemeinsam mit weiteren Frauen in ein anderes Land. Sie kamen zu einem einsamen Haus an einem abgelegenen Ort. Warum ist es wohl mit Stacheldraht eingezäunt?, wunderte sich Maruschka. Die Männer, die sie in Empfang nahmen, waren äusserst grob. Da dämmerte es den Frauen: Sie waren verkauft worden und steckten in der Falle!

Am Tiefpunkt

Für ihre «Besitzer» waren die Frauen reine Gebärmaschinen. Sie zwangen sie zum Sex und wenn eine der Frauen ein Kind bekam, nahm man es ihr weg, um es an Organhändler oder Pädophile zu verkaufen. Es war die Hölle. Maruschka hatte bereits ein Kind geboren und war erneut schwanger. Da beschloss sie, zusammen mit zwei anderen Frauen zu fliehen. Es war eine reine Verzweiflungstat, denn ihre Chance, den Peinigern heil zu entkommen, war gering.

Die Frauen waren noch nicht weit weg, als die Verfolger sie einholten und die beiden Kolleginnen zu Tode prügelten. Maruschka blieb schwer verletzt liegen. Spaziergänger fanden sie und brachten sie in ein Spital. Erst nach Wochen erwachte sie aus dem Koma. Sie wusste nicht, wo sie war und was passiert war. Ihr Kind war per Kaiserschnitt zur Welt gebracht worden, während sie selbst im Koma gelegen hatte.

Langsam kehrten Maruschkas Erinnerungen zurück. Die Polizei wurde informiert und unternahm eine Razzia auf das Haus der Menschenhändler. Es gelang ihr, die Kinder zu befreien. So erhielt Maruschka ihre früher geborene Tochter zurück. Als es ihr gesundheitlich wieder besser ging, brachten die Behörden sie mit ihren Kindern in ihr Heimatland.

Alles verloren

Der Empfang Zuhause verlief gar nicht so, wie Maruschka sich das vorgestellt hatte. Ihr Mann konnte nicht glauben, was geschehen war. Er verliess sie noch in der Nacht nach ihrer Heimkehr. Ihre Mutter war wütend und verlangte von Maruschka, die beiden Kinder in ein Waisenhaus zu bringen. Sie erzählte im Dorf, Maruschka sei Prostituierte und misshandle ihre Kinder.

Heute lebt Maruschka allein mit ihren vier Kindern in einer erbärmlichen Hütte. Sie hat kein Einkommen und weiss nicht, wo sie Essen und Kleider hernehmen soll. Das Dach ihres Hauses leckt, die Heizung funktioniert nicht.

Lichtblick

Kürzlich ist ein Pfarrerehepaar auf die Familie aufmerksam geworden. Durch diesen Kontakt hat die örtliche Kirchgemeinde begonnen, sie mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Christliche Ostmission bot Geld an für die dringendsten Reparaturen am Haus.

Nach den schrecklichen Erlebnissen sind Maruschka wie auch ihre Kinder traumatisiert. Auch ihr Körper ist durch die Misshandlungen und Entbehrungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie brauchen psychologische Betreuung wie auch medizinische Hilfe. Unterstützt werden sie derzeit auch von der Christlichen Ostmission. Maruschka und ihre Kinder haben noch einen langen und steinigen Weg vor sich, um in ein menschenwürdiges Leben zurückzufinden. Aber sie haben wieder eine Hoffnung.

* Namen zum Schutz der Opfers geändert.

Die Autorin Irene Hirzel ist Projektleiterin der Christlichen Ostmission gegen Frauen- und Kinderhandel in Osteuropa und Nepal, sowie Verfasserin des Nationalen Info- und Gebetsbriefes «Menschenhandel». Sie ist Mitglied der bilateralen Arbeitsgruppe gegen Menschenhandel Schweiz-Rumänien des EJPD (Eidg. Justiz- und Polizeidepartement). Während vieler Jahre hat Irene Hirzel als Streetworkerin im Basler Rotlichtmilieu gearbeitet. An der StopArmut-Konferenz «Stopp Menschenhandel» am 2. November in Bern tritt sie als Hauptreferentin auf. Mehr Informationen

Datum: 24.10.2013
Autor: Irene Hirzel
Quelle: Tearfund / Livenet

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