Kampf gegen Menschenhandel

Nonnen agieren undercover als Prostituierte

Zoom
Es gibt viele gemeinnützige und religiöse Organisationen, die auf unterschiedlichste Art gegen den Menschenhandel vorgehen. Doch die originellste Handlungsweise hat wohl die Organisation «Talitha Kum». Dieses Netzwerk von rund 1'100 Nonnen bemüht sich in über 80 Ländern, Opfern des Menschenhandels zu helfen, indem die Mitglieder sich als Prostituierte verkleiden – oder entkleiden – und undercover in der Sex-Branche ermitteln.

«Diese Schwestern vertrauen niemandem!», erklärte der Banker und Vorsitzende von Talitha Kum, John Studzinski, gegenüber Reuters. «Sie vertrauen keiner Regierung, keiner Korporation und keinem lokalen Polizisten. Manchmal können sie noch nicht einmal männlichen Geistlichen trauen. Sie arbeiten in Bordellen, aber niemand weiss, dass sie dort sind.»

Frauen und Kinder werden freigekauft

Zoom
Frauen von Talitha Kum
Die Vorgehensweise von Talitha Kum, was auf aramäisch «Stehe auf, Kind» bedeutet, ist nicht ungefährlich: Die religiösen Frauen schmuggeln sich in die Sex-Branche und suchen dort undercover nach Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Sobald sie diese identifiziert haben, versuchen sie, die Opfer freizukaufen. Ausserdem sammelt das Werk Spenden, um Kinder, die von ihren Eltern in die Sex-Sklaverei verkauft werden, abzukaufen. Für die freigekauften Kinder wurden bereits in Afrika, den Philippinen, Brasilien und Indien Kinderheime errichtet.

Mehr Schaden als Gutes?

Doch nicht alle Organisationen, die den Menschenhandel bekämpfen, sind mit der Arbeit von Talitha Kum einverstanden. Christina Arnold, Gründerin und Leiterin der Organisation «Prevent Human Trafficking», sagte gegenüber Fox News, die Gruppe von Nonnen hätte wohl gute Absichten, doch könnte es sein, dass sie «mehr Schaden anrichten als Gutes zu tun. Wenn man ein Opfer abkauft, treibt das die zukünftigen Preise für die Opfer seitens der Bordellbesitzer und Händler in die Höhe… Es klingt nach einer guten Idee, aber es ist letztlich haarsträubend.»

A21-Kampagne: Gemeinsam mit der Polizei

Zoom
Christine Caine
Eine andere Vorgehensweise hat die christliche Organisation «The A21 Campaign», gegründet von Hillsong-Pastorin Christine Caine. Das Werk hat in diversen Ländern kostenlose Telefonnummern eingerichtet, die über die Medien und Werbeplakate verbreitet werden. Hier können Menschen – teilweise sogar Kunden der Prostituierten, die auf irgendeine Weise herausfinden, dass die Mädchen zur Prostitution gezwungen werden – anonym Hinweise abgeben, welche dann an die lokale Polizei weitergegeben werden. Diese wiederum führt Razzien durch, um die versklavten Frauen zu befreien.

Durch Gottes Liebe werden Menschen frei

Für die befreiten Opfer führt die Organisation Häuser, in denen sie unterkommen können. Hier erhalten sie Essen, Kleidung, medizinische Betreuung und psychologische Begleitung, denn die Opfer sind extremst traumatisiert und völlig verängstigt. «Meist dauert es eine Woche, bis ein Mädchen dich zum ersten Mal verstohlen anlächelt», berichtet Christine Caine, die immer wieder darauf hinweist, dass der Heilungsprozess der Opfer ein äusserst langwieriger ist. «Es ist eine Arbeit der Liebe. Du musst jeden Tag daran arbeiten, eine Vertrauens-Beziehung zu den Opfern aufzubauen. … Doch ich habe es immer wieder erlebt: Wenn du Menschen mit Gottes Liebe liebst, können sie innerlich heilen und frei werden.»

Zur Webseite:
Talitha Kum
A21

Zum Thema:
Walk for Freedom: 180 Frauen demonstrieren gegen Menschenhandel
Tabea Oppliger: Aktiv und kreativ gegen Menschenhandel
Verein ACT212: Das System des Menschenhandels stören

Datum: 29.12.2015
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Fox News

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um diesen Artikel zu kommentieren.
Anmelden
Mit Facebook anmelden

Publireportage

Forum christlicher Führungskräfte
Beitrag Livenet Publireportage Sieger reden übers Verlieren Verantwortungsträger aus der ganzen Schweiz treffen sich am 9. und 10. März 2018 in Fribourg.

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Sich vergessen
Wo man geht und steht, das gleiche Bild: Frauen, Männer oder kleine Gruppen starren in ihr Smartphone und drücken ab. Um dann auf Facebook möglichst...
In Menschen investieren
Das «Institut für christliche Psychologie, Therapie und Pädagogik» (ICP) bildet Menschen für die christliche soziale Arbeit aus. Livenet unterhielt...
Hoffnungsbarometer von «swissfuture»
Jahrelang wurde mit dem Sorgenbarometer der Gefühlspuls der Schweizer Bevölkerung gemessen, doch fürs Jahr 2018 ist bereits zum siebten Mal der...
Gelebte Versöhnung
20 Jahre prangte ein Hakenkreuz auf seiner Brust. Im letzten Jahr kam Michael Kent in die Schlagzeilen, als er sich alle rassistischen Symbole...

Werbung

RATGEBER

Gute Vorsätze ... «Mehr Zeit für die Familie» - Aber wie?
Mehr als jeder Zweite möchte im neuen Jahr mehr Zeit für die Familie haben. Doch wie wird aus...

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

VERANSTALTUNGEN

Kursbeginn im Februar 2018 in Zürich und Bern, jetzt anmelden!

Livenet Service