Neue Beratungsstelle

«RatPlusTat»: Anlaufstelle für Hilfsbedürftige in der Stadt Bern

Die BewegungPlus Bern startete im September 2016 mit einer niederschwelligen Beratungsstelle, die Unterstützung bei Wohnungs- und Arbeitssuche, Behördengängen und Fragen zu Versicherungen, Finanzen oder amtlichen Dokumenten bietet. In erster Linie richtet sich das Angebot an Migranten, die mit der Schweizer Bürokratie nicht so vertraut sind, ist aber auch für Schweizer Hilfesuchende der Stadt Bern und Umgebung offen.

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Lukas Rüfenacht, Initiator und Leiter von «RatPlusTat», bei einem Beratungsgespräch
Lukas Rüfenacht, Sozialmanager der BewegungPlus Bern und Initiator von «RatPlusTat», stellte am 26. Januar im Rahmen einer Informationsveranstaltung die Arbeit von «RatPlusTat» vor. Aus dem Deutschkurs und Mittagstisch für Asylbewerber der BewegungPlus in Bern sei aufgrund grosser Nachfrage an Hilfe bei Bewerbungen, Wohnungssuche und administrativen Angelegenheiten ein neues niederschwelliges Beratungsangebot entstanden, das Hilfesuchenden der Stadt Bern und Umgebung offen steht. So wollte die BewegungPlus die Arbeit professionalisieren und sah darin auch eine Gelegenheit, sich vermehrt in der Gesellschaft zu engagieren.

Die Arbeit von «RatPlusTat» lasse sich am besten mit den Stichworten «Beraten», «Begleiten» und «Beitragen» beschreiben. 

Beraten in Zusammenarbeit

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Lukas Rüfenacht stellt «RatPlusTat» vor.
Die Beratungsarbeit umfasst neben Wohnungssuche auch Unterstützung in allen möglichen Bereichen, sei es bei Arbeitssuche, in finanziellen Angelegenheiten und Fragen zu Versicherungen oder amtlichen Dokumenten.

Die Beratungsstelle, die von Lukas Rüfenacht initiiert wurde, wird von ca. 30 ehrenamtlichen Beratern aus der Gemeinde unterstützt. Diese kommen aus verschiedenen Branchen und können so je nach Bedarf zum Beispiel Computerkurse geben oder bei finanziellen Fragen helfen. Die Berater werden ausserdem im Umgang mit Ratsuchenden geschult und unterschreiben Richtlinien im Umgang mit den Klienten.

Obwohl es in der Stadt Bern bereits einige Anlaufsstellen für Hilfesuchende gibt, wird die Unterstützung durch «RatPlusTat» doch begrüsst, wie es die an der Informationsveranstaltung anwesenden Vertreter von Caritas und dem Sozialdienst von Köniz bestätigten. So sieht Lukas Rüfenacht «RatPlusTat» auch als Ergänzung von anderen Stellen und sucht den Kontakt und die Zusammenarbeit mit ihnen. «Wir wollen Hand in Hand arbeiten und andere Werke unterstützen.»

Begleiten Extrameile gehen

Einzigartig an «RatPlusTat» sei, dass die Mitarbeitenden mehr Zeit für die Ratsuchenden haben und «über das Normale hinaus helfen», wie Rüfenacht erklärt. «Wir wollen einen langen Atem haben; wenn Weg A nicht funktioniert, gehen wir Weg B, und wenn gewünscht begleiten wir Klienten auch zu Behörden.» Viele Stellen würden ihre Klienten einfach weiterschicken, dabei stellen Behördengänge oft eine grosse Hürde für die Hilfesuchenden dar und sie sind oft auf Hilfe angewiesen.

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Fragerunde mit Teilnehmern von Infoveranstaltung zu «RatPlusTat»
So hilft «RatPlusTat» zum Beispiel auch einer afghanischen Familie aus dem Berner Oberland, die in einer ungeeignete Wohnsituation ist und keine Hilfe erhielt, um eine andere Wohnung zu finden. Und auch wenn «RatPlusTat» jemandem nicht helfen kann, schicken die Berater die Person nicht einfach zur nächsten Anlaufstelle, sondern begleiten sie dorthin.

Beitragen – Anleitung zur Selbsthilfe

Im Zentrum von «RatPlusTat» steht laut Rüfenacht «Empowering», also die Ermutigung und Befähigung zur Selbsthilfe. «RatPlusTat» gibt Hilfe zur Selbsthilfe und leitet Klienten an, wie sie es selbst tun können. «Wir wollen den Leuten auf Augenhöhe begegnen und sie ermutigen, einen aktiven Beitrag zu leisten und nur so viel wie nötig selber machen. Die Klienten werden angehalten, Termine einzuhalten und sich abzumelden, wenn sie verhindert sind, und können auch beim Mittagstisch mithelfen zum Beispiel durch Kochen. So sehen sie sich nicht nur als Betroffene, sondern als Beteiligte und fühlen sich nützlich.» Die Initiative müsse denn auch von den Klienten kommen. «Bei einem ersten Treffen definieren die Klienten ihren Auftrag, wir fragen sie also, worin genau wir sie unterstützen können und so ist der Auftrag klar abgegrenzt. Nach vier Sitzungen gibt es eine Evaluation und es werde geprüft, ob die Beratung weitergeführt werde oder nicht. Das Beratungsangebot ist zeitlich unbegrenzt.

Finanziert wird die Beratungsstelle zurzeit vom Sozialfonds der BewegungPlus Bern. Längerfristig ist jedoch geplant, dass «RatPlusTat» selbsttragend wird. Dafür wurde eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Zum Thema:
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Datum: 04.02.2017
Autor: Anja Janki
Quelle: Livenet

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