Innovative Gemeinden

Auf der göttlichen Welle reiten

Dan Schürch leitet die Evangelische Täufergemeinde (ETG), Bülach. Wir fragten ihn über das Geheimnis der Anziehungskraft seiner Gemeinde.

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Dan Schürch
Livenet: Dan Schürch, was macht Ihnen am meisten Freude an Ihrer Gemeinde?
Dan Schürch: Wenn ich erlebe, dass Menschen sich versöhnen. Wenn heile Beziehungen untereinander entstehen, aber auch Friede mit Gott spürbar wird. Diese Sprengkraft, die in diesem Frieden mit Gott und den Menschen wirksam wird, ist verblüffend effektiv und nimmt mich hinein in das Lob Gottes.

Wo sehen Sie die grössten Chancen für die Entwicklung Ihrer Gemeinde?
Ich denke, dass das Prinzip der Ortsgemeinde für unsere Gemeinschaft nicht zutrifft. Wir kommen aus verschiedenen Dörfern rund um unsere Kirche. Dadurch liegt unsere Entwicklungschance primär auf persönlichen Beziehungen. Wir wollen ganz bewusst persönliche Beziehungen in der Gemeinde und im persönlichen Umfeld vertiefen, unseren Glauben in den Alltag tragen und uns um unseren Nächsten kümmern.

Gibt es in Ihrer Gemeinde Barrieren für neue Besucher, die abgebaut werden müssten?
Oh ja, leider. Wobei wir nicht mehr in der Illusion leben, es allen recht machen zu können. Ich glaube nicht, dass alle Kirchen sich auf alle Gruppierungen spezialisieren müssen. Eine Gemeinde darf auch ihren eigenen Stallgeruch haben. Wenn eine grosse Bruderliebe angestrebt wird, steht man auch in der Gefahr, Liebe zu spielen. Besucher helfen, dies zu entlarven.

Konkret müssen wir unser elitäres Insiderverhalten ablegen und unsere Arme weit auftun für kranke, hilfsbedürftige und schwache Menschen.

Wie kommen heute Ihrer Erfahrung nach Menschen am häufigsten zum Glauben?
Interessanterweise durch unsere Jugendarbeit. Die grosse Junschararbeit geniesst grosse Akzeptanz in der politischen Gemeinde, und immer wieder kommen Kinder zum Glauben an Jesus Christus. Auch hier spielt der persönliche Kontakt zu Mitmenschen eine grosse Rolle. Wenn Mitmenschen spüren, dass wir sie wirklich gern haben und Zeit mit ihnen verbringen, dann sind sie auch offen für die Liebe Gottes.

Welche Themen verdienen eine breitere Beachtung in Landes- und Freikirchen?
Manchmal frage ich mich schon, ob wir unser Herz nicht wieder neu entdecken müssen. So viele Ideen und Strategien, so viele Projekte und Statements kommen direkt vom Kopf in die Hand, und wir vergessen den Weg über das Herz. Wenn wir endlich kollabieren, freut sich Gott im Himmel, und er sagt: «Endlich, jetzt lässt er mich wirken.»

Immer wieder wird uns der Vers aus Sacharja, Kapitel 4, Vers 6 geschenkt, wo es heisst: «Nicht durch Heer und Macht, sondern durch meinen Geist wird es geschehen». Wenn wir Gottes Geist in uns wieder alles zutrauen, dann werden wir hineingenommen und hineingezogen in die Dreieinigkeit Gottes. Wir werden unsere erste Liebe wieder neu entdecken.

Und ich glaube ganz fest, dass wir treu sein sollen im Kleinen. Wir müssen Gottes Worte persönlich nehmen und sie auch treu ausleben.

Wie halten Sie sich körperlich und geistlich fit für Ihre Aufgabe?
Körperlich ist das ganz einfach. Da kann ich einiges tun und tue das auch leidenschaftlich gerne: Joggen, Fitness, Schwimmen. Oftmals sind diese Aktivitäten aber auch geistliche Fitnessübungen, so dass ich mit Gott spreche, wenn ich jogge und einfach mit ihm meinen Gedanke durchgehe.

Ich versuche aber auch konsequent Zeiten der persönlichen Stille zu suchen, die Bibel zu studieren, mich in Gebetskreisen zu beteiligen und im Austausch mit anderen Christen zu sein. Ganz wichtig für mich ist der Kontakt zu anderen Denominationen. Es hilft mir immer wieder zu sehen, dass Gott viel grösser ist, als ich mir das vorzustellen vermag.

Welches war für Sie das beste evangelistische Projekt im letzten Jahr?
Bei uns in der Region ist das «Netzwerk Zürcher Unterland» im letzten Jahr stark gewachsen, und im Herbst 2014 werden wir eine Musical-Evangelisationswoche durchführen. Ich glaube, dass diese evangelistische Arbeit den Zeitgeist trifft und wir momentan das Vorrecht haben, auf einer perfekten, göttlichen Welle zu reiten.

Beschreiben Sie drei zentrale Werte Ihrer Gemeinde.
Nebst dem, dass Jesus Christus das Fundament der Gemeinde ist und bleiben wird, sehe ich zwei Werte, die wir stark verkörpern. Gemeinschaft (Koinonia) und Diener der Barmherzigkeit (Diakonie).

Gibt es ein besonderes diakonisches Projekt in Ihrer Gemeinde?
Es ist bei uns die schöne Tradition, dass wir zusammen nach dem Gottesdienst als ganze Gemeinschaft Mittagessen. Bei dieser Tischgemeinschaft entstehen Beziehungen. Diese Beziehungen sind auch in diakonischen Belangen hilfreich.

Seit einigen Jahren besteht eine Arbeit mit Immigranten, wo die Fremdlinge ganz praktische Hilfe bekommen für den Alltag. Auch kommen immer wieder Menschen mit Emigrationshintergrund in unsere Gemeinde. Sie kommen, weil persönliche Kontakte bestehen.

Gemeindeübergeordnet durften wir uns schon zweimal an der Aktion «Gratishilfe» beteiligen. Wow, was für eine Segensspur.

Ihr Lieblingsbibelvers – weshalb?
Seitdem ich ein Gotteskind sein darf, begleiteten mich die Verse aus Josua, Kapitel 1, Verse 8-9: «Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten. Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.»

Ich bin immer noch überwältigt, wie diese Wenn-Dann-Beziehungen in meinem Leben Auswirkungen hatte. Es funktioniert. Wenn ich im Kleinen treu bin, macht er Grosses.

Zur Person

Zivilstand, Familie: verheiratet, drei Kinder
Name der Gemeinde: ETG Bachenbülach
Gründung: 1837
Gehört zum Verband: Bund ETG
Anzahl der Besucher, Mitglieder: 150 (110 Mitglieder)
Gemeindeslogan: Vom Wort zur Tat
Besondere Aktivitäten: alles, was Gott uns aufs Herz legt
Gemeindeadresse: ETG Bachenbülach, Niederglatterstrasse 3, 8184 Bachenbülach
Webseite: http://www.etgbachenbuelach.ch

Zum Thema:
Dossier «Innovative Gemeinden»

Webseiten:
Netzwerk Zürcher Unterland
Aktion Gratishilfe

Datum: 18.10.2013
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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