Glaube und Behinderung

«Behinderte zeigen, dass der Lebenssinn nicht nur in Leistung zu finden ist»

«Gott liebt jeden von uns und hat einen Plan mit uns», sagt Andreas Zimmermann, Geschäftsleiter des Vereins «Glaube und Behinderung» im Interview mit Livenet. Gegründet wurde diese Institution vor bald dreissig Jahren, mittlerweile wirkt die Bewegung im In- wie im Ausland.

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Andreas Zimmermann von «Glaube und Behinderung»
Livenet: Andreas Zimmermann, für jemanden, der «Glaube und Behinderung» nicht kennt: Was tut diese Organisation?
Andreas Zimmermann:
Glaube und Behinderung wurde 1988 als Verein gegründet. Die Grenzen, die bei vielen von uns sichtbar sind, wollen wir nicht verbergen, sondern dazu stehen, dass wir so sind, wie wir sind. Wir achten uns als Geschöpfe Gottes. Das Wissen, dass Gott jeden von uns ganz persönlich liebt und einen Plan mit uns hat, gibt uns Hoffnung. Diese Hoffnung wollen wir mit anderen Menschen teilen. Wir helfen mit, dass behinderte und schwache Menschen einen Platz in der christlichen Gemeinde einnehmen können, dass sie gerade dort, so wie sie sind, ernst genommen, gefördert und getragen werden.

In unseren Angeboten zeigen wir Wege auf, um...

  • Menschen mit einer Behinderung seelsorgerlich zu begleiten, ihnen praktisch zu helfen und sie besser zu integrieren und zu verstehen.
  • bei architektonischen Barrieren (Um- und Neubauten von Kirchen) Tipps und Erfahrungen weiterzugeben.
  • weltweite Nöte von Behinderten sehen zu lernen. Wir unterstützen internationale Hilfsprojekte zugunsten missionarischer Arbeiten unter Behinderten.

Wir vertreten eine biblische Antwort zur Frage der Behinderung und möchten den Aufbau einer christlichen Arbeit unter Behinderten in unserem Land vorantreiben. Wir organisieren Reisen und Ferienwochen für Menschen mit einer Behinderung. Wir gestalten Gottesdienste, Konfirmandenunterricht und Seminare, bieten Unterricht an theologischen Ausbildungsstätten an und halten Referate an verschiedenen Anlässen zu Themen rund um Behinderung.

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Andreas Zimmermann
Wo liegen Ihre Schwerpunkte?
Da sind zum einen unsere Angebote. Das jährliche Wochenende im Herbst ist für viele eine Oase im Jahreslauf. Hier treffen sie Gleichgesinnte, vertiefen sich in ein Thema und können sich entspannen. Die Ferienreisen ins Ausland oder die Ferienwoche in der Schweiz sind für viele eine gute Möglichkeit, eine längere Zeit auszuspannen, gemeinsam etwas zu erleben und auf Worte aus der Bibel zu hören. Im Familientag schätzen die Eltern den Austausch mit Eltern in der gleichen Situation.

Menschen mit einer Behinderung, die von uns beraten und begleitet werden, erhalten wertvolle Impulse zu den Fragen im Zusammenhang mit Glaube und Behinderung. Wichtig ist uns auch die Sensibilisierungsarbeit. Viele Christen, auch Gemeindeleiter, sind mit der Frage «Was ist, wenn Gott nicht heilt?» überfordert. Darum organisieren wir alle zwei Jahre eine Fachtagung für 500 bis 600 Leute.

Wie viele Menschen wirken bei Ihnen mit und wie viele Mitglieder zählen Sie?
Die meisten von uns arbeiten als Ehrenamtliche oder Freiwillige mit, sei das im Vorstand, in der Administration, bei der Betreuung von Menschen mit einer Behinderung oder beim Planen und Organisieren unserer Angebote. Wir haben etwa 140 Mitglieder, rund 1'100 Leute erhalten unsere Info-Zeitschrift.

Was berührt Sie bei Ihrer Arbeit besonders?
Wie Menschen mit einer Behinderung unter engen Grenzen ihr Leben bewältigen. Oft müssen sie um ihre Finanzen kämpfen, ihre Einschränkungen spüren sie an vielen Orten, Schmerzen plagen sie – und trotzdem sind viele in Christus geborgen und strahlen eine Hoffnung und Zuversicht aus. Diese dankbaren Menschen mit engen Grenzen motivieren mich in dieser Arbeit.

Was können Menschen ohne Beeinträchtigung von Menschen mit Behinderung lernen?
Der Trend in unserer Gesellschaft geht Richtung jung, gesund, leistungsfähig. Wer etwas leistet und etwas ist – der wird geachtet und wertgeschätzt. Viele Menschen sehen heute den Lebenssinn in der Leistung. Menschen mit einer Behinderung zeigen, dass es noch andere Werte gibt im Leben und dass der Lebenssinn nicht nur in Leistung zu finden ist.  

Gibt es neue Projekte, die anstehen?
Nächstes Jahr, am 15. Juni 2017 findet die nächste Fachtagung in Sursee statt. Sie wird sich mit dem Spannungsfeld Angst und Hoffnung befassen. Wir wollen unsere Vernetzung verbessern und planen dazu neu regionale Treffen. Verstärken wollen wir unser Engagement auch bei Kindern und Jugendlichen im kirchlichen Unterricht.

In manchen Ländern werden Menschen mit Behinderung an den Rand gedrängt – planen Sie da auch Projekte?
Seit vielen Jahren unterstützen wir immer wieder Projekte im Ausland, die mit dem Thema Glaube und Behinderung zu tun haben. In der Vergangenheit war das in Albanien und in der Ukraine. Neu unterstützen wir das Projekt «Care for disabled people in Moldova». Das Projekt wird durch OM Schweiz koordiniert.

Wir leben in einem reichen Land, im Grossen und Ganzen geht es uns gut. Darum wollen wir Menschen mit einer Behinderung unterstützen in Ländern, in denen es kaum soziale Unterstützung gibt.

Zum Thema:
Mit 15 Jahren blind: «Was wie ein Verlust schien, brachte mir das Leben meiner Träume»
Ohne Hände! : Siebenjährige Christin gewinnt Schönschreib-Wettbewerb
Buchneuerscheinung: CDU-Politiker: Menschen mit Behinderung sind eine Bereicherung
Anna: Behindert – und trotzdem voller Lebensfreude

Datum: 15.07.2016
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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