Wahlzeit

Es ist Wahlzeit: Am 19. Oktober wird das eidgenössische Parlament neu gewählt. Überall sieht man Köpfe im Weltformat auf Plakatwänden, Prospekte voller Parolen im Briefkasten, Podien mit roten Häuptern im Gemeindesaal. Es ist die Chance politischen Einfluss zu nehmen. Gerade Christen sollten angesichts der schwindenden Wahlbeteiligungen ihre Verantwortung als Wähler wahrnehmen.

Doch Wahlzeit ist im demokratischen System jährlich und monatlich. Gemeinderäte, Schulräte, Elternräte, Kinderräte, Betriebsräte sollen und wollen fast permanent gewählt werden. Der Staat ist nicht nur der Bundesrat und der Bundestag. Der Staat sind wir alle.

Wahlzeit - Staatsbürger

Der Staat kann nur funktionieren, wenn uns die Politik nicht egal ist. Was ist Politik? Carl Friedrich von Weizsäcker formuliert es so: „Politik ist die planvolle Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen.“ Ohne gute Politik spielt das Zusammenleben schlecht.

Warum kümmern sich immer weniger politisch mündige Leute darum? Das mag mit der Komplexität vieler Probleme und der Eigenmächtigkeit mancher Politiker zu tun haben. Doch Politiker können sich nur so selbstherrlich entfalten, weil wir sie nicht daran hindern. Weil uns die politische Information, die Mitwirkung und Mitgestaltung zu mühsam sind. Wo Trägheit und Gleichgültigkeit den Alltag prägen, wird jede Beziehung und jede Gemeinschaft über kurz oder lang scheitern. Auch die staatliche.

Wahlzeit - für Christen

Für den überzeugten Christen ist klar: Der Glaube ist keine Privatsache. Zum Glauben gehören Auftrag und Verantwortung. Darum wird der verantwortungsbewusste Christ beide Seiten der Medaille beachten: „Gebt dem Kaiser, was ihm zusteht, und gebt Gott, was ihm gehört!“ Matthäus, Markus, Lukas - gleich drei Evangelisten berichten von diesem markanten politischen Wort von Jesus.

Der Christ weiss um den göttlichen Anspruch. Er weiss aber auch um die staatlichen Gebote, Rechte und Pflichten. Da kann der Name Gottes noch so lange in einer Verfassung stehen - wo sich Christen aus ihrer Verantwortung ziehen, wird ein Staat mehr und mehr seine Mitte verlieren. Nicht jeder Christ ist ein geborener Politiker. Jeder Christ aber ist Teil dieser Gesellschaft, ist Staatsbürger und Verantwortungsträger. Auch Christen können reden, zum Beispiel mit Politikern, können schreiben, zum Beispiel Leserbriefe, können gehen, zum Beispiel zum Wahllokal.

Politik ist keine Frage des Vergnügens, sondern der Verantwortung. Unser Engagement ist die Antwort auf die Freiheit, die uns das demokratische Staatswesen bietet. Karl Jaspers sagt: „Zusehen in der Politik bedeutet nicht existieren.“ Liegt es daran, dass wir Christen öffentlich kaum mehr wahrgenommen werden?

Wahlzeit - für die Menschen

Gott sagt es in seinem Wort: „Ich habe euch vor die Wahl gestellt zwischen Leben und Tod, zwischen Segen und Fluch. Wählt das Leben, damit ihr und eure Kinder nicht umkommt!“ (5. Mose 30,19) Der eindringliche Wahlappell des Schöpfers an seine geliebten Geschöpfe. Wir haben die Wahl zwischen erfülltem, ewigem Leben und folgenschwerer, ewiger Trennung von Gott. Die wichtigste Wahl. Sie muss, ja wird unseren Alltag beeinflussen. Auch den politischen.

Noch ist Wahlzeit.

Datum: 13.10.2003
Autor: Andrea Vonlanthen
Quelle: Chrischona Magazin

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