Nationalratswahlen: Susi Tapernoux

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Susi Tapernoux
Name, Vorname:
Tapernoux Susi
Partei, Kanton: EVP St.Gallen
Alter: 59
Zivilstand, Kinder: 2 Söhne (31 und 29)
Wohnort: St. Gallen

Beruf, heutige Funktion: ursprünglich Primar- und Geschichtslehrerin, heute Religionslehrerin
bisherige Ämter: 10 Jahre Gemeinderätin (Stadt-Legislative)
Kirchenzugehörigkeit: evangelische Landeskirche; Engagement im Hauskreis, in der Diakoniegruppe, bis 2001 sehr aktive Pfarrfrau

In welchem Sinn motiviert Sie der Glaube an Jesus Christus zu politischer Tätigkeit?
Ich glaube, dass Jesus den Menschen gezeigt hat, was Liebe und Heilwerden heisst. Ich kann nicht an Jesus glauben, ohne ihm nachzufolgen und die Welt mit meinen bescheidenen Kräften auch ein bisschen heiler und gerechter und liebevoller zu machen. Das kann ich privat tun, aber durch die Politik habe ich mehr Einfluss auf den Rahmen, in dem die Menschen um mich herum leben und arbeiten (Beispiele: Ladenschlussgesetz, Verhinderung der Drogenfreigabe, Schaffung von Krippenplätzen).

Welche Eigenschaften unseres Gemeinwesens, der Eidgenossenschaft, möchten Sie als Politikerin aus christlicher Überzeugung stärken?
Achtung vor jedem Menschen, weil er/sie ein Geschöpf Gottes ist.
Solidarität mit Benachteiligten zuerst einmal in unserem Land, dann aber auch weltweit.
Liebe zur Schöpfung (Tiere, Pflanzen, Natur) und das Bemühen, sie zu bewahren
Schutz der Menschen vor Verführung (Alkohol, Spielbanken, Suchtmittel, sexuelle Masslosigkeit, Verrohung)
Schutz des öffentlichen Eigentums (Gebäude, Bahnen, Strassen etc.) vor Vandalismus und Gleichgültigkeit.

Wie beten Sie für die Schweiz und ihre Behörden?
Ich besuche alle 14 Tage eine Gebetsgruppe, die für die Schweiz und ihre Behörden betet.
Wir beten am Anfang jeder Parteivorstands-Sitzung. Privat sollte ich dieses Gebet noch mehr pflegen.


An welchen Punkten, auf welchen Ebenen muss eine Gesundung des Gesundheitswesen realistisch angegangen werden?

Patienten und Patientinnen müssen über die Kosten jeder medizinischen Verrichtung im voraus aufgeklärt werden.
Teure Operationen oder Behandlungen, die nicht dringend sind, erst nach einer Wartefrist vornehmen und einen möglichst grossen Kostenanteil direkt den PatientInnen verrechnen *
Wer von Raucherwaren und Alkohol so abhängig ist, dass er/sie während eines Spitalaufenthalts nicht darauf verzichten kann (dort kann man das ja beobachten), muss höhere Krankenkassenprämien zahlen.*
Durch obligatorische Sozialeinsätze für alle (parallel zum Militärdienst) können die Kosten in Alters-.und Pflegeheimen leicht gesenkt werden.*
Schaffung einer Einheitskrankenkasse (analog der SUVA)*
*Erfordert neue gesetzliche Vorschriften.

Wenn der Bund sparen muss, wo soll er Schwerpunkte setzen?
Beim Bau von zusätzlichen Autobahnen (2. Gotthardröhre)
Massvolle lineare Reduktion bei möglichst allen Bundesausgaben.
Geldbeschaffung durch gezielte Steuern: Alkohol- und Tabaksteuer erhöhen, eidgenössische Erbschaftssteuer, Energiesteuer. Steuerschlupflöcher stopfen.

Welche Ziele soll die Drogenpolitik verfolgen? Was soll der Staat bezüglich Cannabis-Konsum tun?
Cannabis und andere "leichte" Drogen nicht legalisieren!
Legale Drogen (Alkohol, Tabak) mehr besteuern und Werbung dafür verbieten.

Wie soll sich die Schweiz in Europa positionieren - was kann sie einbringen?
Sie kann ihre Erfahrung mit Föderalismus und möglichst weit gehender Mitsprache des Volkes einbringen.
Sie kann Friedenstruppen stellen (Swisscoy) und als neutraler Staat gute Dienste bei Friedensverhandlungen anbieten. Sie soll die Resultate der bilateralen Vereinbarungen mit der EU abwarten und in den nächsten 10 Jahren keinen EU-Beitritt ins Auge fassen.

Was möchten Sie während Ihrer Amtszeit in Bern verändern?
Ich möchte die unter Punkt 2 aufgeführten Ziele anstreben, auf ehrliche Art und in konstruktiver Zusammenarbeit mit meinen Mit-ParlamentarierInnen, auch aus andern Parteien. In einem Parlament muss man aber zuerst die Gebräuche und die Aufgaben kennenlernen, bevor man Aenderungen versuchen kann.

Wie würde Jesus, wenn er als Wanderprediger heute ins Bundeshaus käme, auftreten - und was ansprechen?
Wahrscheinlich würde er sich zuerst den Clochards in der Berner Altstadt zuwenden oder den Alleinerziehenden, die wenig Geld und wenig Liebe bekommen.
Im Parlament würde er die Selbstgefälligkeit der einzelnen und der Parteien ansprechen und denjenigen ParlamentarierInnen den Rücken stärken, welche durch Zusammenarbeit und unbürokratische Hilfe Probleme lösen, welche sich weder materielle noch politische Vorteile erschleichen und sich ihrer Verantwortung vor Gott bewusst sind. Er würde den ParlamentarierInnen, die unter den Zwängen der Politik leiden, seine grosse innere Freiheit und Echtheit vorleben.

Am 19. Oktober werden National- und Ständerat neu gewählt. In einer Livenet-Umfrage gehen Kandidatinnen und Kandidaten auf neun Fragen ein und sagen, was sie motiviert und was sie - sollten sie gewählt werden - in Bern verändern möchten.

Datum: 01.10.2003
Quelle: Livenet.ch

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