Welche Werte halten die Schweiz zusammen?

Die Schweiz wird oft als „Willensnation“ beschrieben. Was aber „will“ sie? Das ist in erster Linie eine Frage nach den Werten, die in diesem Land gelebt werden. Nationalrat Walter Donzé möchte sie vom Bundesrat geklärt wissen.

Er sitzt für die Evangelische Volkspartei (EVP) im Berner Nationalrat und fordert mit einer entsprechenden Anfrage die Schweizer Regierung heraus. Der Bundesrat solle «eine Reihe von Werten definieren, die unserer Gesellschaft Sinn, Zusammenhalt und Zukunftsperspektiven gewähren». Über das Ergebnis wünscht sich Donzé «eine breite öffentliche Diskussion». Die Jugend brauche Orientierung, Zugewanderte müssten wissen, wohinein sie sich integrieren sollen, und die fortschreitende Globalisierung rufe nach Gemeinsamkeiten, begründet Donzé seinen jetzigen Vorstoss.

Das Anliegen dürfte dem Bundesrat vertraut sein. Im Oktober 1998 hatte Nationalrat Zwygart eine ähnliche Motion eingereicht und die Einsetzung einer Wertekommission angeregt. Dazu kam es zwar nicht, doch die Regierung bekräftigte ihren Willen, sich an dieser Diskussion wesentlich zu beteiligen.

Wenn Politiker Werte leben

Donzés Partei hat sie bereits aufgenommen. Die EVP-Spitze hat sich an einer Tagung kürzlich eingehend mit diesen Fragen befasst. Ein Grundsatzreferat des evangelisch-reformierten Pfarrers Alfred Aeppli wies die Leitlinien christlich orientierter Politik auf. Er machte sie an den drei Kernbegriffen Glauben, Liebe und Hoffnung fest.

Der Begriff Glaube stehe auch für Verlässlichkeit und Transparenz. Der christliche motivierte Politiker verstehe sich darum als «Verwalter, der über sein Tun und Lassen Rechenschaft ablegt» und Macht teilen könne. Die Liebe praktiziert er als «Wertschätzung, Anerkennung und Würdigung eines jeden Menschen», gerade auch der Schwachen. Darum könne er auch andere Meinungen akzeptieren, ohne sich selbst zu verleugnen. Christliche Hoffnung grenzte Aeppli ab von einem natürlichen Optimismus. Sie rechnet mit grösseren Möglichkeiten als nur den menschlichen. «Christliche Werte umsetzen heisst darum nicht, mit dem Geist der Macht kämpfen, sondern mit der Macht des Geistes ... dienen.»

Der Referent wollte das aber nicht als blosse Forderungen verstanden wissen, sondern als normale Verhaltensweisen eines neu ausgerichteten Lebens. Damit könnten die Politiker mit ihrer eigenen Person christliche Werte setzen helfen und sie in einem postmodernen Wertemix wieder anschaulich machen.

«Schluss mit lustig»

Dass dieser Mix nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, beweist auch der Erfolg von «Schluss mit lustig», das jetzt in der 33. Auflage erscheint. Das „Ärzteblatt“ empfahl dieses Buch des stellvertretenden Leiters des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Hahne, als «Pflichtlektüre gegen Angst und Unsicherheit».

Auch der deutsche Trendforschers Matthias Horx stellt fest, dass Werte derzeit eine Hochkonjunktur erleben. Laut einer Internet-Befragung, die er in der April-Ausgabe seines «Zukunftsletters» veröffentlicht, hätten vor allem die Bedeutung von Gesundheit, Stille, Freundschaft und Naturnähe massiv zugelegt. Er bescheinigt den Konsumenten, dass sie zunehmend auf die ethische Ausrichtung von Handel und Industrie achten würden. Sie durchschauten es, wenn Firmen bestimmte Werte nur proklamieren, aber nicht leben.

Der Vorstoss von Nationalrat Donzé kommt also in diesem Sinn auch dem Zeitgeist entgegen. Man darf gespannt sein auf die Reaktionen des „offiziellen Bern“.

Quellen: Livenet, Idea Schweiz

Datum: 05.04.2005

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