Aufgeworfene Fragen

Haben die westlichen Christen ihren Einfluss verloren?

Zwei Meldungen aus ganz unterschiedlichem Hintergrund lassen aufhorchen und werfen die Fragen auf: Was ist mit den Christen in der Ersten Welt los?

An der 24. Generalversammlung des Reformierten Weltbundes (RWB) hat der Präsident des Reformierten Weltbundes, der Taiwanese Choan-Seng Song, die europäischen Delegierten mit einer brisanten Aussage empört. Er sagte: „Die Welt, von der aus das Christentum sich in die anderen Erdteile ausbreitete, ist sowohl zahlenmässig wie in geistlicher Hinsicht erschöpft und aufgebraucht. Was heute mit den alten Bollwerken des Christentums geschieht, scheint vergleichbar zu sein mit dem, was in der Globalisierung der Marktwirtschaft vor sich geht.“ Das Christentum in anderen Teilen der Welt zeigt dagegen laut der Beobachtung von Song „unmissverständlich Zeichen von Vitalität und Wachstum“. Zwei Drittel der Christenheit lebe heute ausserhalb von Europa und Nordamerika.

Das Gehörte muss umgesetzt werden

Etwa zur gleichen Zeit kritisierte der Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Peter Strauch, anlässlich der Hauptkonferenz des Dachverbandes, dass Christen trotz anderslautender Anweisungen im Neuen Testament öfters schlecht übereinander redeten, egozentrisch lebten und miteinander stritten. Er machte die Beobachtung, dass viele zwar gerne gute Predigten über Demut und Nächstenliebe hörten, dass sich das Gehörte dann aber kaum im praktischen Leben auswirke.

Strauch erinnerte dabei an eine Selbstverpflichtung der Allianz, für die während der „Impulstour zur Einheit der Christen“ von April bis Juni geworben wurde. Darin verpflichten sich Christen, Mitchristen nicht herabzusetzen, nicht schlecht übereinander zu sprechen und andere theologische Meinungen nicht öffentlich zu kritisieren.

An Einfluss auf die Politik verloren

Die Thüringer Finanzministerin und Stellvertretende Ministerpräsidentin Birgit Diezel forderte am gleichen Anlass, Deutschland müsse sich wieder auf seine christlichen Wurzeln besinnen. Sie kritisierte insbesondere eine abnehmende Bedeutung des Christentums in der Politik. Als Beispiele nannte sie das Ausbleiben einer ernsthaften ethischen Debatte über die verantwortungsbewußte Nutzung der Gentechnologie, die schleichende Auflösung des christlichen Eheverständnisses und die Weigerung der meisten Bundesminister, ihrem Amtseid die Bitte um Gottes Beistand hinzuzufügen. „Die Gesellschaft entfernt sich von den biblischen Wertvorstellungen, die bisher eine zuverlässige Richtschnur für das Zusammenleben waren“, bedauerte die Politikerin.

Die Mahnung des Apostels Jakobus, dass Christen nicht nur Hörer von Gottes Wort sein sollten, sondern auch Täter, sei „so aktuell wie selten zuvor“, sagte der Allianz-Vorsitzende Peter Strauch.

Internet: www.ead.de

Choan-Seng Song und seine Kritik des westlichen Christentums:
www.livenet.ch/www/index.php/D/article/189/17865

Quelle: Livenet/RP/DEA

Datum: 07.08.2004
Autor: Fritz Imhof

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