Papst ermutigte Kopten

Keine «Friedens»-Propaganda mit Franziskus

Auslöser der Ägyptenreise des Pontifex waren nicht die Attentate gegen Kopten, sondern eine islamische Friedenskonferenz der Al Azhar. Doch Franziskus verstand es, ausser Programm Zeichen für die verfolgten Christen zu setzen.

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Papst Franziskus mit Patriarch Tawadros II.
Die Al Azhar ist die höchste Autorität für die gesamte islamisch-sunnitische Welt. Engere Beziehungen zu der Religionsbehörde und Universität pflegte der Vatikan schon seit Jahrzehnten. Doch am Azhar ist die Re-Islamisierung Ägyptens durch Präsident Anwar as-Sadat bzw. seinen Nachfolger Mubarak und die Herrschaft der Muslim-Brüder 2012/13 nicht spurlos vorübergegangen. So wie zuvor der islamische Modernismus eines Muhammad Abduh seine weltoffene Prägung hinterlassen hatte.

Halbherzige Verurteilung des Terrors

Dann aber erwies sich Al-Azhar allzu oft als Erfüllungsgehilfe für die Diskriminierung der koptischen Christen. Auch die Terrorakte eines wachsenden politislamischen Untergrunds wurden nicht oder nur halbherzig verurteilt. Ein Vorwurf, den die Kopten auch nach den blutigen Anschlägen auf Kirchen vom letzten Palmsonntag gegen den derzeitigen Azhar-Grossscheich Ahmed at-Tayyib erhoben haben. Während viele einfache Muslime sogar Blut für die verwundeten Christen gespendet haben, bezeichnete der Azhar die Terroristen nur als «Fehlgeleitete», statt sie klar zu verurteilen. 

«Friedenskonferenz» mit doppeltem Boden

Als Solidaritätsbesuch bei den koptischen Christen wurde diese Papstreise im Voraus dargestellt, obwohl Franziskus eigentlich vom Grossscheich zu einer «Islamischen Friedenskonferenz» nach Kairo eingeladen worden war. Wenn aber eine Muslim-Institution, die sich noch nie klar von dem Ruf nach einem «Heiligen Krieg» gegen alle Andersgläubigen distanziert hat, den Weltfrieden propagiert, erinnert das an die «Friedenskonferenzen» des damals noch weltrevolutionären Kommunismus. Auch das offizielle Reiseprogramm des Heiligen Stuhls sprach hauptsächlich von dieser Friedenskonferenz, erwähnte die Solidarität mit den verfolgten Kopten nur als «Höflichkeitsbesuch». Es war zu befürchten, dass der Papst in eine Falle tappen könnte.

Zeichen der Solidarität ausser Programm

Doch die islamischen «Friedenskämpfer» von Kairo haben ihre Rechnung schliesslich ohne Franziskus gemacht. Er füllte den offiziellen Rahmen mit eindeutigen Akten des Beistands für die bedrängten Kopten: Zusammen mit ihrem Patriarchen betete er an der «Mauer der Märtyrer» der Kairoer Peter-Paul-Kirche, wo am 11. Dezember Dutzende koptische Gläubige einem Islamisten-Attentat zum Opfer gefallen waren. Koptische Jugendliche kamen auf einer Sternfahrt aus dem ganzen Land zu Franziskus, der mit ihnen «ausser Programm» auf dem exterritorialen Boden der Nuntiatur zusammentraf. Auch seine Botschaft auf der Azhar-Konferenz war unmissverständlich: Der Islam ist zwar nicht grundsätzlich eine Religion des Terrors, aber auch nicht des Friedens. Unter islamischer Herrschaft werden Christen verfolgt, im besten Fall diskriminiert. Und an die Seite dieser Christen stellt sich der Papst!

Papst Franziskus war übrigens nicht der erste seines Namens, der in Ägypten zwischen Muslimen und Christen vermittelte: Schon Franziskus von Assisi hatte 1219 am Nil versucht, die bevorstehende Schlacht zwischen Kreuzfahrern und Sultan Al-Kamil zu verhindern, wenn auch vergeblich.

Zum Thema:
Labile Religionsfreiheit: Die Christen im Ägypten Al-Sisis
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Datum: 03.05.2017
Autor: Heinz Gstrein / Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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