Islamexperte Andreas Maurer

«Schade, dass viele Christen Angst und falsche Vorurteile haben!»

Der Schweizer Theologe Andreas Maurer beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Dialog zwischen Christen und Muslimen. Seine wesentlichen Erkenntnisse hat er im Buch «Basiswissen Islam: Und wie Christen Muslimen begegnen können» zusammengefasst. An der «L2M»-Konferenz Mitte November zum Thema «Freundschaftliche Beziehungen mit Muslimen aufbauen» ist er einer der Referenten.

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Islamexperte Andreas Maurer
Livenet: Andreas Maurer, Sie sind an der L2M-Konferenz Referent zum Thema «Begegnungen mit Muslimen in der Moschee». Das klingt spannend. Hatten Sie wirklich solche Begegnungen in Moscheen?
Andreas Maurer: Ja, sicher – ich gehe regelmässig in Moscheen, sei es in der Schweiz und wenn immer möglich auch auf meinen Auslandreisen. Ich versuche, zuerst mit dem Moscheeleiter zu sprechen, um mich vorzustellen und herauszufinden, welche Möglichkeiten es in der jeweiligen Moschee gibt. Damit meine ich zum Beispiel Anlässe in der Moschee, die ich als Christ auch besuchen kann, Öffnungszeiten der Bibliothek etc. Dabei ergeben sich oft sehr interessante Gespräche. Auch schenke ich wann immer möglich den Muslimen eine Bibel oder sonstige passende christliche Literatur.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Besuch in einer Moschee erinnern? Wie war das?
Ich kann mich nicht mehr genau an den ersten Besuch in einer Moschee erinnern. Ich weiss nur, dass ich damals schon etwas nervös und unsicher war. Seither habe ich aber viele Erfahrungen sammeln können und weiss ziemlich genau, wie ich vorgehen soll und wie alles abläuft.

Sie haben das bekannte Buch «Basiswissen Islam» geschrieben. Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich auf den Islam spezialisierten?
Ich habe an verschiedenen Schulen und Universitäten in England und Südafrika Missiologie und Theologie studiert. Zuerst habe ich mich auf die verschiedenen Weltreligionen konzentriert aber dann wurde mir bewusst, dass es sinnvoll ist, wenn man sich spezialisiert. Den grössten Bedarf sah ich damals, vor ca. 30 Jahren, in der Mission zu den Muslimen, und so habe ich mich seither in dieser Richtung engagiert.

Christen tun sich auch in unserem Land immer noch schwer, auf Muslime zuzugehen. Viele haben wohl noch nie eine Moschee besucht. Bedauern Sie dies?
Ja, ich finde es sehr schade, dass auch hierzulande viele Christen Angst und falsche Vorurteile haben! Es ist schade, dass die bestehenden «offenen Türen» kaum genutzt werden, um mit Muslimen ins Gespräch zu kommen und um das Evangelium vorzuleben und zu erklären.

An der Konferenz von «Christen begegnen Muslimen» sollen Hemmschwellen abgebaut werden, dass die Begegnung besser möglich ist. Was muss passieren, dass dieser Dialog möglich wird?
Meine Empfehlung: Christen sollen sich informieren über den Islam und die Fakten kennen lernen. Natürlich ist es auch wichtig, den eigenen Glauben anhand der Bibel gut zu kennen. Dabei werden Christen selbstsicherer und haben nun den Mut, auf Muslime zuzugehen und Gespräche zu führen. Ich denke, am Anfang ist es ratsam, einfach mal Fragen zu stellen und sich Zeit zum Zuhören nehmen.

Im Westen herrscht eine diffuse Angst vor einer Islamisierung. Diese nimmt mit der Flüchtlingskrise noch zu. Haben Sie Verständnis dafür?
Ja, dafür habe ich Verständnis. Dies ist ein Spannungsfeld: einerseits sagt ja Jesus «In der Welt habt ihr Angst», aber andererseits versichert er uns auch «dass er immer bei uns ist!» (Johannes 16, Vers 33 und Matthäus 28, Vers 20). Wir sollten uns fragen, wie Jesus reagieren würde. Würde er die Flüchtlinge wegschicken oder zu ihnen gehen und die frohe Botschaft erklären? Wir Christen sollen ja dem Beispiel von Jesus folgen, oder?!

Meine Auffassung ist es demnach, dass die Muslime, die nach Europa kommen, eine Herausforderung sind für die Kirche! Gott schickt die Muslime zu uns, damit sie die Wahrheit in Jesus hören können!

Was sehen Sie als Hauptherausforderungen bei der Integration von Muslimen in der Schweiz und Deutschland?
Es ist tatsächlich eine grosse Herausforderung und es wäre schön, wenn möglichst viele Christen die Chance wahrnähmen und sich irgendwie engagieren. Hier einige Möglichkeiten: ihnen helfen, sich im alltäglichen Leben zurecht zu finden; helfen, dass sie die Sprache erlernen; in die Gemeinde und auch nach Hause einladen; die Bibel und ihre Botschaft erklären und vieles mehr!

Vereinzelt ist von Gemeinden bei uns zu hören, in denen Muslime zum Glauben an Jesus finden (s. Livenet-Artikel über eine Gemeinde in Berlin). Glauben Sie, dass dies eine Ausnahme ist oder dass solche Bekehrungswellen im grösseren Stil möglich sind?
Natürlich denke ich, dass dies auch im grösseren Stil möglich ist, dass Muslime zum Glauben an Jesus finden. Ich muss allerdings betonen, dass wir Christen einfach die Wahrheit in Jesus erklären sollen, aber dass nur der Heilige Geist die Bekehrung schenken kann!

Was ist Ihr grösster Wunsch für die Christen in der Schweiz, was das Zusammenleben mit Muslimen betrifft?
Dass die Christen anfangen, aktiv zu werden und nicht mehr schweigen! Schweigende Christen werden nämlich von Muslimen als Leute angesehen, die einen «schwachen Glauben» haben! Ein schwacher Glaube ist aber für die Muslime nicht attraktiv! Wie gesagt: Christen sollen sich informieren und den Mut haben, aktiv auf Muslime zuzugehen!

Zur Webseite:
Konferenz «L2M - Christen begegnen Muslimen»

Zum Thema:
Faktor Liebe: Warum hundert Muslime Christen wurden
Von Hilfsbereitschaft überzeugt: Helfende Hände führen Muslim zu Jesus

Einsatz unter Muslimen: «Freundschaft ist die effizienteste Art der Evangelisation»
Keine Angst vor Islamisierung: Merkel: «Haben wir den Mut, zu sagen, dass wir Christen sind»

Datum: 05.10.2015
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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