Die Volkstribune

Der Zorn der alten Männer

Alte Männer, welche die herrschenden Zustände verdammen und nach der Macht greifen, haben Zulauf. Von den USA über Polen bis in die Schweiz. Welcher Geist beseelt diese Weltverbesserer? Ein Kommentar von Fritz Imhof.

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Donald Trump
Wer hätte vor einem halben Jahr gedacht, dass der New Yorker Immobilienkönig Donald Trump mit seinen derben Sprüchen und radikalen Forderungen zum ernsthaften Favoriten für die republikanische Präsidentschaftskandidatur werden würde. Wer hätte gedacht, dass ein Demokrat wie Bernie Sanders, der von ganz links kommt und mit marxistischem Vokabular radikale Änderungen will, die gesetzte Kandidatin Hillary Clinton bedrängen könnte.

Oder wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass ein reicher Industrieller es schafft, das Schweizer Politsystem zu erschüttern und Volksmehrheiten für radikale Lösungen zu finden, wo man doch allgemein überzeugt war, dass das System der Schweizer Demokratie immer wieder für Ausgleich sorgen würde? Der Blick nach Osteuropa zeigt, wie auch dort mächtige alte Männer durch die Entmachtung von Medien und Richtern ihre Macht erweitern und der Bevölkerung weismachen können, dass sie damit die Probleme lösen können.

Ängste bereiten Populisten ihre Bahn

Es grassiert die Angst vor Überfremdung, der Überflutung von Flüchtlingen aus fremden Kulturkreisen und Religionen und Wohlstandverlust. Auf der andern Seite die Angst vor Sozialbudgetkürzungen und nackter Armut. Da wünscht man sich Männer, die in der Lage sind, radikal aufzuräumen und Ordnung zu schaffen. Wie zum Beispiel Victor Orban in Ungarn. Es ist die Stimmung, die schon mal Mussolini, Hitler und Franco an die Macht gebracht hat. Es ist auch Ausdruck des Frusts, dass die aktuelle politische Elite die Interessen von mächtigen Lobbyisten vertritt, statt echte und faire Lösungen zu schaffen.

Christen sind von solchen Trends nicht immer unbeeinflusst. Das zeigten schon die deutschen Christen, die bereitwillig auf die Nationalsozialisten setzten und sich anpassten. Führende Christen in Freikirchen und Werken blieben davor nicht verschont. Während die einen sich der bekennenden Kirche anschlossen oder Widerstand leisteten und Märtyrer wurden, marschierten andere mit und applaudierten dem, der endlich aufräumte.

Einfache Lösungen – schon in der Bibel

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Redaktor Fritz Imhof
Es gibt im Neuen Testament ein sehr eindrückliches Beispiel, wie alte Männer ihre Macht sicherten, indem sie das Volk dazu brachten, einer einfachen Lösung zuzustimmen. Als Jesus sich Jerusalem näherte und seine Taten die religiöse Elite zu beunruhigen begann, hatte laut dem Johannes-Evangelium der damalige Hohepriester Kajaphas eine bestechende Idee: «Habt ihr euch nie überlegt, dass es in eurem Interesse ist, wenn ein Mensch für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk umkommt?» Die Ratsmitglieder schafften es bekanntlich, die Idee in die Tat umzusetzen und Jesus mit Hilfe der ungeliebten Besatzer zu beseitigen. Das Volk, das Jesus zuvor freudig begrüsst hatte, applaudierte und entschied sich gleichzeitig für den Terroristen Barrabbas.

Wir kennen in der Geschichte genügend Beispiele, wo ein falscher Messias – in der Form einer Person, Bewegung oder Partei – es schaffte, die Macht an sich zu reissen, und dann statt seine Heilsversprechung einzulösen, ein Land oder einen Kontinent in den Abgrund riss. Christen sind besonders begabt, aber auch beauftragt, die Zeichen der Zeit zu erkennen und im Interesse der Reich Gottes und ihrer Gesellschaft auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen.

Zum Thema:
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Charlie Hebdo: Vom Terror der Islamisten verblendet?

Datum: 15.02.2016
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

Kommentare

Die Menschen im abendländischen Kulturkreis sind zunehmend beunruhigt darüber, dass in ihren Ländern immer mehr "den Bach runtergeht". Da sich aber die meisten bereits von Gott abgewendet haben, wissen sie nichts mehr davon, dass gerade diese Abwendung die Wurzel allen Übels ist. In ihrer Ratlosigkeit hören dann viele auf populistische Politiker und Bewegungen, damit "alles wieder gut wird". In der Schweiz schlingert Blochers SVP zwischen Populismus und staatstragender Partei zwar gegen den postmodernen Zeitgeist an, jedoch muss man als Christ auch bei ihr immer wieder feststellen, dass nicht wirklich ein christliches Fundament besteht. Ohne Umkehr zu Gott gibt es keine Heilung für das Land.

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