Nur besseres Leben?

Muslime wechseln zum Christentum

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Oft werden Flüchtlinge in der öffentliche Debatte als Menschen wahrgenommen, die «nur» ein besseres Leben wollen. Eine zum Christentum konvertierte Perserin erinnert aber an andere Fluchtmotive.

Die Flüchtlingskrise beschert der römisch-katholischen Kirche in Österreich eine Rekordzahl an Menschen, die vom Islam zum Christentum wechseln. Letztes Jahr, also 2017, habe es rund 750 Erwachsenentaufen gegeben, etwa 75 Prozent davon seien Konvertiten mit muslimischem Hintergrund, sagte ein Sprecher der Erzdiözese Wien der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allein in Wien haben sich 260 Menschen aus 15 Nationen taufen lassen.

Dass sich Asylbewerber taufen liessen, um ihre Chancen auf Asyl zu verbessern, sei ein Vorurteil, meint Friederike Dostal, die für Erwachsenentaufen in der Erzdiözese Wien zuständig ist. Denn der Weg zur Taufe ist durchaus steinig. «Da die Katholische Kirche in Österreich keine Scheinchristen will, ist sie sehr streng bei der Auswahl der Bewerber und der Zulassung zur Taufe».

Die anderen Fluchtgründe

Diesen Weg hat die 42-jährige Alexandra aus dem Iran hinter sich, die nach eigenen Worten im Herbst 2015 nach Österreich gekommen ist. Muslime seien vertraut mit Jesus, Maria und Moses, da diese im Koran auch eine wichtige Rolle spielten. Es sei auch nicht schwer, in der Islamischen Republik eine Bibel zu bekommen. Die christliche Minderheit der Armenier habe sogar eigene Kirchen. Allerdings sei es äusserst gefährlich, den muslimischen Glauben zu verlassen, betont sie gegenüber dpa.

Die öffentliche Debatte in Österreich ist stark vom angeblichen Asylmissbrauch geprägt. «Es ist gut, dass konkrete Schicksale uns immer wieder an die ganz anderen Fluchtgründe erinnern», sagte eine Sprecherin der Erzdiözese. Österreich ist wie Deutschland seit 2015 eines der Hauptzielländer von Flüchtlingen.

Schweiz: Zuflucht Freikirchen?

Immer mehr muslimische Flüchtlinge schliessen sich in der Schweiz Freikirchen an. Sie hoffen, dass sie als Christen nicht zurückgeschickt werden. Die Behörden haben aber laut der Tageszeitung «Blick» «die Masche durchschaut».

Bibelstunden und Taufvorbereitungen würden Asylbewerbern von gewissen Freikirchen angeboten, heisst es in der NZZ am Sonntag. Unter den Konvertiten sind laut Zeitung vor allem Iraner und Afghanen zu finden. «Die starke Frömmigkeit und die familiäre Atmosphäre, die in den Freikirchen herrschen, entsprechen den Bedürfnissen der Konvertiten wohl eher als die etwas unverbindlichen Landeskirchen», sagt dazu Philippe Dätwyler von der reformierten Landeskirche Zürich gegenüber «20 Minuten».

Aufnahmeentscheid gemäss Gesetz

Doch der Übertritt zum Christentum kann für die Asylsuchenden auch zu Problemen führen, schreibt Autor P. Michel in «20 Minuten». Er zitiert Philippe Dätwyler: «Flüchtlinge, die zum Christentum übertreten wollen, müssen unbedingt auch auf die Gefahren hingewiesen werden.»

Léa Wertheimer, Sprecherin des Staatsekretariats für Migration, betont gegenüber «20 Minuten», dass es beim Aufnahmeentscheid keine Rolle spielt, ob eine Konversion zum Christentum stattgefunden hat: «Wir prüfen immer im Einzelfall, ob jemand gemäss Gesetz Asyl erhält oder nicht.»

Das Bundesverwaltungsgericht, die letzte Instanz für abgelehnte Asylsuchende, beschäftigt sich laut der NZZ am Sonntag mittlerweile rund 30 Mal pro Jahr mit Konvertiten. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) sei vor allem gegenüber Asylsuchenden aus Iran skeptisch.

Zum Thema:
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Datum: 16.01.2018
Autor: Willy Gautschi
Quelle: Livenet / Welt / 20 Minuten/ NZZ am Sonntag / Farang / dpa / kath.ch

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