«Brückenschlag für Ökumene»

Pilgerweg für Protestanten zu Luther-Gedenkjahr

Der Reformator Martin Luther hielt vom Pilgern sehr wenig. Doch 500 Jahre nach seinem Wirken ist ein Pilgerweg ins Leben gerufen worden, auf dem Interessierte Luther und seiner Reformation nachspüren können.

Zoom
Von Pilgerreisen und Wallfahrten, wie sie in der katholischen Kirche üblich sind, hielt Martin Luther wenig. Die Vorstellung, der Pilger könne durch Anstrengung die Gunst Gottes erwerben, stiess ihn ab. Über den berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela sagte er: «Wer weiss, wen sie dort begraben haben? Jakobus sicher nicht. Vielleicht liegt dort ein toter Hund oder ein totes Pferd im Grab. Bleibt zu Hause!» Ausgerechnet an jenen Luther erinnert nun ein Pilgerweg, den eine Privatinitiative in Nordhessen erdachte. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) am 12. August 2016 unter der Überschrift «Hier gehe ich und kann nicht anders».

Zoom
Über 400 Kilometer führt der neue Luther-Pilgerweg durch vier Bundesländer
Der Luther-Weg, der fast vollständig ausgeschildert ist, führt über rund 400 Kilometer durch vier Bundesländer: Sachsen Anhalt, Sachsen, Thüringen und Bayern. Laut der Webseite ist der Weg gedacht für «Pilger, Wanderer und an Besucher, die an der Reformation und ihren Wirkungen interessiert sind». Der Weg führe durch Städte und Ortschaften, die verschiedene Zugangsweisen zu Luther und der Reformation ermöglichten. In der 2008 gegründeten Lutherweg-Gesellschaft arbeiten Vertreter von evangelischen Landeskirchen, Politik, Tourismus- und Wanderverbänden, Wirtschaft und Bildung.

Für Luther war die Route vom rheinland-pfälzischen Worms über Frankfurt bis zur Wartburg 1521 ein Fluchtweg, klärt die SZ auf. «Auf dem Reichstag zu Worms hatte er sich geweigert, seinen Glaubensgrundsätzen abzuschwören ('Ich kann und will nichts widerrufen. Gott helfe mir'), war in Acht gefallen und vogelfrei. Auf der Wartburg fand er Unterschlupf», schreibt Autorin Susanne Höll. Welche Stätten der Reformator damals tatsächlich passierte, sei aber ungewiss.

«Brückenschlag für die Ökumene»

Die evangelische Kirche unterstützt den Pfad. Der Leiter des Projektbüros Reformprozess bei der Evangelischen Kirche Deutschlands, Oberkirchenrat Konrad Merzyn, weist gegenüber der Zeitung auf den Boom hin, den das Pilgern in den 90er Jahren erfahren hat, ausgelöst nicht zuletzt durch das Buch «Ich bin dann mal weg» von Entertainer Hape Kerkeling. Der Wunsch nach spirituellen Wanderungen sei aus den Gemeinden gekommen und sehr gross, sagt Merzyn. Der Oberkirchenrat freut sich, dass ein halbes Jahrtausend nach der Kirchenspaltung das Pilgern ein «schöner Brückenschlag» für die Ökumene darstelle.

Die Kirchenoberen bildeten nun Pilgerleiter aus, so die SZ. «Knapp vier Dutzend dieser spirituellen Begleiter haben das Programm bereits durchlaufen. Sie betreuen ehrenamtlich Tagespilger-Gruppen, die hinter einem geschmückten Kreuz durch Wald und Feld ziehen.» Die für die Fortbildung zuständige Pfarrerin Dorothea Hillingshäuser von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau betont, dass Pilgern nicht gleich Wandern sei. Es komme nicht auf den sportlichen Ehrgeiz an, sondern auf der Strecke werde meditiert, gebetet und auch geschwiegen.

Zur Webseite:
Lutherweg

Zum Thema:
Pilgern mal anders: 4 Millionen Schritte für einen Brunnen
Neuer Pilgerweg eröffnet: Auf den Spuren von Felix und Regula
Neu im Kino: «Ich bin dann mal weg» – der Pilger-Bestseller als Film

Datum: 17.08.2016
Quelle: PRO Medienmagazin

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um diesen Artikel zu kommentieren.
Anmelden
Mit Facebook anmelden

Publireportage

Täglich inspirierend
Auf Livenet.ch können der Mann und die Frau von nebenan ebenso in einer News-Meldung vorkommen wie der Hollywoodstar. Dieser einzigartige Livenet-Mix ist es, der die Macher wie auch die Leser begeistert.

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Ein kleines Dorf
In der laufenden Woche sind 225 Mitglieder der jüdischen «Bnei Menashe»-Gemeinschaft in Israel eingewandert. Ihre Wurzeln gehen zurück auf den...
Landung in Lesotho
Weil die medizinische und geistliche Versorgung im Berggebiet gering ist, steht die «Mission Aviation Fellowship» den Bewohnern bei. Dies in...
Neuer Rekord
Der Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies; UBS) hat im vergangenen Jahr 38,6 Millionen gedruckte und digitale Bibeln verbreitet...
Fussball-WM und Evangelium
Zu Events wie der Fussball-Weltmeisterschaft reisen viele Menschen an. Deshalb haben Christen dies in der Vergangenheit gern für missionarische...

Werbung

Kommentar

Ein Grabenkampf: Kinder – nur kostspielige Nervensägen?
Öffnet sich tatsächlich ein Graben zwischen Eltern und Kinderlosen? Ein Artikel in der...

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

Livenet Service