Auch auf Youtube ein Renner

Worthaus-Tagung auf Luthers Spuren

Seit einigen Jahren macht ein christliches Phänomen im Internet die Runde: «Worthaus». Unter diesem Namen beschäftigen sich Theologen rund um Professor Siegfried Zimmer (69) aus Sicht der Bibelwissenschaft mit Glaubensthemen. Bis zu 30'000-mal wurden diese Referate auf Youtube aufgerufen. Über die Pfingsttage fand «Worthaus 6» statt – in 15 Vorträgen und Fragerunden in Heidelberg drehte sich alles um den Reformator Martin Luther.

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Worthaus 3 (2013)
Kann eine theologische Fachtagung mehr als nur Insider begeistern? Sie kann. Worthaus war schon in den vergangenen Jahren ein Format, das akademische Prägung und geistliche Herausforderung verbinden konnte. Und zwar sowohl bei den Live-Konferenzen als auch bei den auf Youtube bzw. als Podcast veröffentlichten Vorträgen.

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Siegfried Zimmer

Über die diesjährigen Pfingstfeiertage liessen sich gut über 200 Zuhörer aus ganz Deutschland und der Schweiz auf «Die Reformation und ihre Schlüsselfigur» ein. Referenten waren neben dem Religionspädagogen Siegfried Zimmer die Professoren Thorsten Dietz, Michael Welker und Peter Zimmerling.

Luther im Fokus

Im Vorfeld zum 500. Reformationsjubiläum ging es um das komplexe und spannende Gebilde Reformation. Martin Luther stand dabei als prägender Initiator und gleichzeitig Lehrer der gesamten Christenheit im Mittelpunkt:
- Was ist das Reformatorische an der Reformation?
- Wie gehen wir mit antisemitischen Äusserungen Luthers um?
- Welche Rolle spielen Ängste in Leben und Theologie des Reformators?
- Was sind seine bahnbrechenden Erkenntnisse in der Rechtfertigung?
Diese und noch zahlreiche weitere Themen wurden bei Worthaus vorgestellt und diskutiert.

Auffallend war die differenzierte Annäherung an den grossen Reformator. Seine Verdienste – nicht nur für protestantische Christen – wurden sehr deutlich herausgestellt. Bekanntes und weniger Bekanntes und nicht zuletzt seine theologischen Weichenstellungen unterstrichen seine Rolle als Vorbild für Protestanten, Katholiken und Freikirchler. Doch der Kongress war keine Jubelveranstaltung für Luther. Seine Schattenseiten, wie zum Beispiel sein im Alter immer stärker werdender Antisemitismus, fanden genauso Beachtung.

Luther persönlich

Mit welchen Erwartungen sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Worthaus nach Heidelberg gekommen? Was nehmen sie mit nach Hause?

«Ich geniesse die grosse Weite»

Daniel (21) studiert in Frankfurt Mathematik und Religion fürs Lehramt. Beim SPRING Festival hat er Siegfried Zimmer kennengelernt und seine Vorträge im Internet weiter verfolgt. «Ich bin gekommen, weil man immer noch etwas dazulernen kann. An der Uni erlebe ich Theologie oft als eher eng, vor lauter Details verliert man den Überblick – hier geniesse ich die grosse Weite. Ich freue mich, dass so wichtige Dinge wie die Rechtfertigung zentral auf den Punkt gebracht werden, klar und mit wenigen Worten.»

«Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt»

Ursula (49) ist Altenpflegerin aus Kiel. Irgendwann hat sie im Radio einen Bericht über Worthaus gehört und war direkt begeistert: «Ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Solche Freiheit im Umgang mit der Bibel, solch fundierte Aussagen, die kritisch sein können, ohne gleich alles zu zerpflücken.» Sie war so angetan von den Botschaften, dass sie durch das live Miterleben «auf ein normales Mass runterkommen» wollte. Ganz geschafft hat sie es nicht, dafür hat ihr der Kongress zu viel gebracht, aber sie hat die Referenten als «Menschen wie du und ich» kennengelernt.

«Darüber muss ich nachdenken»

Tobias (38) ist Ingenieur aus Stuttgart. Er war das erste Mal bei einem Worthaus-Kongress. Die Online-Vorträge hat er schon eine Weile verfolgt. Als er vom Thema des diesjährigen Kongresses hörte, musste er unbedingt dabei sein. «Ich wollte Luther und die Grundlage seines Glaubensverständnisses besser verstehen, genauso wie Sündenfrage und Gerechtsprechung. Und meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Jetzt heisst es, die Notizen nochmal nachzuarbeiten, denn darüber muss ich zu Hause noch länger nachdenken.»

«Das hier ist intellektuelle Erholung»

Judith (35) ist Theologin und arbeitet als Diakonin in Ansbach. Nach ihrem Erleben des Kongresses gefragt, hat sie tief durchgeatmet und gemeint: «Das hier ist intellektuelle Erholung für mich. Morgen gehe ich zutiefst befriedigt an meine Arbeit mit Flüchtlingen zurück.» Besonders genossen hat sie die gute, fundierte Theologie, den Rundumschlag an Lehre, die Anregungen, selber in die Tiefe zu gehen und nicht zuletzt «den Austausch mit Leuten, die glauben und denken wollen».

«Es war viel persönlicher als erwartet»

Anna (27) promoviert gerade in Basel als Biologin. Es ist ihre zweite Worthaus-Tagung. «Ich war zwar christlich geprägt, aber mit einem rissigen Fundament. Als Fragestellerin entwickelte ich im Studium immer grössere Zweifel an Gott – und dann stiess ich auf Worthaus.» Dieses Jahr wollte sie gern hören, was die Reformation eigentlich ausmacht und was heutige Theologie zu Luther zu sagen hat. «Ja, darüber habe ich viel gehört. Aber entgegen meinen Erwartungen war das Ganze sehr persönlich, mit guten Anregungen für mich und mein Glaubensleben.»

Zum Thema:
Tipps von Martin Luther: Wenn die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln ist
Auf den Spuren Luthers: Röbi Koller berichtet über seine Reformationsreise nach Deutschland
Archäologen: Auf den Spuren Martin Luthers

Datum: 18.05.2016
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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