USA: Pfarrer kritisieren den `Evangelisten` Bush

Washington . Dass US-Präsident George W. Bush immer öfter fromme Worte in seine Ansprachen einflicht, ruft seine Kritiker auf den Plan. Bush habe sich zunächst nach den Anschlägen des 11. September religiös pluralistisch geäussert, doch zunehmend wirkten seine Worte wie eine Evangelisation, kritisiert Pfarrer Barry Lynn, Direktor der amerikanischen Vereinigung für die Trennung von Kirche und Staat.

Bush scheine es schwerzufallen, seine persönlichen Glaubensüberzeugungen von seinen Positionen als Politiker zu trennen, sagte Lynn der Tageszeitung New York Times. Er hält die Wortwahl des Präsidenten für kühl kalkuliert, um der christlich-konservativen Wählerschaft zu gefallen. Ein weiterer New Yorker Pfarrer, Arthur Caliandro von der Vereinigung “Partner im Glauben”, sieht Bushs religiöse Sprache sogar für “sehr gefährlich” an. Obwohl der Präsident in seinen Reden spezifisch christliche Aussagen vermeidet, erregt er Unmut, wenn er beispielsweise vom “allmächtigen Gott” oder von “Gottes Gnade” spricht.

Seine Hörfunkansprache vor dem Oster- und Passah-Fest habe sich für viele wie eine Predigt angehört, so die New York Times. Bush hatte unter anderem gesagt: “Wir spüren unsere Abhängigkeit vom Schöpfer, der uns gemacht hat. Wir bringen ihm unsere Sorgen und Nöte und suchen Gottes Gnade.” Auch seine Äusserungen im Zusammenhang mit der staatlichen Förderung diakonischer Dienste rufen Stirnrunzeln bei Vertretern einer strikten Trennung von Kirche und Staat hervor. So sagte Bush: “Der Staat kann Schecks ausstellen, aber er kann keine Hoffnung oder Lebenssinn in Menschenherzen erzeugen. Das können nur Menschen tun, die einen Ruf gehört haben, die im Glauben handeln und davon Zeugnis geben.”

Bushs Sympathisanten: Sein Glaube ist echt

Im Gegensatz zu den Kritikern sehen Bushs Sympathisanten solche Worte nicht als politisches Kalkül an. Sein christlicher Glaube sei echt. Man solle ihm die Freiheit zubilligen, so zu sprechen, wie er es für richtig halte, und es den Bürgern überlassen, ob sie einen solchen Präsidenten wollen. Dieser Überzeugung ist Pastor Richard Land, Leiter der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit der Südlichen Baptisten, mit über 16 Millionen Mitgliedern die grösste protestantische Kirche der USA. Bushs Glaubensleben als Christ habe lange vor seiner Präsidentschaft begonnen. Er wurde in der anglikanischen und reformierten Tradition seiner Eltern erzogen, schloss sich aber nach seiner Hochzeit der Evangelisch-methodistischen Kirche an. Mitte der achtziger Jahre, als er mit dem Alkohol Probleme bekam, erneuerte er nach eigenen Aussagen sein Leben mit Christus. Bush hat mehrfach betont, er spüre, dass Menschen für ihn beten.

Am 2. Mai findet in den USA der jährliche Nationale Gebetstag statt. Die Verantwortlichen rechnen aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers mit einer Rekordteilnahme. Im vergangenen Jahr gab es an etwa 30.000 Orten Gebetstreffen, so der Informationsdienst EP News (Minneapolis). In einem Gebet, das der Seelsorger des amerikanischen Senats, Pfarrer Lloyd Ogilvie, für diesen Tag geschrieben hat, heisst es: “Wir entdecken wieder, dass Du (Gott) in Wahrheit unsere Zuflucht und Stärke bist, eine Hilfe in den Nöten, die uns getroffen haben. Wir weihen uns erneut als ein Volk unter Dir.” Das Gebet soll in allen Veranstaltungen um zwölf Uhr mittags verlesen werden. Der Nationale Gebetstag geht auf einen Aufruf des ersten amerikanischen Kongresses im Jahre 1775 zurück. 1952 wurde er unter Präsident Harry S. Truman als jährliche Veranstaltung gesetzlich verankert. Seit 1988 findet er jeweils am ersten Donnerstag im Mai statt.

Datum: 27.04.2002
Quelle: idea Deutschland

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